Der Haushaltsausschuss des Bundestags gab am 8. Oktober vier weitere Fregatten der Klasse MEKO A-200 DEU bei TKMS frei. Der Bund bestellt nun acht baugleiche Schiffe für die U-Boot-Jagd, die Bauverträge summieren sich auf rund 11,6 Milliarden Euro. Pro Schiff fällt das zweite Los um rund 250 Millionen Euro günstiger aus als das erste.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Deutsche Marine soll ihre MEKO-Fregatten im Neun-Monats-Takt erhalten und so die Lücke nach dem gescheiterten Programm F126 schließen. Die erste Fregatte übergibt TKMS im Dezember 2029, danach soll alle neun Monate ein weiteres Schiff folgen.[1] Rechnerisch kommt die achte Fregatte damit im Frühjahr 2035.
Das Wichtigste in Kürze
- Für die Schiffe fünf bis acht rechnet der Bund mit 5,6 Milliarden Euro, davon 5,3 Milliarden Euro für den reinen Bauvertrag.
- Das erste Los über vier Fregatten kostete 6,3 Milliarden Euro, Entwicklungsleistungen inklusive.
- Die Option auf das zweite Los wäre Ende 2026 ausgelaufen.
- Die niederländische Werft Damen verlangt nach dem F126-Aus rund 4,7 Milliarden Euro vom Bund.
Warum kostet das zweite Los weniger als das erste?

Aus einer Vorlage des Finanzministeriums, über die Reuters am 6. Oktober berichtete, geht der Preis hervor: 5,3 Milliarden Euro für den Bau der Schiffe fünf bis acht, mit Projektunterstützung und Managementreserve 5,6 Milliarden Euro. Der Bau kostet damit je Fregatte gut 1,3 Milliarden Euro. Beim ersten Los lag der Betrag je Schiff bei knapp 1,6 Milliarden Euro, weil darin die Anpassung des Exportentwurfs an die Anforderungen der Deutschen Marine steckte.
Die Entwicklungsleistungen bezahlt der Bund nur einmal, im zweiten Los steckt reiner Serienbau. Für den Betrieb der vier neuen Schiffe bis 2045 kalkuliert die Vorlage zusätzlich 1,55 Milliarden Euro. Abstimmen musste der Ausschuss jetzt, weil sich die Option aus dem Bauvertrag vom Sommer nur bis Ende 2026 ziehen lässt. Die Vorlage nennt den Kauf deshalb „zeitlich unabweisbar“.
Welche Rechnung hinterlässt die F126?
Die sechs Fregatten der Klasse F126 hatte der Bund 2020 bei Damen Schelde Naval Shipbuilding bestellt. Im Juni 2026 beendete das Verteidigungsministerium das Projekt wegen erheblicher Verzögerungen, enormer Kostensteigerungen und nicht kalkulierbarer Risiken.[2] Damen fordert laut Reuters rund 4,7 Milliarden Euro und wirft der Bundesregierung Vertragsbruch vor. Der Bund begründet den Rücktritt vom Vertrag mit Leistungsstörungen der Werft.
Die Marine wechselt damit von der Sonderkonstruktion zum erprobten Exportschiff. Stahlbau-Nord in Bremerhaven fertigte im Unterauftrag von TKMS bereits zwischen 2019 und 2023 drei MEKO-Fregatten für Ägypten. Nach dem F126-Aus stellte Rheinmetall auch die Übernahme der Kieler Werft German Naval Yards infrage. Parallel hält die Marine ältere Schiffe länger in Fahrt, etwa die Fregatte Bayern.
Die Marine kauft jetzt Serie statt Sonderkonstruktion, das zweite Los spart bereits 250 Millionen Euro je Schiff.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Neun-Monats-Takt für Zulieferer?
Acht baugleiche Schiffe bis 2035 ergeben eine Serienfertigung über fast ein Jahrzehnt. TKMS verteilt die Wertschöpfung auf Standorte und Zulieferer in nahezu allen Bundesländern. Führungs- und Waffeneinsatzsysteme sowie Sensoren liefert Saab, der schwedische Konzern hatte schon im Juli Aufträge über rund 800 Millionen Euro erhalten.
Für Mittelständler mit Marine-Bezug wird die Auftragslage damit planbar. Die Unteraufträge vergibt der Generalunternehmer TKMS, nicht das Beschaffungsamt. Prüfen Sie gerne, ob Ihre Kapazitäten für einen Neun-Monats-Takt bis 2035 reichen. Frühe Signale liefern die Sitzungen des Haushaltsausschusses: Jedes Rüstungsvorhaben über 25 Millionen Euro muss das Gremium einzeln billigen.
Quellen
[1] Bundeswehr: „MEKO A-200 DEU“ (Beschaffungsseite, Stand 08.07.2026)
[2] Bundeswehr: „Verteidigungsministerium beendet das Rüstungsprojekt Fregatte F126“ (24.06.2026)
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