Synopsys, Marktführer für Chipdesign-Software, hat am 30. September mit OpenAI das KI-Modell GPT-Synopsys angekündigt. Am selben Tag unterschrieb Amazon einen mehrjährigen Vertrag über mehr als 870 Millionen Euro für Chip-Bausteine und Entwurfssoftware. Beide Abschlüsse verändern, wofür Chipentwickler Synopsys künftig bezahlen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenGPT-Synopsys soll Chipentwicklern einen großen Teil der Routinearbeit abnehmen: Das Modell startet die Entwurfswerkzeuge von Synopsys, liest deren Ergebnisse und bessert den Entwurf nach, bis er die Prüfung besteht. Vorgestellt hat Synopsys die Partnerschaft auf seinem Investorentag, zusammen mit dem Amazon-Vertrag und einer Umsatzprognose über den Erwartungen der Analysten.[3] Laut Reuters stieg die Aktie daraufhin zeitweise um 7 %.
Das Wichtigste in Kürze
- OpenAI lizenziert die Synopsys-Software, um GPT-Synopsys darauf zu trainieren. Umsätze mit Chipkunden teilen sich beide Firmen später.
- Amazon wird Erstkunde für anwendungsoptimierte Chip-Bausteine von Synopsys, der Vertrag umfasst mehr als 870 Millionen Euro über mehrere Jahre.
- Synopsys stellt das Bausteingeschäft auf Lizenz plus Stückgebühr um und plant für das Geschäftsjahr 2027 rund 15 % Umsatzwachstum.
- Europäische Chipentwickler müssen vor einem Einsatz klären, ob ihre Entwurfsdaten auf Servern von OpenAI liegen dürfen.
Was soll GPT-Synopsys können?

Ein moderner Chip entsteht in vielen Arbeitsschritten, von der Schaltungsbeschreibung in einer Hardwaresprache bis zur Platzierung von Milliarden Transistoren auf wenigen Quadratzentimetern Silizium. Den Markt für diese Programme teilen sich Synopsys, Cadence und Siemens EDA. GPT-Synopsys soll diese Werkzeugkette selbst steuern: Entwickler geben ein Ziel vor, etwa Werte für Stromverbrauch, Leistung und Fläche oder eine Taktvorgabe, und das Modell arbeitet sich in Schleifen an ein geprüftes Ergebnis heran.[1]
Für die Physik bleibt die bewährte Software zuständig. Jedes Ergebnis des Modells läuft durch die klassischen Prüfwerkzeuge von Synopsys. „Das Modell braucht diese Leitplanken, um die Physik zu prüfen“, sagte Synopsys-Chef Sassine Ghazi der Nachrichtenagentur Reuters. GPT-Synopsys läuft auf Servern von OpenAI, Kunden buchen Rechenleistung, Modell und Lizenzen im Paket. Starttermin und Preise nannten die Partner nicht, erste Tests mit Halbleiterkunden laufen bereits.
Warum will Synopsys am Erfolg seiner Kunden mitverdienen?
Synopsys verdient bislang vor allem an befristeten Softwarelizenzen für die Entwicklerteams seiner Kunden. Erledigt ein KI-Modell einen Teil dieser Arbeit, schrumpft womöglich der Bedarf an Lizenzen. Wie nervös Anleger darauf reagierten, zeigte der Juli: Nachdem das chinesische Modell Kimi K3 einen Chip ganz ohne Software von Cadence und Synopsys entworfen hatte, verloren beide Aktien an einem Tag rund 9 %. Der OpenAI-Vertrag macht Synopsys selbst zum Teilhaber dieser KI-Arbeit. OpenAI zahlt laut Reuters eine Trainingsgebühr für den Zugang zur Software, später teilen beide die Einnahmen, gestaffelt danach, wie stark das Modell die Entwürfe der Kunden verbessert. „Für unser Geschäft ist das ein zusätzliches Plus, weil wir dem Kunden mehr Wert liefern“, sagte Ghazi.
Für Amazon nutzt Synopsys dasselbe Prinzip bei fertigen Chip-Bausteinen. Amazon zahlt Lizenzgebühren plus eine Stückgebühr, die mit den Produktionsmengen wächst.[2] Die Bausteine fließen in Amazons KI-Beschleuniger Trainium, die Serverprozessoren Graviton und die Nitro-Chips für Netzwerk, Speicher und Sicherheit. „Spezialchips bilden den Kern der Innovation bei AWS“, sagt Peter DeSantis, Senior Vice President für grundlegende KI, eigene Chips und Quantencomputing bei Amazon. Das Muster kennt die Branche von Arm, das an fast jedem verkauften Chip mitverdient.
