Als SpaceX vergangene Woche sein IPO-Dokument einreichte, las sich die Passage zum Anthropic-Deal nach einem stabilen Mehrjahresvertrag: 1,25 Milliarden Dollar monatlich, Laufzeit bis Mai 2029, gegenseitige 90-Tage-Kündigung. Elon Musk hat das am 28. Mai per X-Post korrigiert, und die Korrektur ist kleiner als sie klingt…
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„SpaceX hat sich nicht zu einer mehrjährigen Vermietung von Colossus verpflichtet, obwohl das möglich ist“, schrieb Musk auf X. Der Vertrag sei ein 180-Tage-Leasing mit anschließender gegenseitiger 90-Tage-Kündigung. Die kurze Laufzeit sei auf Wunsch von SpaceX entstanden, nicht auf Wunsch von Anthropic.
Das Wichtigste in Kürze
- Elon Musk korrigiert per X-Post: Der Colossus-Vertrag mit Anthropic läuft nur 180 Tage, nicht bis Mai 2029.
- Das IPO-Dokument von SpaceX erwähnt die 180-Tage-Basislaufzeit nicht, nennt aber die 90-Tage-Kündigungsklausel.
- Bei 1,25 Milliarden Dollar pro Monat deckt der Sechsmonatsvertrag maximal 7,5 Milliarden Dollar ab, statt der bisher angenommenen rund 45 Milliarden.
- Musk will Flexibilität behalten, falls SpaceX die GPU-Kapazität selbst benötigt.
Was das IPO-Filing verschweigt

Genau hier liegt der wunde Punkt. Das S-1, das SpaceX den Regulatoren eingereicht hat, erwähnt die 90-Tage-Kündigungsklausel, schweigt aber über die 180-Tage-Basislaufzeit, die Musk nun öffentlich beschreibt. Beides sind unterschiedliche vertragliche Sachverhalte: Die Kündigung regelt den Ausstieg nach Ablauf, die Basislaufzeit bestimmt, wann dieser Ausstieg überhaupt möglich wird.
Bei 1,25 Milliarden Dollar pro Monat deckt ein Sechsmonatsvertrag rund 7,5 Milliarden Dollar ab. Ein 36-monatiger Vertrag bis Mai 2029 hätte das 6-fache bedeutet. Für Investoren, die gerade eine Bewertung von 1,75 Billionen Dollar einpreisen, ist das kein marginaler Unterschied.
Musk hat mit seinem X-Post ungewollt eine klassische Offenlegungslücke geöffnet. Das S-1 beschreibt den Deal als langfristig lesbare Einnahme. Sein Tweet legt nahe, dass der Deal auf Kante genäht ist. Beides kann nicht gleichzeitig stimmen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Musks Begründung: Flexibilität beim Compute

Musk begründete die kurze Laufzeit mit dem Engpass, der die gesamte KI-Branche derzeit beschäftigt. Falls der Bedarf an Rechenkapazität bei SpaceX selbst stark steige, wolle man die Option behalten, Colossus zurückzufordern. „Wir werden sie nicht hängen lassen und einen vernünftigen Ausstieg ermöglichen, aber wenn die Kapazität sehr knapp wird, habe ich gesagt, dass wir sie möglicherweise zurückbrauchen könnten.“
Das Colossus-1-Rechenzentrum in Memphis beherbergt nach Reuters-Recherchen mehr als 220.000 Nvidia-GPUs. Der Reuters-Bericht vom 28. Mai bestätigt, dass SpaceX und Anthropic auf Medienanfragen außerhalb der Geschäftszeiten nicht reagiert haben.
Was das für Anthropic bedeutet

Für Anthropic ist die Neubewertung des Deals unangenehm, aber nicht existenziell. Das Unternehmen hat parallel den Google-Cloud-Vertrag über umgerechnet rund 173 Milliarden Euro Compute-Kapazität abgeschlossen und baut eigene Infrastruktur auf. Der Colossus-Deal war von Analysten als strukturelle Kapazitätssicherung gelesen worden. Nach Musks Klarstellung ist er eher ein kurzfristiger Puffer.
Die Zahlungen starten laut IPO-Filing in Mai und Juni 2026 zunächst reduziert, bevor die vollen 1,25 Milliarden Dollar monatlich fließen. Dass Anthropic im zweiten Quartal 2026 erstmals operativ profitabel wurde, dürfte den Spielraum für solche Überbrückungsverträge vergrößern.
IT-Verantwortliche, die Claude-APIs produktiv einsetzen, sollten die Entwicklung beobachten: Sollte SpaceX den Vertrag nach 180 Tagen tatsächlich nicht verlängern, liegt der Druck auf Anthropic, den Kapazitätsbedarf anderweitig abzudecken. Ob das zu Preisanpassungen bei der API führt, hängt davon ab, wie eng der Compute-Markt bis Herbst 2026 bleibt.
Mehr zu Anthropic bei Dr. Web: Anthropic mietet SpaceX-Rechenzentrum Colossus 1 | Anthropic × Google: 173 Milliarden Euro Compute-Wette
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