Musk korrigiert Colossus-Deal: Nur 180 Tage

Michael Dobler
Autor Dr. Web
3 Min. Lesezeit
Musk korrigiert Colossus-Deal: Nur 180 Tage

Als SpaceX vergangene Woche sein IPO-Dokument einreichte, las sich die Passage zum Anthropic-Deal nach einem stabilen Mehrjahresvertrag: 1,25 Milliarden Dollar monatlich, Laufzeit bis Mai 2029, gegenseitige 90-Tage-Kündigung. Elon Musk hat das am 28. Mai per X-Post korrigiert, und die Korrektur ist kleiner als sie klingt…

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„SpaceX hat sich nicht zu einer mehrjährigen Vermietung von Colossus verpflichtet, obwohl das möglich ist“, schrieb Musk auf X. Der Vertrag sei ein 180-Tage-Leasing mit anschließender gegenseitiger 90-Tage-Kündigung. Die kurze Laufzeit sei auf Wunsch von SpaceX entstanden, nicht auf Wunsch von Anthropic.

Das Wichtigste in Kürze

  • Elon Musk korrigiert per X-Post: Der Colossus-Vertrag mit Anthropic läuft nur 180 Tage, nicht bis Mai 2029.
  • Das IPO-Dokument von SpaceX erwähnt die 180-Tage-Basislaufzeit nicht, nennt aber die 90-Tage-Kündigungsklausel.
  • Bei 1,25 Milliarden Dollar pro Monat deckt der Sechsmonatsvertrag maximal 7,5 Milliarden Dollar ab, statt der bisher angenommenen rund 45 Milliarden.
  • Musk will Flexibilität behalten, falls SpaceX die GPU-Kapazität selbst benötigt.

Was das IPO-Filing verschweigt

Zeitschaltuhr mit orangem Ziffernblatt und Zettel
SpaceX verschweigt in Regulierungsunterlagen die 180-Tage-Basislaufzeit, erwähnt aber die 90-Tage-Kündigungsklausel

Genau hier liegt der wunde Punkt. Das S-1, das SpaceX den Regulatoren eingereicht hat, erwähnt die 90-Tage-Kündigungsklausel, schweigt aber über die 180-Tage-Basislaufzeit, die Musk nun öffentlich beschreibt. Beides sind unterschiedliche vertragliche Sachverhalte: Die Kündigung regelt den Ausstieg nach Ablauf, die Basislaufzeit bestimmt, wann dieser Ausstieg überhaupt möglich wird.

Bei 1,25 Milliarden Dollar pro Monat deckt ein Sechsmonatsvertrag rund 7,5 Milliarden Dollar ab. Ein 36-monatiger Vertrag bis Mai 2029 hätte das 6-fache bedeutet. Für Investoren, die gerade eine Bewertung von 1,75 Billionen Dollar einpreisen, ist das kein marginaler Unterschied.

Musk hat mit seinem X-Post ungewollt eine klassische Offenlegungslücke geöffnet. Das S-1 beschreibt den Deal als langfristig lesbare Einnahme. Sein Tweet legt nahe, dass der Deal auf Kante genäht ist. Beides kann nicht gleichzeitig stimmen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Musks Begründung: Flexibilität beim Compute

Orange Stoppuhr mit Armband und Spiralschlaufe vor weißem Hintergrund. Die Aufschrift lautet
Musk vermietet KI-Supercomputer Colossus nur befristet, um bei Engpässen die Option zu behalten, ihn zurückzufordern

Musk begründete die kurze Laufzeit mit dem Engpass, der die gesamte KI-Branche derzeit beschäftigt. Falls der Bedarf an Rechenkapazität bei SpaceX selbst stark steige, wolle man die Option behalten, Colossus zurückzufordern. „Wir werden sie nicht hängen lassen und einen vernünftigen Ausstieg ermöglichen, aber wenn die Kapazität sehr knapp wird, habe ich gesagt, dass wir sie möglicherweise zurückbrauchen könnten.“

Das Colossus-1-Rechenzentrum in Memphis beherbergt nach Reuters-Recherchen mehr als 220.000 Nvidia-GPUs. Der Reuters-Bericht vom 28. Mai bestätigt, dass SpaceX und Anthropic auf Medienanfragen außerhalb der Geschäftszeiten nicht reagiert haben.

Was das für Anthropic bedeutet

Sanduhr mit dem Schriftzug „180 Tage Frist (Musk-Colossus Deal)“ und einer grübelnden Figur darin
Anthropic baut Unabhängigkeit auf: Google-Cloud-Vertrag über 173 Mrd. Euro und eigene Infrastruktur ersetzen Tesla-Deal als langfristige Strategie

Für Anthropic ist die Neubewertung des Deals unangenehm, aber nicht existenziell. Das Unternehmen hat parallel den Google-Cloud-Vertrag über umgerechnet rund 173 Milliarden Euro Compute-Kapazität abgeschlossen und baut eigene Infrastruktur auf. Der Colossus-Deal war von Analysten als strukturelle Kapazitätssicherung gelesen worden. Nach Musks Klarstellung ist er eher ein kurzfristiger Puffer.

Die Zahlungen starten laut IPO-Filing in Mai und Juni 2026 zunächst reduziert, bevor die vollen 1,25 Milliarden Dollar monatlich fließen. Dass Anthropic im zweiten Quartal 2026 erstmals operativ profitabel wurde, dürfte den Spielraum für solche Überbrückungsverträge vergrößern.

IT-Verantwortliche, die Claude-APIs produktiv einsetzen, sollten die Entwicklung beobachten: Sollte SpaceX den Vertrag nach 180 Tagen tatsächlich nicht verlängern, liegt der Druck auf Anthropic, den Kapazitätsbedarf anderweitig abzudecken. Ob das zu Preisanpassungen bei der API führt, hängt davon ab, wie eng der Compute-Markt bis Herbst 2026 bleibt.

Mehr zu Anthropic bei Dr. Web: Anthropic mietet SpaceX-Rechenzentrum Colossus 1 | Anthropic × Google: 173 Milliarden Euro Compute-Wette

 

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Michael Dobler
Autor
Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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