Der Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld begann 2011 mit zehn Hochbeeten, heute gärtnern dort mehr als 500 Menschen. Auf einem Beet von höchstens zwei Quadratmetern kämen nach dem Mittelwert aus zwölf Studien pro Saison rund elf Kilogramm Ernte zusammen. Der größere Ertrag wächst neben dem Beet: In Berlin, Frankfurt am Main, Leipzig und Stuttgart besuchen zwei von zehn Stadtbewohnern regelmäßig einen Gemeinschaftsgarten.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenIn deutschen Städten kennen viele Menschen ihre Nachbarn vom Klingelschild und ihr Gemüse aus dem Kühlregal. 11,3 Prozent der Bevölkerung fühlten sich 2021 einsam, 2017 lag der Anteil noch bei 7,6 Prozent, zeigt das Einsamkeitsbarometer der Bundesregierung. Gemeinschaftsgärten versprechen Abhilfe mit einem schlichten Werkzeug: einem Gießplan, der Fremde zu festen Verabredungen verpflichtet.
Das Wichtigste in Kürze
- Verbreitung: Das Gemeinschaftsgarten-Netzwerk der anstiftung umfasst mehr als 1.000 Gärten. Als Vorbild der interkulturellen Gärten gilt ein Garten, den Geflüchtete, Zugewanderte und deutsche Familien 1996 in einer Göttinger Baulücke anlegten.
- Studienlage: In der ersten randomisierten Studie zum Gemeinschaftsgärtnern (2023) aßen Neugärtner mehr Ballaststoffe, bewegten sich mehr und litten seltener unter Stress und Angst. An Gewicht und Taillenumfang änderte sich nichts.
- Rechnung: Als Gemüsequelle lohnt sich ein Beet selten. Ein Kilogramm Ernte aus einem Hochbeet im Allmende-Kontor kostet in unserer Beispielrechnung rund 5,20 Euro, den größeren Wert schafft ein Garten für die Nachbarschaft.
- Schwachstelle: Viele Gärten dürfen ihre Fläche nur zwischennutzen. Berlin hat im Februar 2026 ein Gesetz zum Schutz von Kleingartenflächen beschlossen, für Gemeinschaftsgärten fehlt ein vergleichbarer Schutz.
1 Wo entstand 1996 der Garten, der zum Vorbild der interkulturellen Gärten wurde? Aufklappen ↓
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2 Wie viele Gemeinschaftsgärten umfasst das bundesweite Netzwerk der anstiftung? Aufklappen ↓
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3 Was zeigte die erste randomisierte Studie zum Gemeinschaftsgärtnern? Aufklappen ↓
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4 Wie viel ernten Stadtgärtner laut einer Auswertung von zwölf Studien im Schnitt pro Quadratmeter und Saison? Aufklappen ↓
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5 Was hat das Berliner Abgeordnetenhaus im Februar 2026 beschlossen? Aufklappen ↓
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Was unterscheidet einen Gemeinschaftsgarten vom Kleingarten?

Im Gemeinschaftsgarten bewirtschaftet eine Gruppe eine Fläche gemeinsam und teilt Arbeit und Wissen. Ein Kleingarten ist dagegen eine einzeln gepachtete Parzelle, die laut Bundeskleingartengesetz nicht größer als 400 Quadratmeter sein soll.
Urban Gardening, also Gärtnern in der Stadt, findet im Tomatentopf auf dem Balkon ebenso statt wie auf dem Selbsterntefeld am Stadtrand. Im Mittelpunkt dieses Beitrags stehen die Formen, in denen sich Menschen eine Fläche teilen. Das Land Berlin beschreibt den Gemeinschaftsgarten als kollektiv bewirtschafteten Garten, der neben der Ernte auch Begegnung und den Austausch von Wissen fördert.
Suchmaschinen führen beim Stichwort Gemeinschaftsgarten oft ins Mietrecht, zur Grünfläche hinter dem Mehrfamilienhaus, die alle Mietparteien nutzen. Auf einer solchen Fläche kann ein gemeinsames Beet entstehen, die Entscheidung darüber trifft aber der Eigentümer.
Deutlich älter und größer ist das Kleingartenwesen. Unter dem Dach des Bundesverbands der Kleingartenvereine Deutschlands (BKD) liegen 867.092 Kleingärten auf 44.000 Hektar, organisiert in knapp 13.000 Vereinen und genutzt von rund fünf Millionen Menschen, Familie und Freunde eingerechnet. Das Gesetz verlangt, dass eine Parzelle dem Anbau für den Eigenbedarf und der Erholung dient, die Laube darf höchstens 24 Quadratmeter Grundfläche haben.
Wie groß der Anbauanteil sein muss, hat 2004 der Bundesgerichtshof präzisiert: Kleingärtnerische Nutzung liegt in der Regel vor, sobald wenigstens ein Drittel der Fläche dem Anbau für den Eigenbedarf dient. Die Pacht ist gesetzlich auf das Vierfache der ortsüblichen Pacht im erwerbsmäßigen Obst- und Gemüseanbau gedeckelt.
Neben Gemeinschafts- und Kleingarten haben sich weitere Formen etabliert. In interkulturellen Gärten gärtnern Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander, in Selbsterntegärten wie den Münchner Krautgärten mieten Städter für eine Saison eine vorbereitete Parzelle auf dem Acker. Andernach am Rhein bepflanzt öffentliche Beete, auf denen seit 2010 „Pflücken erlaubt“ gilt.
| Form | Wer gärtnert | Beispiel | Kosten (Beispiel) | Rechtlicher Rahmen |
|---|---|---|---|---|
| Gemeinschaftsgarten | Eine Gruppe, offen für neue Mitglieder | Allmende-Kontor Berlin: rund 250 Hochbeete bis 2 m² | 30, 45 oder ab 60 € pro Beet und Jahr plus 12 € Vereinsbeitrag | Nutzungsvereinbarung oder Pachtvertrag mit dem Eigentümer |
| Interkultureller Garten | Familien unterschiedlicher Herkunft | Internationale Gärten Göttingen: 1,1 ha, 90 Mitglieder aus 23 Ländern | Je nach Verein | Verein oder Gartengruppe mit Vertrag über die Fläche |
| Kleingarten | Einzelne Pächter und ihre Familien | Durchschnittliche Parzelle: 370 m² | Pacht im Schnitt 0,18 € pro m² und Jahr | Bundeskleingartengesetz |
| Selbsterntegarten | Einzelne Mieter auf vorbereitetem Acker | Münchner Krautgärten: 30 bis 90 m² | 95 € für 30 m² pro Saison | Saisonvertrag mit dem Betreiber |
| Essbare Stadt | Gemeinnütziger Träger im Auftrag der Stadt, ernten dürfen alle | Andernach: 1,5 ha Beete | Für Erntende kostenlos | Projekt der Stadtverwaltung |
Im Gemeinschaftsgarten teilen sich viele Leute eine Fläche und vereinbaren die Regeln gemeinsam. Im Kleingarten bewirtschaftet ein Haushalt seine Parzelle nach Bundesgesetz, mit gedeckelter Pacht und Drittelregelung. Selbsterntegärten und essbare Städte ergänzen beide Formen.
