Knapp 50 Milliarden Dollar annualisierten Umsatz hat OpenAI seinen Investoren laut Financial Times für Ende September genannt, umgerechnet 43,5 Milliarden Euro. Bisher kursierte ein Wert von rund 70 Milliarden Dollar. Die Lücke von 17,4 Milliarden Euro entsteht aus der Zählweise bei Verkäufen über Cloudpartner.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenNach dem Bericht über den OpenAI-Umsatz gaben am Donnerstag die Technologiewerte nach: Der Nasdaq verlor 1,25 Prozent, so viel wie seit Mitte August an keinem Handelstag. Oracle fiel um 5,5 Prozent, CoreWeave um 8 Prozent und Nvidia um 2,9 Prozent. OpenAI äußerte sich auf Anfrage von Reuters zunächst nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- OpenAI nennt Investoren laut Financial Times einen Umsatzlauf von knapp 43,5 Milliarden Euro.
- Im bisher gehandelten Wert von rund 60,9 Milliarden Euro steckten die Bruttoerlöse von Partnern.
- Anthropic zählt Verkäufe über Amazon Web Services und Google Cloud vollständig als eigenen Umsatz.
- Geprüfte Zahlen liefert OpenAI erst mit dem Börsengang, geplant für 2027.
Woher stammt der Wert von 70 Milliarden Dollar?

Laut Financial Times errechneten OpenAIs eigene Investoren den höheren Wert, um das Unternehmen direkt mit Anthropic vergleichen zu können. CNBC nennt unter Berufung auf eine informierte Person 68 Milliarden Dollar, also 59,2 Milliarden Euro, einschließlich der Bruttoerlöse von Partnern. Die neue Angabe beruht auf dem Nettoumsatz.
Auch Wachstumsraten gab OpenAI weiter. Laut CNBC stieg der Umsatzlauf im dritten Quartal um 77 Prozent, im Geschäft mit Unternehmenskunden um 107 Prozent. Anthropic kam laut Bloomberg Ende Juli auf einen hochgerechneten Umsatzlauf von 56,6 Milliarden Euro und liegt damit vor OpenAIs Nettowert.
Was unterscheidet Brutto- und Nettoumsatz?
Der Bilanzstandard IFRS 15 und sein US-Pendant ASC 606 fragen, ob ein Unternehmen als Prinzipal oder als Vermittler handelt.[1] Kontrolliert der Anbieter die Leistung vor der Übergabe an den Kunden, bucht er den vollen Rechnungsbetrag als Umsatz. Bleibt die Kontrolle beim Partner, steht nur die eigene Provision oder Lizenzgebühr in den Büchern.
Zahlt ein Kunde 100 Dollar, also 87 Euro, über eine Cloudplattform für Modellnutzung, verbucht Anthropic laut Financial Times den ganzen Betrag. OpenAI weist nur den Teil aus, der beim eigenen Unternehmen ankommt. Beide Werte sind zudem Hochrechnungen: Ein Umsatzlauf rechnet meist den jüngsten Monat auf ein Jahr hoch und ersetzt keinen geprüften Jahresabschluss.
Warum fallen Oracle und CoreWeave am stärksten?
Rechenzentren für OpenAI stehen in den Büchern von Zulieferern. Oracle hält mehrere Milliarden Dollar schwere Verträge mit OpenAI, ein Teil seines Auftragsbuchs von 578 Milliarden Euro. CoreWeave vermietet Nvidia-Chips an KI-Labore, ein Kreislaufgeschäft mit Nvidia als Investor und Lieferant. OpenAI bezahlt diese Verträge aus dem laufenden Umsatz.
Zuletzt bewerteten Investoren OpenAI mit 852 Milliarden Dollar, also rund 741 Milliarden Euro. Auf den Nettowert bezogen entspricht das dem 17-Fachen des Jahresumsatzes, auf den Bruttowert bezogen gut dem 12-Fachen. SoftBank hat für seine Beteiligung zuletzt Hochzinsanleihen begeben.
Netto oder brutto entscheidet bei OpenAI über 17 Milliarden Euro, und keine der beiden Zahlen hat ein Wirtschaftsprüfer unterschrieben.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie lesen Entscheider die Umsatzzahlen der KI-Labore?
Anthropic könnte laut SiliconANGLE frühestens am 9. November an die Börse gehen und legt dann erstmals geprüfte Zahlen vor. Im Prospektentwurf stehen laut Reuters bereits 80 Seiten Risikofaktoren. Bis dahin vergleichen Einkäufer und Investoren zwei Hochrechnungen mit unterschiedlicher Basis. Für eine Lieferantenbewertung fragen IT-Abteilungen deshalb nach dem Stichtag und nach der Behandlung von Partnerumsätzen.
Dieselbe Abgrenzung betrifft Systemhäuser im DACH-Raum, die Modellzugänge über Microsoft Azure, AWS oder Google Cloud weiterverkaufen. Ob ein Haus nach IFRS 15 den vollen Betrag oder nur die Marge als Umsatz zeigt, folgt aus der Vertragsgestaltung. Finanzabteilungen dokumentieren diese Einordnung am besten schon bei Vertragsschluss.
FAQ: OpenAI-Umsatz: 43,5 statt 60,9 Milliarden Euro, weil OpenAI netto zählt
Was ist ein annualisierter Umsatz?
Ein annualisierter Umsatz, auch Umsatzlauf oder Run-Rate genannt, rechnet die Erlöse eines kurzen Zeitraums auf ein Jahr hoch, meist die des jüngsten Monats. Die Kennzahl zeigt das aktuelle Tempo, ersetzt aber keinen geprüften Jahresumsatz.
Warum weichen die Umsatzzahlen von OpenAI so stark ab?
Laut Financial Times nennt OpenAI Investoren den Nettoumsatz von knapp 43,5 Milliarden Euro. Der höhere Wert von rund 60,9 Milliarden Euro rechnete die Bruttoerlöse von Partnern ein, um OpenAI mit Anthropic vergleichbar zu machen.
Was bedeutet Prinzipal oder Agent nach IFRS 15?
Kontrolliert ein Unternehmen eine Leistung vor der Übergabe an den Kunden, handelt das Unternehmen als Prinzipal und bucht den vollen Betrag als Umsatz. Ein Agent vermittelt nur und zeigt allein seine Provision oder Marge als Umsatz.
Wann legt OpenAI geprüfte Zahlen vor?
OpenAI hat im Juni vertraulich einen Börsenprospekt bei der US-Börsenaufsicht eingereicht und plant den Börsengang für 2027. Mit dem öffentlichen Prospekt muss das Unternehmen erstmals geprüfte Abschlüsse vorlegen.
Quelle
[1] Amtsblatt der Europäischen Union: „Verordnung (EU) 2023/1803, IFRS 15 Erlöse aus Verträgen mit Kunden, Anhang B34 bis B38: Prinzipal oder Agent“
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