Amazon will laut Financial Times Nvidia-Chips im Wert von rund 7 Milliarden Euro an eine Zweckgesellschaft abgeben und anschließend zurückmieten. Die Grace-Blackwell-Chips laufen bereits in mehr als einem Dutzend US-Rechenzentren.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Nichts, was wir heute mitteilen könnten“, antwortete Amazon-Chef Andy Jassy Ende Juli auf die Frage, wie Amazon seine KI-Rechenzentren finanzieren will. Zwei Monate später liefert die Financial Times eine mögliche Antwort: Externe Investoren sollen einen Teil der teuersten Nvidia-Chips bezahlen, die in Amazons Rechenzentren laufen.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Amazon will laut FT Grace-Blackwell-Chips für rund 7 Milliarden Euro verkaufen und zurückmieten.
- Meta und xAI finanzieren KI-Rechenzentren bereits über ähnliche Gesellschaften.
- Amazons freier Cashflow lag zuletzt bei minus 6,6 Milliarden Euro.
Wie funktioniert Amazons Chip-Geschäft mit Investoren?

Eine eigens gegründete Zweckgesellschaft soll Amazon die Chips abkaufen und an den Konzern zurückvermieten. Das Geld dafür kommt laut Plan über Anleihen, Investoren können zudem bis zu 10 Prozent des Eigenkapitals zeichnen. Betroffen sind laut FT tausende Nvidia-Chips in fünf US-Bundesstaaten, darunter Nevada und Virginia.[1]
Finanzchefs kennen das Muster als Sale-and-Leaseback aus dem Immobiliengeschäft. Als Sicherheit dienen hier allerdings keine Gebäude mit Jahrzehnten Nutzungsdauer, sondern Chips, die nach wenigen Jahren veralten. Amazon und Nvidia ließen Anfragen von Reuters unbeantwortet.
Warum will Amazon die Chips aus der eigenen Bilanz holen?
Der KI-Ausbau verschlingt mehr Geld, als Amazons laufendes Geschäft einbringt. In den zwölf Monaten bis Ende Juni sank der freie Cashflow auf minus 6,6 Milliarden Euro, ein Jahr zuvor stand noch ein Plus von 15,8 Milliarden Euro.[2] Im Juli erhöhte Amazon den Investitionsplan für 2026 auf rund 191,4 Milliarden Euro, auch wegen der steigenden Preise für Speicherchips. Alle Dollarbeträge sind zum Kurs von 0,87 umgerechnet (Stand 2. Oktober 2026).
Über eigene Anleihen sammelte Amazon 2026 bereits rund 53,9 Milliarden Euro ein. Die Schulden der Zweckgesellschaft landen dagegen in deren Büchern, Amazon weist nur die Leasingverpflichtung aus. Beim freien Cashflow verrechnet Amazon Verkaufserlöse mit den Investitionen, der Chipverkauf verbessert die Kennzahl also unmittelbar.[2]
Mit dem Verkauf gibt Amazon zudem das Wertverlust-Risiko ab. Wegen des Tempos der KI-Entwicklung verkürzte der Konzern Anfang 2025 die Nutzungsdauer eines Teils seiner Server von sechs auf fünf Jahre. Verlieren die Chips schneller an Wert, trifft der Verlust künftig die Geldgeber.
Amazon behandelt seine Nvidia-Chips jetzt wie andere Konzerne ihre Bürotürme und finanziert sie über Verkauf und Rückmiete. Nur steht ein Büroturm nach fünf Jahren noch, während die Investoren bei einem KI-Chip dann auf abgeschriebenem Silizium sitzen.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Welche KI-Konzerne finanzieren Rechenzentren schon über Zweckgesellschaften?
Meta und xAI nutzen solche Gesellschaften bereits für Rechenzentren und KI-Chips. Für das KI-Rechenzentrum Hyperion in Louisiana nahm im Oktober 2025 eine Gesellschaft von Meta und Blue Owl rund 23,5 Milliarden Euro Schulden auf, Meta hält 20 Prozent und mietet den Campus. Bei Musks xAI kauft eine Zweckgesellschaft für rund 17,4 Milliarden Euro Nvidia-Chips und vermietet sie dem KI-Start-up für das Rechenzentrum Colossus 2.
Auch Chiplieferanten steigen ins Kreditgeschäft ein: Broadcom leiht Anthropic bis zu 36,5 Milliarden Euro für das Leasing von TPU-Chips. Anders als Meta und xAI finanziert Amazon keine neuen Anlagen, sondern Chips, die bereits Rechenaufträge abarbeiten.
Was bedeutet das Modell für AWS-Kunden und Finanzchefs in Europa?
Am Betrieb ändert sich für AWS-Kunden nichts, die Chips bleiben in Amazons Rechenzentren. Spürbar werden kann die Struktur bei den Preisen, denn die Leasingraten muss AWS über die Mietpreise seiner GPU-Instanzen für KI-Anwendungen wieder hereinholen.
Finanzchefs im Mittelstand erhalten mit dem Fall eine Rechenvorlage. Nach IFRS 16 erscheint auch ein geleaster KI-Server als Nutzungsrecht in der Bilanz, doch die hohe Einmalzahlung entfällt, und je nach Vertrag trägt der Vermieter das Risiko des Veraltens. Vor der Anschaffung eigener GPU-Server lohnt ein Vergleich von Kauf, Leasing und Cloud-Miete über fünf Jahre, inklusive Restwert.
FAQ: Amazon will Nvidia-Chips für 7 Milliarden Euro in eine Zweckgesellschaft auslagern und zurückmieten
Was ist eine Zweckgesellschaft?
Eine Zweckgesellschaft, englisch Special Purpose Vehicle (SPV), ist ein rechtlich eigenständiges Unternehmen, das für ein einziges Vorhaben gegründet wird. Schulden und Vermögenswerte liegen bei dieser Gesellschaft, nicht beim Unternehmen, das sie gegründet hat.
Was bedeutet Sale-and-Leaseback?
Beim Sale-and-Leaseback verkauft ein Unternehmen einen Vermögenswert und mietet ihn sofort zurück. Das Unternehmen erhält Liquidität und nutzt den Gegenstand weiter, zahlt dafür aber laufende Leasingraten. Verbreitet ist das Modell bei Immobilien, Flugzeugen und Maschinen.
Was ist Nvidia Grace Blackwell?
Grace Blackwell ist Nvidias Plattform für KI-Rechenzentren, die einen Grace-Prozessor mit Blackwell-Grafikprozessoren auf einem Modul kombiniert. Cloud-Anbieter wie AWS trainieren und betreiben darauf große Sprachmodelle.
Hat AWS Rechenzentren in Deutschland?
Ja, AWS betreibt seit Oktober 2014 die Region Frankfurt am Main mit mehreren Verfügbarkeitszonen. Die Grace-Blackwell-Chips aus dem FT-Bericht stehen dagegen in US-Rechenzentren, unter anderem in Nevada und Virginia.
Quellen
[1] Financial Times (berichtet von Bloomberg): „Amazon to Move $8 Billion of Chips Off Its Books, FT Says“
[2] Amazon: „Amazon.com Announces Second Quarter Results“
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