Wie wurde aus einer Göttinger Baulücke eine Bewegung?

Durch Nachahmung: Auf den Internationalen Garten, den Geflüchtete, Zugewanderte und deutsche Familien 1996 in Göttingen anlegten, folgten Gründungen in vielen Städten, darunter 2009 der Prinzessinnengarten und 2011 das Allmende-Kontor in Berlin. Den größten Schub erlebte die Bewegung zwischen 2011 und 2020.
1998 gründeten die Göttinger Gärtner einen Verein, 2003 ging aus der Zusammenarbeit mit der anstiftung die Stiftung Interkultur hervor. Heute bewirtschaften die Internationalen Gärten Göttingen drei Flächen mit zusammen 1,1 Hektar, etwa 90 Mitglieder aus 23 Ländern gehören dazu. Der Verein beschreibt seine Gärten als neue soziale Orte, an denen Menschen verschiedener Herkunft Beziehungen aufbauen.
In Berlin entstand 2009 am Moritzplatz der Prinzessinnengarten. Marco Clausen und Robert Shaw gründeten dafür die gemeinnützige GmbH Nomadisch Grün und bepflanzten eine rund 6.000 Quadratmeter große Fläche in Kreuzberg mit transportablen Hochbeeten.
Nach zehn Jahren zog Nomadisch Grün 2020 auf Teilflächen des 7,5 Hektar großen Neuen St. Jacobi Friedhofs in Neukölln. Am Moritzplatz gärtnert seither eine andere Gruppe weiter, 2026 lud der dortige Nachbarschafts- und Inklusionsgarten zu offenen Gartentagen ein.
Am 16. April 2011 legten rund 20 Leute auf dem Gelände des stillgelegten Flughafens Tempelhof die ersten zehn Hochbeete des Allmende-Kontors an. Zwischen 2011 und 2020 schossen solche Projekte wie Pilze aus dem Boden: Von den 214 Gärten, die 2020 an einer Umfrage der anstiftung teilnahmen, entstanden rund 190 in diesen zehn Jahren. Rund 200 Projekte haben das 2014 veröffentlichte Urban-Gardening-Manifest unterzeichnet.
Vereine und Kommunen griffen die Idee ebenfalls auf. In Kassel gründeten 16 Menschen im Mai 2009 den Verein Essbare Stadt, Andernach bepflanzte 2010 öffentliche Beete mit 101 Tomatensorten, und Berlin zählte mehr als 230 Gemeinschaftsgärten, als der Senat im Januar 2023 ein eigenes Programm beschloss. Überall steht dieselbe Hürde im Weg: Jemand muss die Fläche verlässlich bereitstellen und die Trägerschaft übernehmen, sonst bleibt jeder Garten ein Provisorium. Umsonstläden und Tauschschränke, die wir unter unseren Ideen fürs Zusammenleben mit wenig Geld vorstellen, kämpfen mit ähnlichen Sorgen.
Die Bewegung wuchs von unten, aus Baulücken, Brachen und einem stillgelegten Flughafen. Erst später zogen Städte mit Programmen nach.
Warum bringt ein Beet Nachbarn zusammen, die sich im Treppenhaus nur grüßen?

Weil ein Gemeinschaftsgarten Fremden eine gemeinsame Aufgabe gibt, die ohne Absprache nicht funktioniert: gießen, jäten, ernten und Gemeinschaftsflächen pflegen. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) beobachtet, dass Gärtner dabei häufig ein neues Gemeinschaftsgefühl entwickeln.
Tomaten verzeihen keine Urlaubswoche ohne Wasser. Im Hochsommer braucht jedes Beet jemanden, der gießt, und so stehen im Plan bald Nachbarn, die sich vorher oft nur vom Sehen kannten. Ein Gießplan funktioniert wie ein Dienstplan im Krankenhaus: Niemand muss die anderen mögen, aber alle müssen sich aufeinander verlassen können.
Im Allmende-Kontor ist diese Verbindlichkeit Teil der Organisation. Die rund 250 Beete verteilen sich auf neun Farbgruppen, die jährlich eigene Ansprechpartner wählen, und in der Gartensaison treffen sich die Gärtner jeden Donnerstag auf dem Dorfplatz des Gartens. Die Beete gehören der Gemeinschaft und werden nur auf Zeit vergeben, zudem verpflichten sich alle Mitgärtner, über das eigene Beet hinaus Zeit für Gemeinschaftsaufgaben aufzubringen.
Im Auftrag des BBSR untersuchte ein Forschungsteam 2015 sieben Gemeinschaftsgärten und nannte sie „Draußen-Stadtteilzentren“, in denen die Arbeit zu weiterem Engagement im Stadtteil motiviere. Nicht in allen Gärten fänden Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen, als Begegnungsorte innerhalb eines Milieus blieben die Gärten aber wichtig. Nebenbei wandert Wissen von Beet zu Beet, etwa wie man Tomaten ausgeizt oder Saatgut gewinnt. In einem interkulturellen Garten arbeiten nach Beobachtung der anstiftung Menschen aus bis zu 20 Herkunftsländern zusammen.
Der klassische Kleingarten öffnet sich ebenfalls: Das BBSR stellte 2019 fest, dass in jedem zweiten Verein die Hälfte der Gärten an Menschen aus der Nachbarschaft verpachtet ist und in zwei Dritteln der westdeutschen Vereine mindestens jeder fünfte Garten an Haushalte mit ausländischen Wurzeln geht. Das gemeinsame Interesse am Gärtnern verbinde Milieus, Herkünfte und Generationen, schreiben die Autoren, der Kleingarten erfülle so eine wichtige Integrationsfunktion.
Wir halten den Garten deshalb für einen der seltenen Orte, an denen Nachbarschaft ohne Konsum entsteht. Weder Eintrittskarte noch Mindestverzehr sind nötig, den Anlass zum Gespräch liefert die Arbeit am Beet.
- Pflicht zur Absprache: Der Gießplan zwingt Fremde zu verbindlichen Verabredungen.
- Feste Strukturen: Neun Farbgruppen mit eigenen Ansprechpartnern und ein festes Donnerstagstreffen machen im Allmende-Kontor aus Beetnachbarn eine Gemeinschaft.
- Kleingarten im Wandel: In vielen Vereinen gärtnern Alteingesessene und Zugewanderte heute Parzelle an Parzelle.
Was sagt die Forschung über Gärten, Gesundheit und Einsamkeit?

