Das KI-Rechenzentrum Colossus 2 in Memphis bezieht seinen Strom aus 33 Gasturbinen, für die xAI keine Luftgenehmigung besitzt. Die Bürgerrechtsorganisation NAACP klagt seit April 2026 dagegen, das US-Justizministerium verlangt die Abweisung. Der Streit reicht inzwischen über den Standort hinaus und trifft das Recht von Bürgern, Umweltgesetze selbst durchzusetzen.

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Die Turbinen stehen im Gewerbegebiet von Southaven, Mississippi, direkt südlich der Stadtgrenze von Memphis.[1] Nach den Berechnungen der Klägerseite stößt die Anlage jährlich bis zu 2.508 Tonnen Stickoxide aus.[2]

Das Wichtigste in Kürze

  • xAI betreibt in Southaven 33 Gasturbinen ohne Luftgenehmigung und hält eine Genehmigung nicht für nötig.
  • Die NAACP reichte am 14. April 2026 Klage beim Bundesbezirksgericht für den Norden Mississippis ein.
  • Das US-Justizministerium trat im Juni 2026 auf Klägerseite bei und beantragte die endgültige Abweisung.
  • xAI hält die Bürgerklage des Clean Air Act für verfassungswidrig, weil allein die Exekutive Bundesrecht durchsetzen dürfe.

Warum laufen 33 Turbinen ohne Luftgenehmigung?

Abgeklebter Briefkastenschlitz für Bürgerklagen mit Zettel „Geschlossen seit: 10.08.2026“
xAI klassifiziert Turbinen als mobile Stromquellen und nutzt damit eine Clean-Air-Act-Ausnahme, um Genehmigungen für Emissionsgrenzwerte zu vermeiden

Den Ausschlag gibt die Einstufung der Anlage. xAI führt die Turbinen als vorübergehende, ortsveränderliche Stromquelle und beruft sich damit auf die Ausnahme, die der Clean Air Act für mobile Quellen vorsieht. Eine ortsfeste Großanlage bräuchte dagegen vor dem ersten Betriebstag eine Genehmigung mit Emissionsgrenzwerten und bester verfügbarer Technik.

Aus 27 Turbinen wurden 33. Nach der Klageanzeige vom Februar 2026 stellte xAI sechs weitere auf, statt den Betrieb zu drosseln.[2] Andere Betreiber gehen den umgekehrten Weg: Oracle ersetzt in New Mexico die geplanten Gasturbinen durch Brennstoffzellen, Anthropic sicherte sich 121 Megawatt norwegische Wasserkraft.

Was steht mit dem Klagerecht auf dem Spiel?

Der eigentliche Hebel liegt in Artikel II der US-Verfassung. xAI und das Justizministerium argumentieren, die Durchsetzung von Bundesrecht liege allein bei der Exekutive, eine private Klage greife in diese Befugnis ein. Das Ministerium stützte seinen Antrag im Juni 2026 zusätzlich auf die nationale Sicherheit, weil das Verteidigungsministerium Grok-Modelle einsetzt, die auf Colossus 2 trainiert werden.

Die Nachrichtenagentur AP zählte Anfang August 2026 vier Bundesverfahren, in denen das private Klagerecht selbst auf dem Prüfstand steht, darunter ein Abwasserstreit in Tennessee. Die Tür dazu öffnete der damalige Supreme-Court-Richter Anthony Kennedy im Jahr 2000 mit einem Sondervotum zum Clean Water Act, das Grundsatzfragen zur Exekutivgewalt aufwarf.

xAI streitet längst nicht mehr über 33 Turbinen, sondern über die Frage, ob Anwohner überhaupt vor Gericht dürfen. Fällt dieses Klagerecht, wird jede Genehmigung zur Verhandlungssache zwischen Konzern und Regierung.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Der Kraftwerksstreit um Colossus 2 in Zahlen
Turbinenzahl und potenzielle Jahresemissionen am Standort Southaven, Mississippi, nach den Berechnungen der Klägerseite vom 6. Mai 2026.
33
Gasturbinen ohne Luftgenehmigung
Im Februar 2026 standen dort 27 Turbinen, danach kamen sechs weitere hinzu.
2.508 t
Stickoxide pro Jahr
Stickoxide reizen die Atemwege und bilden mit Sonnenlicht bodennahes Ozon.
236 t
Feinstaub pro Jahr
Dazu kommen 837 Tonnen Kohlenmonoxid aus derselben Berechnung.
25 t
Formaldehyd pro Jahr
Formaldehyd gilt in der EU als krebserzeugender Stoff der Kategorie 1B.
50 Megawatt

Feuerungswärmeleistung reichen in Deutschland aus, damit eine Gasturbinenanlage das förmliche Genehmigungsverfahren nach Paragraf 10 Bundes-Immissionsschutzgesetz durchläuft, samt öffentlicher Auslegung und Einwendungsfrist.

Wie liefe der Fall in Deutschland?

Eine vergleichbare Anlage wäre hierzulande genehmigungsbedürftig. Gasturbinen ab 50 Megawatt Feuerungswärmeleistung durchlaufen das förmliche Verfahren nach Paragraf 10 Bundes-Immissionsschutzgesetz, mit öffentlicher Auslegung und Einwendungsfrist. Schon ab 10 Megawatt greift das vereinfachte Verfahren, eine Ausnahme für vorübergehend aufgestellte Turbinen kennt der Anhang der Vierten Bundes-Immissionsschutzverordnung nicht.

Anerkannte Umweltvereinigungen lassen Genehmigungen in Deutschland nach dem Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz gerichtlich überprüfen, Grundlage ist die Aarhus-Konvention von 1998. Diese Klagebefugnis ruht auf einem völkerrechtlichen Vertrag, den eine Bundesregierung nicht durch einen Antrag beim Gericht aushebeln könnte.

Für Projektierer zählt deshalb der Vorlauf. Beim KI-Ausbau verschiebt sich der Engpass von den Chips zur Stromversorgung. Eine Übergangslösung mit eigener Erzeugung durchläuft dabei dasselbe Verfahren wie die Dauerlösung. Genehmigungsantrag und Netzanschluss gehören parallel auf den Weg, am besten vor dem Bauantrag. Welche Größenordnungen dabei zusammenkommen, zeigt der Überblick über die zehn größten Rechenzentren Deutschlands.

Quellen

[1] NAACP: „NAACP Sues xAI for Illegal Pollution from Data Center Power Plant“

[2] Earthjustice: „NAACP Asks Court for Emergency Action to Stop Illegal Air Pollution from xAI’s Data Center Power Plant“

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