Chrome 155 zeigt Bilder im Format JPEG XL direkt an, die stabile Version verteilt Google seit dem 6. Oktober auf Desktop und Android.[1] Ende 2022 hatte Google die experimentelle Unterstützung noch aus dem Browser entfernt. Für die Rückkehr setzt der Konzern auf einen neuen Decoder in der Programmiersprache Rust.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFür Website-Betreiber verliert JPEG XL damit seinen größten Nachteil, die fehlende Unterstützung in Chrome. Safari zeigt das Format seit 2023 an, Firefox folgt mit Version 158.[3] Ab dieser Version beherrschen alle drei großen Browser-Engines die Dateien mit der Endung .jxl.
Das Wichtigste in Kürze
- Chrome 155 dekodiert JPEG XL auf Desktop und Android, die stabile Version erschien am 6. Oktober 2026.
- Google nennt eine um 30 bis 50 % bessere Kompression als bei JPEG und empfiehlt, JPEG XL und AVIF parallel zu testen.
- Vorhandene JPEG-Dateien lassen sich verlustfrei in JPEG XL umpacken, Apple beziffert die Ersparnis auf durchschnittlich 20 %.
- Die Mediathek von WordPress nimmt .jxl-Dateien bisher nicht an, weil das Format in der Liste der erlaubten Dateitypen fehlt.
Warum holt Google JPEG XL zurück in den Browser?

Ende 2022 strich Google den experimentellen JPEG-XL-Code aus Chromium. Als Begründung nannte das Chrome-Team damals zu wenig Interesse im Ökosystem und einen zu geringen Vorteil gegenüber den vorhandenen Formaten. Inzwischen hat sich die Nachfrage gedreht: Google verweist auf das Interop-Projekt der Browserhersteller, in dem JPEG XL 2026 und in den Jahren davor zu den beliebtesten Vorschlägen von Webentwicklern zählte.[1] Apple unterstützt das Format in Safari seit Version 17 aus dem September 2023.[4]
Mindestens ebenso schwer wiegt die Sicherheit, denn Bilddecoder verarbeiten fremde Binärdaten direkt aus dem Netz. Jeder Fehler in der Speicherverwaltung kann Angreifern Zugriff auf den Rechner verschaffen. Wie real diese Gefahr ist, zeigte im September 2023 die WebP-Lücke CVE-2023-4863: Ein Pufferüberlauf in der Bibliothek libwebp erlaubte Schreibzugriffe außerhalb des vorgesehenen Speichers. Die US-Cybersicherheitsbehörde CISA listet die Lücke als aktiv ausgenutzt, Google schloss sie mit Chrome 116.[5]
Statt der C++-Referenzbibliothek libjxl baut Google deshalb jxl-rs ein, einen Decoder komplett in Rust. Der Compiler der Sprache verhindert ganze Fehlerklassen wie Pufferüberläufe und Zugriffe auf bereits freigegebenen Speicher. Unsichere Operationen für die schnellen SIMD-Befehle der Prozessoren beschränkt jxl-rs auf wenige, eigens geprüfte Stellen. Google meldet, bei Fuzzing-Tests und einer KI-gestützten Codeprüfung keinen einzigen Speicherfehler gefunden zu haben.[1] Auch Microsoft und Canonical setzen auf Rust: Microsoft macht Rust zur Tier-1-Sprache, und Ubuntu 26.10 ersetzt die Coreutils durch Rust-Werkzeuge.
Was leistet JPEG XL im Vergleich zu AVIF und WebP?
Google wirbt mit einer um 30 bis 50 % besseren Kompression als bei JPEG.[1] Hinzu kommen verlustfreie Speicherung, HDR, ein erweiterter Farbraum und Animationen.[2] Einen klaren Sieger gegenüber AVIF ruft das Chrome-Team trotzdem nicht aus und rät, beide Formate zu testen. Die Stärken von JPEG XL sieht Google bei hochwertigen und verlustfreien Fotos sowie beim schrittweisen Bildaufbau, der große Aufmacherbilder schon nach den ersten Kilobyte grob sichtbar macht.
Für Bildarchive zählt eine Besonderheit: JPEG XL packt vorhandene JPEG-Dateien verlustfrei um, ohne Bildinformationen zu verwerfen. Apple beziffert die Ersparnis auf durchschnittlich 20 %.[4] Ein Online-Shop mit Zehntausenden Produktfotos spart so Speicher und Datenvolumen, ohne ein einziges Bild neu zu komprimieren. Kleinere Dateien verkürzen zudem die Ladezeit, die Google über die Core Web Vitals in die Bewertung einer Seite einbezieht.