Die Befunde fallen positiv aus, die Datenlage bleibt aber dünn. In der ersten randomisierten Studie aßen Neugärtner mehr Ballaststoffe, bewegten sich mehr und litten seltener unter Stress. Übersichtsarbeiten sehen zudem mehr Zusammenhalt, beruhen aber überwiegend auf Beobachtungsstudien.
Das Einsamkeitsbarometer 2024 der Bundesregierung zeigt auch den Ausreißer der Pandemie: 2020 fühlten sich 28,2 Prozent der Menschen in Deutschland einsam. Bei den 18- bis 29-Jährigen lag der Wert 2021 mit 14,1 Prozent noch deutlich über dem Stand von 2017, damals 8,6 Prozent. Die Daten stammen aus dem Sozio-oekonomischen Panel, einer der großen Langzeitbefragungen in Deutschland.
Ob Gärtnern selbst die Gesundheit verbessert, lässt sich nur mit einer zufälligen Zuteilung sauber prüfen. Ein Team um die Forscherin Jill Litt von der University of Colorado Boulder verteilte dafür 291 Erwachsene aus Denver und Aurora per Los auf eine Gartengruppe und eine Kontrollgruppe. Die Studie erschien 2023 im Fachjournal The Lancet Planetary Health, als erste ihrer Art zum Gemeinschaftsgärtnern.
Die Gartengruppe aß zum Ende der Gartensaison im Schnitt 1,4 Gramm mehr Ballaststoffe pro Tag, rund sieben Prozent mehr als die Kontrollgruppe, und bewegte sich pro Woche etwa 42 Minuten mehr. Stress und Angst gingen stärker zurück als in der Vergleichsgruppe. Beim Gewicht tat sich dagegen nichts, ebenso wenig beim Taillenumfang und beim Obst- und Gemüseverzehr insgesamt.
Nur 67 Prozent der zugelosten Neugärtner blieben die ganze Saison dabei, an geselligen Gartenterminen nahmen 48 Prozent teil. Litt betont, dass die Wirkung nicht allein vom Gemüse kommt, sondern auch von der Zeit, die Menschen gemeinsam draußen verbringen.
Frühere Studien kamen zu ähnlichen Ergebnissen, meist mit schwächerem Design. Eine Metaanalyse japanischer und britischer Forscher wertete 2017 insgesamt 22 Studien aus. Das Team fand einen positiven Effekt des Gärtnerns auf die Gesundheit, von weniger Depressionen und Ängsten bis zu mehr Lebenszufriedenheit sowie Gemeinschaftsgefühl. Ein systematisches Review von acht quantitativen Studien bescheinigte Gemeinschaftsgärtnern 2021 bessere Werte bei Lebenszufriedenheit, Gesundheit und sozialem Zusammenhalt als ihren Nachbarn. Zugleich betonten die Autoren, dass die Forschung zu Gemeinschaftsgärten bislang überwiegend aus qualitativen Studien besteht.
Zur Einsamkeit selbst liegen nur wenige harte Daten vor. In einer niederländischen Studie von 2010 schnitten Kleingärtner ab 62 Jahren bei allen Werten für Gesundheit und Wohlbefinden, darunter Einsamkeit und soziale Kontakte, signifikant oder knapp besser ab als gleichaltrige Nachbarn ohne Kleingarten. Bei jüngeren Gärtnern fand die Studie für Gesundheit und Wohlbefinden keinen Unterschied. In Südkorea stieg bei einer Gartenstudie mit 90 Teilnehmenden das Gemeinschaftsgefühl nach 16 Gartenterminen deutlich, die Stichprobe war allerdings klein.
Die meisten dieser Studien teilen eine Schwäche: Menschen suchen sich das Gärtnern selbst aus, gesündere und geselligere Personen landen womöglich häufiger im Garten. Plausibel bleibt der Zusammenhang trotzdem. Die Harvard-Studie zur Erwachsenenentwicklung begleitet ihre Teilnehmer seit 1938 und kommt zu dem Schluss, dass Beziehungen die Gesundheit stark beeinflussen. In der Forschung dazu, was Menschen dauerhaft zufrieden macht, stehen gute Beziehungen ebenfalls ganz oben.
Harte Daten liefert die erste randomisierte Studie bisher nur zur Gesundheit. Bei der Einsamkeit trennen die übrigen Studien nicht, ob der Garten gesellig macht oder Gesellige häufiger gärtnern.
Lohnt sich ein Gemeinschaftsgarten finanziell?

Nicht als Gemüsequelle: Ein Kilogramm Ernte aus einem Hochbeet im Allmende-Kontor kostet nach einer Beispielrechnung rund 5,20 Euro. Mehr Wert schafft ein Garten fürs Viertel, den Nutzen des Berliner Himmelbeets schätzt das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) auf über 1,5 Millionen Euro jährlich.
Die Einstiegskosten sind niedrig: Im Allmende-Kontor kostet ein Beet gestaffelt 30, 45 oder ab 60 Euro im Jahr, dazu kommen 12 Euro Vereinsbeitrag; größer als zwei Europaletten, also etwa zwei Quadratmeter, darf ein Beet dort nicht sein. Die Münchner Stadtgüter verlangen für eine vorbereitete Krautgarten-Parzelle von 30 Quadratmetern 95 Euro pro Saison, für 60 Quadratmeter 150 Euro.
Im Kleingarten liegt die Pacht laut BBSR im Schnitt bei 0,18 Euro pro Quadratmeter und Jahr, im Osten bei 0,09 Euro, im Westen bei 0,23 Euro. Hinzu kommen öffentlich-rechtliche Abgaben von durchschnittlich 0,45 Euro pro Quadratmeter und Jahr sowie ein Mitgliedsbeitrag von rund 45 Euro im Jahr. Fließt beim Einstieg eine Ablöse, bleibt sie im Osten in zwei Dritteln der Vereine bei höchstens 1.000 Euro, im Westen nur in jedem achten Verein.
Wie viel ein Beet abwirft, hat das IÖW 2022 aus zwölf internationalen Studien ermittelt: Stadtgärtner ernten in der Hauptsaison im Schnitt 5,45 Kilogramm Gemüse, Kräuter und Kartoffeln pro Quadratmeter Beet, mit Winteranbau 6,37 Kilogramm im Jahr. Die Einzelstudien kommen auf 1,11 bis 15,68 Kilogramm pro Quadratmeter und Jahr, entsprechend vorsichtig ist jeder Mittelwert zu lesen.
| Modell | Fläche | Kosten pro Jahr | Ernte nach IÖW-Mittelwert | Kosten je Kilogramm |
|---|---|---|---|---|
| Hochbeet im Allmende-Kontor | 2 m² | 57 € (Standardbeitrag und Verein) | rund 11 kg | rund 5,20 € |
| Krautgarten in München | 30 m² | 95 € pro Saison | rund 164 kg | rund 0,58 € |
| Durchschnittlicher Kleingarten | 370 m², davon ein Drittel Gemüse | rund 278 € (Pacht, Abgaben, Beitrag) | rund 670 kg | rund 0,41 € |
Für Berlin errechnete das Institut rund 7.600 Tonnen pro Jahr aus Gemeinschafts- und Kleingärten sowie Mietäckern, genug für den Bedarf von etwa 50.000 Menschen und auf dem Markt rund zehn Millionen Euro wert. Die Ernte der Berliner Gemeinschaftsgärten allein beziffert das IÖW auf rund 740 Tonnen Lebensmittel im Jahr.
