Der Insolvenzverwalter CITR hat Rheinmetall den Zuschlag für die Werft im rumänischen Mangalia erteilt: 138,03 Millionen Euro netto, ein Viertel unter dem Schätzwert. Vier Versteigerungen zum vollen Preis waren zuvor ohne Bieter geblieben. In Kiel hatte der Düsseldorfer Konzern im Sommer abgewunken, in Mangalia ist der Auftrag schon unterschrieben.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenViermal hatte CITR die Anlagen der früheren Damen Shipyards Mangalia für 184 Millionen Euro angeboten. Rheinmetall stieg erst ein, als der Preis auf 75 Prozent sank, und erhielt am 9. Oktober über die Tochter Rheinmetall Real Estate România den Zuschlag.[1] Ausgenommen ist laut ESUT das Kerngelände, für das die staatliche Gesellschaft 2MMS die Konzession hält.
Das Wichtigste in Kürze
- Rheinmetall zahlt 138,03 Millionen Euro netto, 75 Prozent des Schätzwerts von 184 Millionen.
- In Mangalia baut der Konzern vier Schiffe für Rumäniens Marine, der Auftrag über 920 Millionen Euro stammt vom Mai.
- Bezahlt werden die Schiffe aus dem EU-Darlehensprogramm SAFE, das mindestens 65 Prozent europäische Komponenten verlangt.
- Der frühere Miteigentümer Damen hat Berufung eingelegt, das Gericht in Constanța verhandelt am 4. November.
Warum Mangalia und nicht Kiel?

Im Juli rückte Rheinmetall von der Kieler Werft German Naval Yards ab, weil nach dem Aus der Fregatte F126 die Arbeit für einen zweiten Standort fehlte. In Mangalia kam der Auftrag zuerst. Am 29. Mai unterschrieb das rumänische Verteidigungsministerium mit der Division Naval Systems einen Vertrag über 920 Millionen Euro für zwei bewaffnete Hochsee-Patrouillenschiffe und zwei Einsatzschiffe für Taucher. Gebaut werden sie in Mangalia, geliefert bis 2030.[1]
Bukarest hatte die Vergabe an Investitionen in die heimische Rüstungsindustrie geknüpft, darunter die Wiederbelebung der Werft. Der Kaufpreis entspricht rund 15 Prozent des Auftragswerts. Arbeit hat die Werft damit vom ersten Tag an. Wirtschaftsminister Irineu Darău kündigte an, nun werde Personal eingestellt. Seit der Übernahme der Lürssen-Marinesparte im März besitzt Rheinmetall Werften in Norddeutschland, Mangalia wird der erste Standort am Schwarzen Meer.
Welche Rolle spielt das EU-Programm SAFE?
Über SAFE verleiht die EU-Kommission 150 Milliarden Euro an 19 Staaten für Rüstungskäufe. Mindestens 65 Prozent der Komponentenkosten müssen aus der EU, der Ukraine oder dem EWR stammen.[2] Rumänien erhält nach Polen das zweitgrößte Paket, rund 16,7 Milliarden Euro, abrufbar bis Ende 2030. Für europäische Hersteller wie Rheinmetall öffnet die EU-Quote den Markt, Anbieter mit hohem US-Anteil in der Lieferkette kommen seltener zum Zug.
Leer ging Damen aus. Der niederländische Schiffbauer hielt seit 2018 49 Prozent an Mangalia, kündigte 2023 die Partnerschaft und beantragte 2024 die Insolvenz. Im September 2025 bot Damen vier vergleichbare Schiffe für 457 Millionen Euro an, gebaut im eigenen Werk in Galați. Dem Angebot fehlten laut Ministerium acht Elemente vom Feuerleitsystem bis zur Torpedoabwehr, nach Darstellung von Damen gehörten sie nicht zum Auftrag.[1]
In Kiel fehlte Rheinmetall der Auftrag, in Mangalia ist er mehr als sechsmal so viel wert wie der Kaufpreis.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
vier Schiffe, finanziert über das EU-Programm SAFE
ohne die Fregatte F126 fehlt German Naval Yards die Arbeit
nach vier Versteigerungen ohne Bieter
Verhandlung in Constanța, ohne aufschiebende Wirkung
Was heißt das für Zulieferer in Deutschland?
Gebaut wird in Rumänien, Zulieferteile dürfen aus der gesamten EU kommen. Liefern Sie Komponenten für Marine- oder Fahrzeugprogramme in Osteuropa, halten Sie Herkunftsnachweise bereit: Ein Drittstaatenanteil über 35 Prozent der Komponentenkosten schließt ein Vorhaben von der SAFE-Finanzierung aus.
Das Programmrisiko bleibt. Das F126-Aus kostete Hensoldt rund 200 Millionen Euro Auftragswert. In Mangalia steht die Berufung von Damen noch aus. Rheinmetall baut seine Marinesparte trotzdem zügig aus, mit der eigenen Fregatte GMF140 und einer auf 1,5 Milliarden Euro verdoppelten Kreditlinie. Führen Sie Aufträge, die an einem einzigen öffentlichen Programm hängen, in Ihrer Risikoplanung gesondert.
Quellen
2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- ESUT, Europäische Sicherheit & TechnikRheinmetall übernimmt rumänische Werft Mangalia
- Europäische KommissionSAFE: Security Action for Europe
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