Wie kam JPEG XL in die Browser?
Chrome 155 beendet für JPEG XL fast vier Jahre Funkstille, doch die WordPress-Mediathek lehnt das Format weiter ab. Die Bremse sitzt jetzt im CMS statt im Browser.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was sollten Website-Betreiber jetzt tun?
Die Mediathek von WordPress nimmt .jxl-Dateien derzeit nicht an. Im Quellcode fehlt JPEG XL in der Liste der erlaubten Dateitypen, AVIF und WebP stehen dort längst.[6] Für verkleinerte Bildvarianten braucht WordPress zudem eine Bildbibliothek wie Imagick, die das Format verarbeiten kann. Bei Anbietern aus dem WordPress-Hosting-Vergleich lohnt deshalb eine Nachfrage, welche Formate die installierte Bibliothek kennt.
Bei Firefox dauert die Freischaltung eine Version länger als geplant: Mozilla hatte JPEG XL zunächst für Firefox 157 angekündigt und Anfang September auf Version 158 verschoben.[3] Bis die neuen Versionen bei Ihren Besuchern angekommen sind, helfen diese Schritte:
- Ersatzformat einplanen: Liefern Sie JPEG XL gerne über das picture-Element aus und hinterlegen Sie eine JPEG- oder AVIF-Quelle. Ältere Browser greifen dann automatisch auf das zweite Format zurück.
- Stichprobe testen: Packen Sie einige Hundert Produktfotos verlustfrei um und vergleichen Sie Dateigröße und Ladezeit mit der AVIF-Fassung.
- Originale behalten: Bewahren Sie die JPEG-Originale auf, bis Firefox 158 verbreitet ist und Ihre Plugins das Format sauber verarbeiten.
Den Vorlauf zu dieser Entscheidung beschreibt unser Hintergrund JPEG XL: Warum Ihre Website bald leichter lädt, Grundlagen der Kompression liefert der Ratgeber Bilder komprimieren. Welcher Browser zu Ihrem Team passt, zeigt der Browser-Vergleich von Dr. Web. Für die eigene Website gilt: Testen Sie das Format jetzt an echten Bildern, denn mit Chrome 155 fällt die größte Hürde, und Firefox 158 räumt die letzte ab.
FAQ: JPEG XL in Chrome: Google schaltet das Bildformat ab Version 155 frei
Was ist JPEG XL?
JPEG XL ist ein Bildformat, das als Norm ISO/IEC 18181 standardisiert ist. Das Format komprimiert verlustbehaftet und verlustfrei, unterstützt Transparenz, HDR und Animationen und baut große Bilder beim Laden schrittweise auf.
Woraus ist JPEG XL entstanden?
JPEG XL vereint zwei Vorarbeiten: das Format PIK aus der Google-Forschung und das Free Universal Image Format, kurz FUIF, des Bilddienstleisters Cloudinary. Die Normungsgremien von ISO und IEC haben beide Ansätze zu einem gemeinsamen Standard zusammengeführt.
Kostet JPEG XL Lizenzgebühren?
Nein. JPEG XL ist als lizenzgebührenfreies Format angelegt. Die Referenzbibliothek libjxl und der in Rust geschriebene Decoder jxl-rs stehen als Open Source bereit, Browser- und Softwarehersteller können beide ohne Zahlungen einbauen.
Welche Dateiendung und welchen MIME-Typ hat JPEG XL?
JPEG-XL-Dateien enden auf .jxl. Webserver liefern die Dateien mit dem MIME-Typ image/jxl aus. Fehlt der Eintrag in der Serverkonfiguration, geht die Datei häufig als allgemeiner Binärtyp an den Browser.
Quellen
[1] Google, Chrome for Developers: Shipping JPEG XL in Chrome (6. Oktober 2026)
[2] Chrome Platform Status: JPEG XL decoding support (image/jxl) in blink
[3] Mozilla dev-platform: Intent to ship: JPEG XL (24. August und 3. September 2026)
[4] WebKit: WebKit Features in Safari 17.0
[5] NIST National Vulnerability Database: CVE-2023-4863
[6] WordPress: wordpress-develop, wp-includes/functions.php, Funktion wp_get_mime_types()
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