Ein Rechenbeispiel zeigt, was solche Mittelwerte für einzelne Gärtner bedeuten. Angenommen, eine Münchner Krautgarten-Parzelle von 30 Quadratmetern erreichte den IÖW-Mittelwert, dann kämen rund 164 Kilogramm zusammen. Bewertet mit dem Kilopreis von 1,31 Euro, den das IÖW für die Berliner Gartenernte ansetzt, wäre die Ernte etwa 215 Euro wert, nach Abzug der Parzellenmiete blieben rund 120 Euro.
Die Stadt München setzt für eine solche Parzelle mindestens drei bis vier Stunden Arbeit pro Woche an. Bei 3,5 Stunden pro Woche in angenommenen 26 Wochen stünden 91 Arbeitsstunden einem Überschuss von 120 Euro gegenüber, also rund 1,30 Euro pro Stunde. Der gesetzliche Mindestlohn liegt 2026 mit 13,90 Euro gut zehnmal so hoch. Als Sparmodell taugt die Parzelle damit nicht, als Hobby dagegen schon: Eine ganze Saison kostet nur 95 Euro.
Für die eigene Ernährung kann ein Beet trotzdem viel bewirken. In einer britischen Studie deckten 85 Haushalte, die selbst Obst und Gemüse anbauen, im Median 51 Prozent ihres Gemüsebedarfs aus eigener Ernte. Pro Kopf aßen die Gärtnerhaushalte täglich 507 Gramm Obst und Gemüse, rund 70 Prozent mehr als der britische Durchschnitt. Die Stichprobe war klein und selbst ausgewählt, in der Colorado-Studie stieg der Obst- und Gemüseverzehr der Neulinge dagegen nicht.
Klimafreundlich ist Stadtgemüse nicht automatisch. Eine von der University of Michigan geleitete Studie mit 73 Anbauorten in Europa und den USA, darunter Gärten in Deutschland, ermittelte 2024 im Schnitt einen sechsmal so großen CO₂-Fußabdruck wie im konventionellen Anbau: 420 statt 70 Gramm CO₂-Äquivalent pro Portion. Manche Kulturen wie Tomaten und ein Viertel der privat bewirtschafteten Gärten lagen dagegen unter dem Wert des konventionellen Anbaus. Den Ausschlag gibt die Infrastruktur: Ein Hochbeet, das fünf statt 20 Jahre genutzt wird, verursacht pro Portion etwa die vierfache Klimawirkung.
Wie gefragt die Gärten sind, zeigt eine repräsentative Befragung des IÖW mit 3.100 Teilnehmenden in Berlin, Frankfurt am Main, Leipzig und Stuttgart: 2023 gaben zwei von zehn Stadtbewohnern an, regelmäßig Gemeinschaftsgärten zu besuchen, 73 Prozent würden neue Gärten in ihrer Nähe begrüßen. Je dichter ein Viertel besiedelt ist, desto höher fällt nach der IÖW-Schätzung der Nutzen eines Gartens aus.
Für weniger als 60 Euro im Jahr bekommt man im Allmende-Kontor ein Beet und 500 Nachbarn. Eine Stadt, die solche Gärten nur bis zum nächsten Bauantrag duldet, verschenkt ihre günstigste Sozialarbeit.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
- Kosten: Ein Beet im Allmende-Kontor kostet ab 30 Euro im Jahr plus 12 Euro Vereinsbeitrag, eine Münchner Krautgarten-Parzelle ab 95 Euro pro Saison.
- Ertrag: Im Mittel ernten Stadtgärtner 5,45 Kilogramm pro Quadratmeter, die Spanne zwischen den Studien ist groß.
- Klima: Stadtgemüse schneidet beim Klima besser ab, je länger die Beete genutzt werden.
Wo stößt die Gemeinschaft im Garten an Grenzen?

Die Grenzen liegen bei Fläche, Ausdauer und Zugang: Viele Gärten dürfen ihr Grundstück nur zwischennutzen, jeder dritte Neugärtner der Colorado-Studie hielt nicht die ganze Saison durch, und nicht jeder Garten erreicht alle Gruppen seines Viertels.
Das IÖW beschreibt die Lage nüchtern: Die Gärten erhielten häufig nur die Erlaubnis zur Zwischennutzung, was langfristige Planungen und Investitionen hemme, und umziehende oder neue Gärten fänden immer schwerer einen Standort. Schon die BBSR-Untersuchung von 2015 stellte fest, dass sechs von sieben Gärten baurechtlich nicht gesichert waren.
Wie knapp ein Garten der Räumung entgehen kann, zeigt das Himmelbeet in Berlin. Der Gemeinschaftsgarten bangte jahrelang um seinen Standort, bekam erst kurz vor der Räumung Ende 2021 die Zusage für eine neue Fläche und zog mit mehr als 300 Hochbeeten um. Nach der anstiftung-Umfrage von 2020 mussten 29 der 214 befragten Gärten mindestens einmal umziehen.
Welche Nachbarn ein Garten erreicht, hängt stark von seinen Gründern ab. Laut BBSR ging die Gründung in vielen Projekten von Menschen aus, die selbst gern gärtnern, in anderen erkannten bildungsnahe Gruppen in brachliegenden Flächen eine Chance. Je nach Garten prägen Zugewanderte, Studierende, Freiberufler, Arbeitslose oder Rentner das Bild. Die Durchmischung, mit der Förderprogramme gern werben, stellt sich nicht von selbst ein.