Den Kundenkreis bilden dabei immer öfter Konzerne ohne eigene Chiptradition. Bei Cadence stammen rund 45 Prozent des Geschäfts von Systemherstellern. OpenAI hat seinen Inferenzchip Jalapeño zusammen mit Broadcom entwickelt und dabei eigene KI-Modelle für Routineschritte im Entwurf eingesetzt.
Zwei Verträge, zwei neue Erlösquellen
| Partner | Was Synopsys liefert | Wie Synopsys verdient |
|---|---|---|
| OpenAI | Lizenzen für das Training von GPT-Synopsys, gemeinsame Entwicklung und Vertrieb | Trainingsgebühr, später Umsatzanteil je nach Verbesserung der Kundenentwürfe |
| Amazon | Anwendungsoptimierte Chip-Bausteine, Entwurfs- und Simulationssoftware | Lizenzgebühr plus Stückgebühr, die mit den Produktionsmengen wächst |
Synopsys macht aus der KI-Bedrohung ein Abrechnungsmodell. Bezahlt werden künftig der bessere Entwurf und der verkaufte Chip, nicht mehr nur der Arbeitsplatz des Ingenieurs.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet das für Chipentwickler in Europa?
Für Halbleiterfirmen und Autozulieferer mit eigener Chipentwicklung zählen Entwurfsdaten zu den wertvollsten Geschäftsgeheimnissen. Synopsys sichert zu, dass Kundendaten nicht ins Training fließen und verschlüsselt bleiben.[1] Wo die Rechenzentren von GPT-Synopsys stehen, sagen die Partner bislang nicht. Wie politisch Entwurfssoftware geworden ist, zeigte 2025 das US-Handelsministerium: Im Mai stellte die Behörde Lieferungen von Synopsys, Cadence und Siemens EDA nach China unter Genehmigungspflicht und hob die Auflage erst im Juli wieder auf.
Eine Alternative mit europäischem Mutterkonzern bietet Siemens EDA. Siemens kaufte zuletzt den Hauptentwickler der offenen Entwurfssoftware OpenROAD. Vor einem Pilotprojekt mit GPT-Synopsys lohnen zwei Prüfungen:
- Lassen Sie sich vertraglich zusichern, in welcher Region Ihre Entwurfsdaten verarbeitet werden, und prüfen Sie, ob US-Exportregeln für Ihre Technologie greifen.
- Rechnen Sie bei neuen Lizenzverträgen durch, wie sich erfolgs- oder stückzahlabhängige Anteile bei wachsenden Volumen auf Ihre Entwicklungskosten auswirken.
Weitere Hintergründe zu KI-Modellen in der Industrie finden Sie in der KI-Rubrik von Dr. Web.
FAQ: GPT-Synopsys und der Amazon-Vertrag
Was ist GPT-Synopsys?
GPT-Synopsys ist ein KI-Modell, das OpenAI und Synopsys gemeinsam für den Chipentwurf entwickeln. Das Modell steuert die Entwurfs- und Prüfwerkzeuge von Synopsys, wertet deren Ergebnisse aus und ändert den Entwurf, bis Vorgaben zu Stromverbrauch, Leistung, Fläche oder Takt erfüllt sind.
Ab wann ist GPT-Synopsys verfügbar?
Einen Starttermin für GPT-Synopsys haben OpenAI und Synopsys nicht genannt, auch Preise fehlen bisher. Laut Synopsys laufen erste technische Tests mit Halbleiterkunden. Angeboten werden soll das Modell als Paket aus Rechenleistung, Modell und Softwarelizenzen auf Servern von OpenAI.
Was zahlt Amazon an Synopsys?
Amazon hat mit Synopsys einen mehrjährigen Vertrag über mehr als 1 Milliarde US-Dollar geschlossen, umgerechnet mehr als 870 Millionen Euro. Amazon erhält Chip-Bausteine, Entwurfs- und Simulationssoftware. Synopsys bekommt neben Lizenzgebühren künftig Zahlungen, die mit den Stückzahlen der Amazon-Chips steigen.
Werden Kundendaten zum Training von GPT-Synopsys genutzt?
Nach Angaben von Synopsys fließen die Entwurfsdaten der Kunden nicht in das Training von GPT-Synopsys ein. Die Daten werden bei Übertragung und Speicherung verschlüsselt, Aufbewahrung, Protokollierung und Zugriffsrechte lassen sich einstellen. In welchen Rechenzentren das Modell läuft, ist noch offen.
Quellen
[1] Synopsys: „OpenAI and Synopsys Announce GPT-Synopsys: Frontier Intelligence to Revolutionize Chip Design“, 30. September 2026
[2] Synopsys: „Synopsys and Amazon Announce Strategic, Multi-year IP Agreement for Custom Silicon“, 30. September 2026
[3] Synopsys: „Synopsys Details Growth Strategy and Long-term Financial Model at 2026 Investor Day“, 30. September 2026
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