Das Kapital könnte nach Ansicht von Broadcom-Chef Hock Tan zum größten Engpass des KI-Ausbaus werden. Sein eigener Konzern leiht dem Kunden Anthropic bis zu 36,5 Milliarden Euro, damit der Claude-Entwickler Rechenleistung auf Broadcom-Chips mieten kann.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenHock Tan nutzte am Montag die Asia Future Forward Conference der Bank DBS in Singapur für eine Warnung an KI-Anleger. Zahlreiche Investoren hätten „keine Ahnung, worin sie investieren“, sagte der Broadcom-Chef laut Bloomberg. Viele hegten „sehr extreme Erwartungen“, nur um dann festzustellen, dass sie „fast wie in einem Casino“ säßen.
Das Wichtigste in Kürze
- Viele KI-Anleger wissen laut Hock Tan nicht, worin sie investieren, und erleben die Branche fast wie ein Casino.
- Auch Intel-Chef Lip-Bu Tan sieht beim Kapital die unmittelbare Hürde.
- Broadcom finanziert die Nachfrage nach den eigenen Chips teilweise selbst.
- Versicherer im Euroraum halten laut EZB rund 211 Milliarden Euro in Private Credit, deutsche Häuser überdurchschnittlich viel.
Warum hält Tan das Kapital für den Engpass?

Speicherchips und Wafer würden nach Tans Erwartung in den nächsten Jahren leichter verfügbar, die Nachfrage nach Rechenleistung übersteige das Angebot aber bis 2029 oder 2030, berichtet CNBC.[1] „Die größte Beschränkung könnte das Kapital sein“, sagte Tan.
Intel-Chef Lip-Bu Tan nannte auf demselben Podium Kapital und Kapitalkosten als unmittelbare Herausforderung. Auf längere Sicht wollten die Geldgeber eine Rendite sehen.
Einen großen Teil des Firmenkundenumsatzes der KI-Labore machen laut Tan bislang Pilotprojekte aus. Für diese Testphase zog der Broadcom-Chef einen Spielhallen-Vergleich: „Als Kind gehen Sie in eine Spielhalle. Ihre Eltern geben Ihnen Spielmarken für 10 Dollar, Sie verbrauchen sie in 10 Minuten und haben nichts gelernt.“ OpenAI verliere wegen der Trainingskosten noch Geld, sagte Tan, der Umsatz des ChatGPT-Anbieters zeige vorerst nur das Wachstumspotenzial großer Sprachmodelle.
Warum leiht Broadcom seinen Kunden Geld?
Broadcom verdient am KI-Ausbau als Lieferant maßgeschneiderter Chips, wie die Analyse des Geschäftsmodells zeigt, und zunehmend als Geldgeber. Laut Anthropics Börsenprospekt stellt der Chipkonzern dem Claude-Entwickler bis zu 36,5 Milliarden Euro über Wandelanleihen bereit. Über die Plattform AI XPV organisierte das Unternehmen im Juni mit Apollo und Blackstone eine erste Tranche von 30,5 Milliarden Euro für Rechenzentren mit eigenen Chips.[2]
Für Broadcom selbst hängt viel an der Kapitalfrage. Im Geschäftsjahr 2028 peilt der Konzern rund 200 Milliarden Euro Umsatz mit KI-Chips an, etwa das Vierfache des laufenden Jahres. Fehlt den Kunden das Geld, wackelt dieses Ziel, also springt Broadcom selbst als Kreditgeber ein. Nvidia ging denselben Weg und organisierte 435 Milliarden Euro Fremdkapital.
Um 2000 verkauften die Netzausrüster Lucent und Nortel ihren Kunden die Technik auf Kredit. Nach dem Ende des Telekom-Booms fielen viele dieser Kredite aus. Gerät Anthropic ins Straucheln, verliert Broadcom doppelt, als Gläubiger und als Lieferant.
Die heutige Knappheit kann in einem Jahr vorbei sein.
Mehr Angebot erwartet Tan 2028 oder 2029.
Die Nachfrage übersteigt das Angebot bis 2029, womöglich bis 2030.
Das Kapital könnte nach Tans Worten der größte Engpass werden.
Über Wandelanleihen, abrufbar nach dem Börsengang des Claude-Entwicklers.
Erste Tranche mit Apollo und Blackstone für Rechenzentren mit Broadcom-Chips, Juni 2026.
So viel peilt Broadcom im Geschäftsjahr 2028 an, rund das Vierfache des laufenden Jahres.
Sobald der Chiplieferant die Nachfrage selbst finanziert, sagen volle Auftragsbücher wenig über die Zahlungskraft der Kunden.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Unternehmen in Europa?
Kreditfonds wie die von Apollo und Blackstone sammeln ihr Geld vor allem bei Versicherern sowie Pensionskassen, laut Europäischer Zentralbank stammten von 2017 bis Mai 2026 rund 70 Prozent der weltweiten Zusagen an solche Fonds aus diesen Häusern. Versicherer im Euroraum halten rund 211 Milliarden Euro in Private Credit, etwa 2,3 Prozent ihrer Bilanzsumme. In Deutschland, Frankreich und den Niederlanden liegen die Engagements deutlich höher.[3]
Für Ihr Unternehmen folgen daraus zwei Prüfaufträge:
- Lesen Sie die Preisklauseln Ihrer KI-Verträge. Steigen die Finanzierungskosten der Anbieter, können höhere Preise beim Kunden landen.
- Messen Sie den Ertrag Ihrer KI-Piloten, bevor Sie Budgets ausweiten. Tans Spielhallen-Vergleich zielt genau auf Testprojekte ohne messbaren Nutzen.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- CNBCIntel, Broadcom CEOs warn capital crunch could become AI’s biggest bottleneck
- Broadcom, Apollo und BlackstoneBroadcom, Apollo, and Blackstone Establish Landmark Strategic Platform to Accelerate More Than 20 Gigawatts of Global AI Deployments
- Europäische ZentralbankStress in global private credit markets and its implications for euro area financial stability, Financial Stability Review
Mehr Newshunger?
- 36,5 Milliarden Euro Kredit: Broadcom finanziert Anthropic das Leasing der eigenen Chips
- Broadcom beschafft laut Bloomberg bis zu 87 Milliarden Euro für Anthropics KI-Chips
- SpaceX verhandelt laut FT über knapp 35 Milliarden Euro Schulden für Nvidia-Chips
- Amazon will Nvidia-Chips für 7 Milliarden Euro in eine Zweckgesellschaft auslagern und zurückmieten
- Masayoshi Son zahlt die letzte OpenAI-Rate: 56 Milliarden Euro für 13 Prozent
- OpenAI-Börsengang 2027: Die geprüften Zahlen kommen 15 Tage vor der Roadshow
- Intel: Wie tief ist der Fall des Chip-Pioniers?
- Wie nah ist der Crash der KI-Blase wirklich?
- Alle Meldungen über die Tech-Titanen