Hinzu kommt eine Sorge: Neues Grün könnte die Mieten treiben. Eine Studie über 28 Städte in Nordamerika und Europa fand 2022 in 17 davon einen Zusammenhang zwischen Begrünung und späterer Gentrifizierung. Untersucht wurden Grünflächen allgemein, nicht Gemeinschaftsgärten, und ein einzelnes Beet macht noch kein teures Viertel.
| Risiko | Beleg | Was hilft |
|---|---|---|
| Befristete Nutzung | Sechs von sieben BBSR-Fallstudien ohne baurechtliche Sicherung | Längere Verträge, städtische Flächenpools |
| Schwindende Aktive | Ein Drittel der Neugärtner in Colorado hielt nicht bis Saisonende durch | Neue früh einbinden, Aufgaben klar verteilen |
| Einseitiges Milieu | Gründungen oft durch Menschen, die selbst gern gärtnern, oder bildungsnahe Gruppen | Schulen, Kitas, Senioreneinrichtungen und Migrantenorganisationen gezielt ansprechen |
| Vandalismus | Übergriffe in zwei von sieben BBSR-Fallstudien | Kontakt zur Nachbarschaft, feste Öffnungszeiten |
| Schadstoffe | Mehr Schwermetalle in Gemüse von Standorten mit viel Verkehr | Boden prüfen lassen, Hochbeete, Gebäude oder Bewuchs als Barriere zur Straße |
Konflikte mit dem Umfeld bleiben meist überschaubar. Die BBSR-Forscher berichten von gezielten Übergriffen und Vandalismus in zwei von sieben Gärten, von Streit mit Anwohnern dagegen in keinem Fall. In Kleingartenvereinen verläuft der Wechsel zu jüngeren und internationaleren Pächtern nicht immer konfliktfrei, wie rund ein Drittel der Vereine dem BBSR berichtete.
Die oft zitierte Essbare Stadt Andernach entstand nicht von unten. Dort legt die von der Stadt beauftragte Perspektive gGmbH, eine gemeinnützige Gesellschaft für Bildung, Qualifizierung und Integration, die Beete an und pflegt sie, vor allem mit Langzeitarbeitslosen unter Anleitung von Gärtnern. „Die Essbare Stadt ist ein klares Top-Down-Projekt“, sagt Jonas Gesell, Sachgebietsleiter für Umwelt und Nachhaltigkeit der Stadt. Die Bürger dürfen ernten und mithelfen, tragen aber zunächst keine Verantwortung. Ein Manko sehen wir darin nicht: Die Stadt übernimmt das Risiko, die Bürger ernten mit.
Ein weiteres Risiko liegt im Boden. Eine Studie der TU Berlin fand 2012 in Gemüse von Standorten mit viel Verkehr mehr Schwermetalle. Gebäude oder dichter Bewuchs zwischen Beet und Straße senkten die Belastung. Die Berliner Senatsverwaltung rät, sich vor dem Anbau über frühere Nutzungen einer Fläche zu informieren, die anstiftung empfiehlt bei Industriebrachen eine Bodenuntersuchung und notfalls Hochbeete.
Ohne gesicherte Fläche plant kein Garten über die nächste Saison hinaus, schwindende Aktive und ein Milieu, das unter sich bleibt, schwächen ihn zusätzlich.
Was können Städte tun, damit Gemeinschaftsgärten bleiben?

Städte helfen am meisten, indem sie Flächen dauerhaft sichern, feste Ansprechpersonen benennen und Gärten als soziale Infrastruktur fördern. Berlin hat 2023 ein Programm für Gemeinschaftsgärten beschlossen und im Februar 2026 ein Gesetz verabschiedet, das Kleingartenflächen auf Landesgrund sichert.
Das Berliner Programm vom Januar 2023 beschreibt Gemeinschaftsgärten als Orte der Mitbestimmung. Nachbarn begegnen sich dort und geben Wissen weiter. Für Kleingärten ging Berlin weiter: Nach dem am 26. Februar 2026 beschlossenen Gesetz dürfen Gärten auf landeseigenen Flächen nur in Ausnahmefällen umgewidmet werden, für jede aufgegebene Fläche braucht die Stadt gleichwertigen Ersatz in der Nähe. Insgesamt liegen dort 56.280 Kleingärten mit zusammen rund 2.283 Hektar, geschützt sind Anlagen ab einer Größe von 0,5 Hektar.
Die Ausnahmen bleiben der Knackpunkt. Bezahlbarer Wohnraum bleibt ein zulässiger Grund, die Linke nennt die Regeln „ziemlich interpretationsoffen“, und für das Projekt Späthsfelde müssen laut den Grünen bis zu 500 Parzellen weichen. Berlin wird also weiter zwischen Wohnungsbau und Kleingarten abwägen, die Hürden für eine Umwidmung liegen aber höher als bisher.
Das IÖW empfiehlt Kommunen, feste Ansprechpersonen in der Verwaltung zu benennen, wie Stuttgart, Dortmund und Berlin sie haben. Karlsruhe, Dresden und Recklinghausen führen Flächenpools, in denen Gartengruppen geeignete Grundstücke finden, und Stuttgart greift neuen Gärten mit einem eigenen Förderprogramm unter die Arme. Von den 214 Gärten der anstiftung-Umfrage 2020 erhielten 96 Unterstützung von ihrer Kommune.
Andere Städte werden selbst zum Gärtner. München bietet seit 1999 gemeinsam mit Landwirten Krautgärten an, inzwischen an 24 Standorten. Andernach bewirtschaftet 1,5 Hektar essbare Beete, davon 3.000 Quadratmeter im Stadtgraben. New York betreut mit seinem Programm GreenThumb seit 1978 mehr als 550 Gemeinschaftsgärten, die Stadt bewirbt GreenThumb als größtes städtisches Gartenprogramm der USA. Wien dagegen fördert Gartenprojekte von Vereinen derzeit nur noch im 1. und 13. Bezirk.
In der Einsamkeitspolitik des Bundes spielt der Garten bisher keine Rolle. Die Strategie der Bundesregierung gegen Einsamkeit vom Dezember 2023 umfasst 111 Maßnahmen und zählt Gemeinschafts- und Grünflächen zum guten Wohnen. Gemeinschaftsgärten fehlen darin. Wir halten diese Zurückhaltung für einen Fehler, denn kaum ein Ort bringt Menschen so beiläufig zusammen und kostet die öffentliche Hand so wenig.
Städte sichern Gemeinschaftsgärten am wirksamsten mit längeren Verträgen, Flächenpools und einer festen Ansprechperson in der Verwaltung. Beim Bund fehlen die Gärten bislang in der Strategie gegen Einsamkeit.
Wie finden oder gründen Sie einen Gemeinschaftsgarten?

Bestehende Gärten finden Sie über die Gartenkarte der anstiftung auf urbane-gaerten.de oder über städtische Karten wie die Berliner Gartenkarte. Für eine Neugründung zählen vor allem eine Gruppe, die bleibt, eine Fläche mit Zustimmung des Eigentümers sowie Sonne und Wasser.
Der einfachste Weg führt über einen bestehenden Garten. Die Gartenkarte der anstiftung verzeichnet mehr als 1.000 Projekte mit Kontaktdaten. Berlin zählt mehr als 200 Gemeinschaftsgärten, verzeichnet viele davon auf einer eigenen Gartenkarte und sammelt Workshops sowie Mitmachaktionen in einem Gartenkalender. Das Land Berlin rät, sich direkt an die jeweilige Gartengruppe zu wenden.
