KI-Infrastruktur soll künftig mit fremdem Geld entstehen: Nvidia hat am 10. August 2026 Absichtserklärungen mit Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR geschlossen. Die sechs Häuser sollen über 435 Milliarden Euro für Rechenzentren und Nvidia-Hardware einsammeln, ausdrücklich Kapital Dritter. Über den Restwert der Grafikkarten sagt keine der Mitteilungen etwas.

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Nvidia nennt die Vereinbarungen Finanzierungsplattformen und beschreibt das Ergebnis als neue Klasse produktiver, investierbarer Infrastruktur.[1] Unterschrieben sind bislang nur Absichtserklärungen, die endgültigen Verträge stehen aus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sechs Vermögensverwalter sollen über 435 Milliarden Euro für den Ausbau von KI-Rechenzentren mobilisieren, umgerechnet zum Kurs von 0,87 am 10. August 2026.
  • Das Kapital stammt von Dritten und fließt an Nvidias Kunden, also an Hyperscaler, KI-Labore und Unternehmen.
  • Nvidia gibt keine Bürgschaft, die Kredite schreiben die Fonds eigenständig.
  • In der EU begrenzt die AIFM-Richtlinie offene Kreditfonds ab dem 16. April 2026 auf einen Hebel von 175 Prozent.

Was hat Nvidia genau unterschrieben?

Grafikkarte auf Waage mit HODL-Pylone und Pfandschein-Anhänger (435 Mrd. Euro)
Sechs Finanzinvestoren wie Apollo, BlackRock und Brookfield bauen Plattformen für Nvidia-Kunden zur Finanzierung von Rechenzentren auf

Sechs Absichtserklärungen bilden den Kern. Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR bauen jeweils eine eigenständige Plattform auf, aus der Nvidia-Kunden Rechenzentren und Hardware finanzieren.[1] Allein Apollo, Blackstone und Brookfield verwalten zusammen über 2,9 Billionen Euro.

Der Aufbau entlastet die Bilanzen der Käufer. Rechenleistung ohne eigenes Kapital verschiebt die Schulden zu den Fonds, während Metas KI-Ausgaben den freien Cashflow auf 682 Millionen Euro drücken. Nvidia verkauft weiter Chips, das Ausfallrisiko übernehmen die Kapitalgeber.

Warum lässt sich Rechenleistung beleihen?

Der Restwert entscheidet über jeden Kredit. Kreditgeber verlangen eine Sicherheit, die sich später verwerten lässt. Auf dem Gebrauchtmarkt lässt sich der Wert eines GPU-Clusters bis heute kaum beziffern.

Die Software soll diese Lücke schließen. „In der KI ist Rechenleistung Umsatz“, sagt Nvidia-Gründer und Vorstandschef Jensen Huang.[1] Die Hardware sei breit eingeführt, zwischen Modellen flexibel und zwischen Kunden übertragbar; CUDA verlängere ihre Nutzungsdauer.

Neu ist das Muster nicht. BlackRock übernahm bereits 80 Prozent an Metas Rechenzentrum in El Paso samt 10,9 Milliarden Euro Schulden. Anders als bei der Bürgschaft über 218 Milliarden Euro für OpenAIs Rechenzentrum in Ohio steht Nvidia diesmal aber nicht selbst dafür gerade.

Nvidia hat aus seinen Grafikkarten eine Kreditsicherheit gemacht, bevor der Gebrauchtmarkt dafür überhaupt existiert. Mit 435 Milliarden Euro wetten sechs Vermögensverwalter auf den Restwert gebrauchter Rechenleistung.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Nvidias Finanzierungsplattformen in Zahlen
Zielvolumen, Kapitalgeber und die europäische Grenze für Kreditfonds. Alle Beträge umgerechnet zum Kurs von 0,87 am 10. August 2026.
435 Mrd. €
Zielvolumen des Kapitals
So viel Kapital Dritter sollen die sechs Häuser für Nvidias Kunden einsammeln.
914 Mrd. €
Verwaltetes Vermögen von Apollo
Stand 30. Juni 2026. Zur Gruppe gehört das Rentenvorsorgegeschäft Athene.
1,13 Bio. €
Verwaltetes Vermögen von Blackstone
Brookfield verwaltet mehr als 870 Milliarden Euro, zusammen kommen die drei auf über 2,9 Billionen Euro.
6
Unterschriebene Absichtserklärungen
Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR. Die endgültigen Verträge fehlen.
175 %

Hebel darf ein offener Kreditfonds ab dem 16. April 2026 höchstens erreichen, ein geschlossener 300 Prozent. Die Grenze gilt für Fonds in der EU.

Was heißt das für europäische Rechenzentren?

In der EU zieht die AIFM-Richtlinie eine Grenze. Offene Kreditfonds dürfen ab dem 16. April 2026 höchstens einen Hebel von 175 Prozent erreichen, geschlossene 300 Prozent. Von jedem weiterverkauften Kredit müssen diese Fonds zusätzlich fünf Prozent behalten.[2]

Zum Kapital gehört auch Rentengeld. Apollo verweist in derselben Mitteilung auf seine langfristige Kapitalbasis und auf Athene, das eigene Rentenvorsorgegeschäft.[1] Ersparnisse künftiger Rentner tragen damit am Ende einen Teil des Risikos.

In Deutschland fehlt weniger das Kapital als der Netzanschluss. E.ON steckt 40 Milliarden Euro in die Verteilnetze, weil neue Rechenzentren sonst am Anschluss scheitern. Wo die vorhandene Leistung heute steht, zeigt die Rangliste der größten deutschen Rechenzentren.

Für Einkauf und IT ändert das die Prüfliste bei Anbietern von GPU-Kapazität. Vor der Unterschrift gehört geklärt, wie lange der Abnahmevertrag läuft, der die Finanzierung des Betreibers trägt. Ebenso zählt die Frage nach dem Restwertrisiko der Hardware. Liegt der Preis weit unter Marktniveau, subventioniert womöglich ein Kreditfonds den Betrieb mit.

Quellen

[1] NVIDIA: „NVIDIA Partners With Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs and KKR to Establish AI Compute Infrastructure Financing Platforms“

[2] Amtsblatt der Europäischen Union: Richtlinie (EU) 2024/927 zur Änderung der Richtlinien 2011/61/EU und 2009/65/EG

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