
173 Milliarden Euro: Anthropic kauft sich bei Google ein

Markus Seyfferth
Autor Dr. WebDer Anthropic Google Cloud Deal bindet Anthropic über fünf Jahre zu rund 173 Milliarden Euro an Googles Cloud-Infrastruktur. Hand aufs Herz: Wann haben Sie zuletzt eine Cloud-Vertragssumme gesehen, die größer war als das BIP eines mittleren EU-Staats?
Das Wichtigste in Kürze
- Anthropic verpflichtet sich laut Bericht zu rund 173 Milliarden Euro Cloud-Ausgaben bei Google in fünf Jahren
- Das entspricht über 40 % von Googles gesamtem Cloud-Backlog
- OpenAI und Anthropic stehen zusammen für rund die Hälfte der 1,7 Billionen Euro an Cloud-Verpflichtungen bei Amazon, Microsoft, Google und Oracle
- Das unterstellte 20- bis 30-fache Umsatzwachstum bis 2029 ist die offene Frage
Worum geht es bei diesem Cloud-Deal?

Die Vertragssumme sortiert die KI-Branche neu. Anthropic kauft Google Cloud-Kapazität in einer Größenordnung, die noch vor zwei Jahren undenkbar wirkte. Die rund 173 Milliarden Euro entsprechen mehr als 40 % von Googles gesamtem zugesicherten Cloud-Geschäft. Allein dieser eine Vertrag prägt die Bilanz eines globalen Hyperscalers.
Zusammen mit OpenAI stehen die beiden Unternehmen für rund die Hälfte der 1,7 Billionen Euro, die Amazon, Microsoft, Google und Oracle als zugesicherte Cloud-Umsätze ausweisen. Beide Start-ups arbeiten weiterhin defizitär, finanzieren also künftige Compute-Mengen aus erwarteten, nicht aus realisierten Erträgen.
Wie passt der Deal zum SpaceX-Vertrag?

Die Compute-Strategie von Anthropic wird in Kombination lesbar. Erst gestern wurde bekannt, dass Anthropic 300 Megawatt im ehemaligen xAI-Rechenzentrum von SpaceX in Memphis mietet. Heute kommt der Google-Deal hinzu. Beide Verträge zielen auf dieselbe Engstelle: Rechenleistung, die schneller bereitstehen muss, als Anthropic eigene Standorte bauen kann.
CEO Dario Amodei räumte vor wenigen Tagen ein, dass die internen Wachstumsprognosen das tatsächliche Wachstum massiv unterschätzt haben. Statt der erwarteten Verzehnfachung erlebt Anthropic eine Verachtzigfachung. Die Compute-Engpässe der nächsten Jahre werden mit langfristigen Lieferverträgen abgesichert, nicht mit Spotmarkt-Käufen.
Wer 173 Milliarden Euro Cloud-Verpflichtung eingeht, ohne das Geld dafür schon im Sack zu haben, baut auf eine ganz bestimmte Zukunft. Geht die Wette schief, geht es nicht nur Anthropic schlecht, sondern auch dem Vermieter.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Welche Risiken stecken in der Konstruktion?

Drei Punkte fallen sofort auf. Erstens: Die Verpflichtung setzt voraus, dass die KI-Nachfrage bis 2029 um den Faktor 20 bis 30 wächst. Zweitens: Die Konzentration auf wenige Hyperscaler erhöht das Klumpenrisiko für die gesamte Branche. Drittens: Defizitäre Start-ups als größte Cloud-Kunden sind ein historisch neues Muster, das von Investoren erst eingepreist werden muss.
Für die deutsche Wirtschaft wirkt das auf zwei Ebenen. Wer KI-Lizenzen einkauft, wird die Preise dieser Cloud-Verpflichtungen langfristig mittragen. Wer eigene KI-Infrastruktur aufbaut, sieht sich einer Lieferkette gegenüber, in der die größten Abnehmer einen historischen Vorrang gesichert haben.
Was bedeutet das für Entscheider?

Drei Empfehlungen. Erstens: Multi-Cloud-Strategie als Standard, nicht als Plus. Zweitens: KI-Lizenzverträge auf Preisanpassungs-Klauseln prüfen, gerade bei mehrjährigen Laufzeiten. Drittens: Eigene Compute-Reserven für kritische Workloads kalkulieren. Wer als Mittelständler in zwei Jahren auf gesicherte Trainingskapazität angewiesen ist, sollte heute Verträge mit europäischen Anbietern wie OVHcloud oder IONOS prüfen.
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