Für einen eigenen Kleingarten brauchen Sie in gefragten Städten Geduld: Das BBSR ermittelte 2019 Wartezeiten von im Schnitt zwei Jahren, lokal deutlich länger. Zugleich standen rund 65.000 Kleingärten leer. Die Hälfte davon lag in Sachsen-Anhalt. Zum Überbrücken eignet sich ein Beet im Gemeinschaftsgarten oder eine Saisonparzelle im Selbsterntegarten.
Eine Neugründung kostet mehr Zeit als der Einstieg in eine bestehende Gartengruppe. Die anstiftung und das Land Berlin empfehlen sieben Schritte:
- Gärten besuchen: Aktive in bestehenden Gärten kennen die örtlichen Ansprechpartner in Politik und Verwaltung, die anstiftung vermittelt Kontakte zu ähnlichen Projekten.
- Mitstreiter früh einbinden: Nachbarschaft, Schulen, Kitas und Senioreneinrichtungen gehören von Anfang an dazu. Aushänge und Flyer werden nach Erfahrung der anstiftung kaum wahrgenommen.
- Fläche finden: Kommunen verpachten Flächen oft gegen eine geringe Gebühr, infrage kommen auch Kirchengemeinden, Wohnungsbaugenossenschaften, Schulen und Kleingartenvereine. Entscheidend ist die Zustimmung des Eigentümers.
- Lage prüfen: Der Garten sollte zu Fuß erreichbar, sonnig und belebt sein. Als Wasserquelle dienen eine Pumpe, Nachbarn gegen Kostenbeteiligung, ein Standrohr am Hydranten oder die Regentonne.
- Boden testen: Auf Industriebrachen und Flächen mit unklarer Vornutzung lohnt eine Bodenuntersuchung, notfalls wird in Hochbeeten gegärtnert.
- Vertrag schließen: Eine Nutzungsvereinbarung oder ein Pachtvertrag regelt Laufzeit, Kosten und Haftung. Die anstiftung stellt dafür einen Musterpachtvertrag bereit.
- Regeln vereinbaren: Gießplan, Beiträge und Entscheidungswege legt die Gruppe am besten gleich zu Beginn fest. Viele Gärten organisieren sich über ein Plenum oder einen gewählten Vorstand.
Die laufenden Kosten bleiben überschaubar: Die meisten Gärten der anstiftung-Umfrage kamen mit Betriebskosten von bis zu 100 Euro im Monat aus. Aus der Ernte wird im besten Fall ein gemeinsames Essen, ähnlich wie in einer Kochgemeinschaft in der Nachbarschaft, die Einkauf und Kochen teilt.
Mitgärtnern beginnt mit einer Nachricht an eine bestehende Gruppe. Eine Neugründung steht und fällt mit Leuten, die auch im dritten Sommer noch gießen.
Warum passt der Gemeinschaftsgarten zu einem Leben mit weniger?

Weil ein Gemeinschaftsgarten vorführt, wie Teilen statt Besitzen im Alltag funktioniert: Eine eigene Parzelle braucht niemand, um mitzugärtnern und zu ernten.
Die Serie „Genug!“ fragt, wann weniger reicht. Der Gemeinschaftsgarten gibt darauf eine praktische Antwort: Statt Parzelle, Häcksler und Laube allein zu unterhalten, teilen sich im Allmende-Kontor mehr als 500 Menschen eine Fläche und die Arbeit daran. Suffizienz, das Prinzip des Genug, klingt hier weniger nach Verzicht als nach Gesellschaft.
Nach Stundenlohn gerechnet bringt die Münchner Parzelle wenig, gemessen in Zeit und Kontakten fällt die Bilanz deutlich freundlicher aus. Den rund 120 Euro Überschuss stehen im Rechenbeispiel 91 Stunden an der frischen Luft gegenüber, hinzu kommen Gespräche über Mulch und Schnecken sowie Nachbarn, die man danach beim Namen kennt.
Genügsamkeit prägt auch die Ausstattung. Der Dorfplatz des Allmende-Kontors entstand aus Holzresten der früheren Übergangsbauten am Berliner Schlossplatz. Die Gartenregeln verbieten Kunstdünger, Pestizide und Hybridsaatgut, zudem verlangen sie einen sparsamen Umgang mit Holz, Erde und Wasser. Langlebige Beete schonen außerdem das Klima, laut der Michigan-Studie verbessern sie die Bilanz des Stadtgemüses deutlich.
Jetzt lohnt sich die Anmeldung: Die Stadtgüter München nehmen für ihre Krautgärten noch bis Ende November verbindliche Bestellungen für die Saison an, die im Mai 2027 beginnt. Ein Beet kostet wenig Geld und etwas Zeit, für eine Nachbarschaft sehen wir kaum eine bessere Investition.
Der Gemeinschaftsgarten ersetzt teuren Einzelbesitz durch geteilte Fläche und geteilte Arbeit. Genug heißt hier nicht weniger Leben, sondern weniger Zaun.
Glossar: 16 wichtige Fachbegriffe zum Gemeinschaftsgarten

Allmende
Die Allmende bezeichnet ursprünglich Land, das eine Dorfgemeinschaft gemeinsam nutzte, etwa als Weide oder Wald. Heute steht der Begriff für Güter, die einer Gemeinschaft gehören und nach gemeinsamen Regeln bewirtschaftet werden. Das Berliner Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld greift die Idee im Namen auf.
anstiftung
Die anstiftung ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in München, die Projekte des Selbermachens fördert und erforscht, darunter urbane Gärten, offene Werkstätten und Reparatur-Initiativen. Die Stiftung betreut ein bundesweites Gemeinschaftsgarten-Netzwerk mit mehr als 1.000 Gärten.
Bundeskleingartengesetz (BKleingG)
Das Bundeskleingartengesetz (BKleingG) regelt Pacht, Größe und Nutzung von Kleingärten in Deutschland. Ein Kleingarten soll höchstens 400 Quadratmeter groß sein, die Laube höchstens 24 Quadratmeter Grundfläche haben. Die Pacht darf das Vierfache der ortsüblichen Pacht im erwerbsmäßigen Obst- und Gemüseanbau nicht übersteigen.
Drittelregelung
Die Drittelregelung geht auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom 17. Juni 2004 zurück. Kleingärtnerische Nutzung liegt danach in der Regel vor, sobald wenigstens ein Drittel der Fläche dem Anbau von Gartenerzeugnissen für den Eigenbedarf dient. Maßgeblich ist der Charakter der gesamten Anlage, nicht jede einzelne Parzelle.
Einsamkeitsbarometer
Das Einsamkeitsbarometer ist ein Bericht des Bundesfamilienministeriums über die Entwicklung von Einsamkeit in Deutschland, gestützt auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels. Die erste Ausgabe erschien im Mai 2024 und reicht bis 2021, die Ausgabe von 2026 untersucht Einsamkeit bei Menschen mit Behinderungen.
Essbare Stadt
Eine Essbare Stadt bepflanzt öffentliche Grünflächen mit Obst, Gemüse und Kräutern, deren Ernte allen Bürgern offensteht. Andernach am Rhein setzt das Konzept seit 2010 um, heute auf 1,5 Hektar. In Kassel pflanzt der 2009 gegründete Verein Essbare Stadt Obst- und Nussgehölze in den Stadtteilen.
Gemeinschaftsgarten
Ein Gemeinschaftsgarten ist ein Garten, den eine Gruppe gemeinsam anlegt, pflegt und organisiert, oft über ein Plenum oder einen gewählten Vorstand. Einzelne Beete können Mitgliedern zugeteilt sein, alle Mitglieder teilen sich Fläche, Wege und Wissen. Das Gemeinschaftsgarten-Netzwerk der anstiftung zählt in Deutschland mehr als 1.000 solcher Projekte.
Grüne Gentrifizierung
Als grüne Gentrifizierung bezeichnet die Stadtforschung steigende Mieten und die Verdrängung ärmerer Bewohner, nachdem neue Grünflächen ein Viertel aufgewertet haben. Eine Studie über 28 Städte in Nordamerika und Europa fand 2022 in 17 davon einen solchen Zusammenhang, Gemeinschaftsgärten untersuchte sie nicht gesondert.
Interkultureller Garten
Ein interkultureller Garten bringt Menschen unterschiedlicher Herkunft beim gemeinsamen Gärtnern zusammen, häufig Geflüchtete, Zugewanderte und Alteingesessene. Als Vorbild gelten die Internationalen Gärten Göttingen, die 1996 in einer Baulücke entstanden. Aus der Zusammenarbeit der Göttinger mit der anstiftung ging 2003 die Stiftung Interkultur hervor.
Kleingarten
Ein Kleingarten, umgangssprachlich Schrebergarten, ist eine gepachtete Parzelle in einer Anlage, die dem Anbau für den Eigenbedarf und der Erholung dient. Im Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschlands sind 867.092 Kleingärten mit durchschnittlich 370 Quadratmetern organisiert. Der Name erinnert an den Leipziger Arzt Moritz Schreber.
Krautgarten
Ein Krautgarten ist die Münchner Form des Selbsterntegartens. Die Münchner Stadtgüter oder Landwirte bereiten eine Ackerfläche vor, säen an manchen Standorten erste Kulturen und vergeben Parzellen für eine Saison, die im Mai beginnt. München bietet solche Gärten seit 1999 an, heute an 24 Standorten.
Nutzungsvereinbarung
Eine Nutzungsvereinbarung ist ein Vertrag zwischen Gartengruppe und Flächeneigentümer, der Dauer, Kosten und Pflichten der Nutzung festlegt, einschließlich der Haftung. Die anstiftung stellt einen Musterpachtvertrag bereit, die Grüne Liga Berlin eine Broschüre mit Mustern für Pacht-, Zwischennutzungs- und Überlassungsverträge.
Randomisierte kontrollierte Studie (RCT)
Eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT) teilt Teilnehmende per Zufall in eine Versuchs- und eine Kontrollgruppe ein. Unterschiede zwischen beiden Gruppen lassen sich dadurch auf die Maßnahme zurückführen und nicht auf Vorlieben der Teilnehmenden. Zum Gemeinschaftsgärtnern erschien die erste Studie dieser Art 2023.
Sozialkapital
Sozialkapital beschreibt den Wert von Beziehungen, Vertrauen und gemeinsamen Normen in einer Gruppe oder Nachbarschaft. Eine Telefonbefragung von 1.916 Menschen in Flint im US-Bundesstaat Michigan fand 2010 einen Zusammenhang zwischen der Beteiligung an Gemeinschaftsgärten und Verschönerungsprojekten im Viertel und stärker wahrgenommenem Sozialkapital, belegt aber keine Ursache.
Suffizienz
Suffizienz bedeutet Genügsamkeit: den eigenen Verbrauch so zu gestalten, dass weniger reicht, ohne auf ein gutes Leben zu verzichten. Neben Effizienz und Konsistenz gilt Suffizienz als dritte Strategie der Nachhaltigkeit. In der Serie „Genug!“ steht der Begriff für die Frage, wann weniger genug ist.
Zwischennutzung
Bei einer Zwischennutzung darf eine Gruppe eine Fläche befristet nutzen, bis der Eigentümer das Grundstück anders verwerten will, etwa für einen Neubau. Etliche Gemeinschaftsgärten sind auf zwischengenutzten Brachen entstanden. Das IÖW sieht darin ein Hemmnis, weil befristete Erlaubnisse langfristige Planungen und Investitionen bremsen.
FAQ: Im Gemeinschaftsgarten wächst vor allem Nachbarschaft

Brauchen Sie Vorerfahrung, um im Gemeinschaftsgarten mitzugärtnern?
Nein, Vorerfahrung ist nicht nötig. Das meiste lernen Einsteiger allmählich durch Ausprobieren und von den anderen Gärtnern, gerade dieses gegenseitige Lernen zeichnet einen Gemeinschaftsgarten aus. Wichtig ist Interesse an Pflanzen und ihrer Pflege. In Berlin sammelt der Gartenkalender zusätzlich Kurse und Workshops für Anfänger.
Müssen Sie für einen Gemeinschaftsgarten einen Verein gründen?
Nein, ein Verein ist keine Pflicht. Manche Gartengruppen arbeiten ohne formelle Struktur oder unter dem Dach eines sozialen Trägers, einer Gemeinde oder einer Schule. Als Verein kann eine Gruppe aber leichter Versicherungen und Pachtverträge abschließen, Spenden annehmen und Förderanträge stellen. Genossenschaften, GmbHs oder Stiftungen sind ebenfalls möglich, in der Organisation aber deutlich aufwendiger.
Braucht ein Gemeinschaftsgarten eine Versicherung?
Nicht in jedem Fall, denn in der Regel haftet der Eigentümer der Fläche. Überträgt eine Nutzungsvereinbarung oder ein Pachtvertrag die Haftung auf die Gartengruppe, empfiehlt sich eine Haftpflichtversicherung, etwa für Stürze auf unebenen Wegen oder herabfallende Äste. Für Bienen oder andere Tiere im Garten kann zusätzlich eine Tierhalterhaftpflicht nötig sein.
Dürfen Sie auf öffentlichen Flächen einfach Gemüse anbauen?
Nein, für das Gärtnern auf öffentlichen Flächen brauchen Sie eine Genehmigung, in Berlin etwa vom zuständigen Bezirksamt, auch für Guerilla Gardening genannte Pflanzaktionen. Die Grüne Liga Berlin hat Tipps und Musterverträge für das Gärtnern im öffentlichen Raum zusammengestellt.
Dürfen Mieter im Hinterhof einen Gemeinschaftsgarten anlegen?
Mieter brauchen dafür die Zustimmung von Vermieter oder Hausverwaltung und fragen am besten direkt dort an. In Berlin haben mehrere landeseigene Wohnungsunternehmen eigene Anlaufstellen für Mietergärten, bei der GESOBAU etwa das Sozial- und Quartiersmanagement, bei der WBM das Projekt Grüne Höfe.
Welche Regeln gelten im Gemeinschaftsgarten?
Jeder Garten gibt sich eigene Regeln, meist gemeinsam beschlossen. Das Berliner Allmende-Kontor hat seine Regeln 2015 als sogenannte Anregelungen verfasst, eine Mischung aus Regeln und Anregungen. Beete dürfen dort höchstens 1,5 Meter hoch sein, damit sie niemandem Licht nehmen, zwischen zwei Beeten bleibt mindestens eine Schubkarrenbreite Platz, und offenes Feuer ist im Garten verboten.
Quellen
anstiftung | 1000 Gemeinschaftsgärten im bundesweiten Netzwerk | https://urbane-gaerten.de/netzwerk-news/1000-gemeinschaftsg%C3%A4rten-im-bundesweiten-netzwerk | besucht am 26.09.2026
anstiftung | Bundesweite Befragung zu urbanen Gemeinschaftsgärten | https://urbane-gaerten.de/netzwerk-news/bundesweite-befragung-zu-urbanen-gemeinschaftsg%C3%A4rten | besucht am 26.09.2026
anstiftung | Urbane Gärten | https://anstiftung.de/praxis/urbane-gaerten | besucht am 26.09.2026
anstiftung | Willkommen bei der anstiftung | https://anstiftung.de/ | besucht am 26.09.2026
anstiftung | Do-it-yourself-Lexikon: Interkulturelle Gärten | https://anstiftung.de/forschung/do-it-yourself-lexikon/interkulturelle-gaerten | besucht am 26.09.2026
anstiftung | Erste Schritte: Wie baue ich einen (interkulturellen) Gemeinschaftsgarten auf? | https://urbane-gaerten.de/praxiswissen-urbane-g%C3%A4rten/erste-schritte-wie-baue-ich-einen-interkulturellen-gemeinschaftsgarten-auf | besucht am 26.09.2026
anstiftung | Die urbanen Gemeinschaftsgärten in Deutschland (Gartenkarte) | https://urbane-gaerten.de/urbane-gaerten/gaerten-im-ueberblick | besucht am 26.09.2026
Internationale Gärten e.V. Göttingen | Startseite | http://internationale-gaerten.de/ | besucht am 26.09.2026
Internationale Gärten e.V. Göttingen | 15 Jahre Internationale Gärten Göttingen 1996 bis 2011 | http://internationale-gaerten.de/wordpress/wp-content/uploads/2014/08/02_02_15_Jahre_Int_Gaerten_Goettingen.pdf | besucht am 26.09.2026
Bundeszentrale für politische Bildung | Der Prinzessinnengarten: eine andere Stadt kultivieren | https://www.bpb.de/lernen/kulturelle-bildung/138978/der-prinzessinnengarten-eine-andere-stadt-kultivieren/ | besucht am 26.09.2026
taz | Neue Studie über Stadtgemüse: Aufruhr im Gemüsebeet | https://taz.de/Neue-Studie-ueber-Stadtgemuese/!5089667/ | besucht am 26.09.2026
Prinzessinnengarten Kollektiv Berlin | Über uns | https://prinzessinnengarten-kollektiv.net/ueber-uns/ | besucht am 26.09.2026
Nachbarschafts- und Inklusionsgarten Moritzplatz | Startseite | https://prinzessinnengarten-kreuzberg.net/ | besucht am 26.09.2026
Allmende-Kontor e.V. | Der Garten | https://www.allmende-kontor.de/der-garten/ | besucht am 26.09.2026
Allmende-Kontor e.V. | Mitglied werden | https://www.allmende-kontor.de/der-verein/mitglied-werden/ | besucht am 26.09.2026
Allmende-Kontor e.V. | Glossar: Unser Garten-ABC | https://www.allmende-kontor.de/der-garten/faqs/ | besucht am 26.09.2026
Stadt Andernach | Essbare Stadt | https://www.andernach.de/stadt/essbare-stadt/ | besucht am 26.09.2026
Stadt Andernach | Andernach: Die Essbare Stadt (Faltblatt 2024) | https://www.andernach.de/formulare/essbare-stadt-permakultur-2024-print.pdf | besucht am 26.09.2026
KOMMUNAL | Die essbare Stadt: Andernach erfindet Stadtgrün neu | https://kommunal.de/stadtgruen-essbare-stadt-andernach-tipps | besucht am 26.09.2026
Essbare Stadt e.V. Kassel | Startseite | https://essbare-stadt.de/wp/ | besucht am 26.09.2026
Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschlands | Zahlen und Fakten | https://kleingarten-bund.de/der-verband/ueber-uns/zahlen-und-fakten/ | besucht am 26.09.2026
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Bundesministerium der Justiz | Bundeskleingartengesetz, § 1 Begriffsbestimmungen | https://www.gesetze-im-internet.de/bkleingg/__1.html | besucht am 26.09.2026
Bundesministerium der Justiz | Bundeskleingartengesetz, § 3 Kleingarten und Gartenlaube | https://www.gesetze-im-internet.de/bkleingg/__3.html | besucht am 26.09.2026
Bundesministerium der Justiz | Bundeskleingartengesetz, § 5 Pacht | https://www.gesetze-im-internet.de/bkleingg/__5.html | besucht am 26.09.2026
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Land Berlin | Im Gemeinschaftsgarten gärtnern: Fragen und Antworten | https://www.berlin.de/gaertnern/fragen-und-antworten/gemeinschaftsgarten/ | besucht am 26.09.2026
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Senatskanzlei Berlin | Pressemitteilung vom 09.12.2025 zum Kleingartenflächensicherungsgesetz | https://www.berlin.de/rbmskzl/aktuelles/pressemitteilungen/2025/pressemitteilung.1624368.php | besucht am 26.09.2026
Tagesspiegel | 50.000 Grünanlagen sollen bleiben: Abgeordnetenhaus beschließt Gesetz zum Schutz der Berliner Kleingärten | https://www.tagesspiegel.de/berlin/50000-grunanlagen-sollen-bleiben-abgeordnetenhaus-beschliesst-gesetz-zum-schutz-der-berliner-kleingarten-15295440.html | besucht am 26.09.2026
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NYC Parks | GreenThumb | https://www.nycgovparks.org/greenthumb | besucht am 26.09.2026
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