Auf LinkedIn leuchtet manches Firmenlogo heller als der weiße Bildschirm dahinter. Verantwortlich ist kein Trick der Grafikkarte, sondern ein HDR-Kniff im Bild selbst. Kostenlose Werkzeuge wie So Very Bright verwandeln ein gewöhnliches Logo in eine JPEG-Datei, deren Weiß auf modernen Displays gleißt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFür Marketing und Markenführung wirkt der Effekt wie ein Aufmerksamkeitsmagnet. Genau deshalb kursiert das Verfahren seit Anfang 2026 durch die Business-Netzwerke, immer mehr Anbieter springen auf. Doch der leuchtende Auftritt hat einen Haken, den Entscheider vor dem Einsatz kennen sollten.
Das Wichtigste in Kürze
- Kostenlose Tools wie So Very Bright und superGLOW kodieren Logos so, dass ihr Weiß auf HDR-Displays deutlich heller leuchtet als normales Bildschirmweiß.
- Der Effekt entsteht durch eine zweite, unsichtbare Ebene im Bild (Gain Map) oder ein HDR-Farbprofil, die einfache Bildschirme schlicht ignorieren.
- Auf LinkedIn überlebt nur die Farbprofil-Variante die Kompression; ein Screenshot zerstört das Leuchten sofort.
- Fachleute warnen vor einem Aufmerksamkeits-Wettrüsten und davor, dass die Plattformen den Effekt bald kappen.
Warum leuchtet ein Logo heller als Weiß?

Normales Bildschirmweiß liegt bei rund 203 Nits, dem Referenzwert für Standardvideo. HDR-fähige Displays zeigen ein Vielfaches davon. Genau diese Helligkeitsreserve nutzen die Tools aus. So Very Bright hängt an das JPEG eine zweite, graustufige Ebene nach dem Standard ISO 21496-1, eine sogenannte Gain Map. Diese Karte sagt der HDR-Software Pixel für Pixel, wie viel heller sie das Weiß darstellen darf, laut Anbieter bis zum 7,5-Fachen von reinem Weiß.[1]
Die zweite Bauart schreibt die Helligkeit direkt in ein HDR-Farbprofil, meist im PQ-Verfahren nach ST 2084. superGLOW etwa hebt das Logoweiß so auf bis zu 3.030 Nits, während es für Displays ohne HDR ein gewöhnliches Bild bleibt.[2] Weil Browser wie Chrome ab Version 137 und Safari 26 solche Profile lesen, greift der Effekt inzwischen breit. Wie stark die Bildformate im Web gerade in Bewegung sind, zeigt auch der Vormarsch von JPEG XL im Browser.
Was können die Tools, und was kosten sie?
Drei Werkzeuge teilen sich den Markt, mit unterschiedlichem Preismodell. So Very Bright von Chris Bennett arbeitet kostenlos und ohne Konto, die Bilder verlassen den Browser nicht.[1] superGLOW von Md Usama ist ebenfalls gratis und läuft rein lokal.[2] Superwhite aus Amsterdam verlangt dagegen ab 2,99 Euro und bietet in der Pro-Stufe für 9 Euro im Monat Stapelverarbeitung und volle Auflösung.
Alle drei arbeiten am besten mit kontrastreichen Vorlagen: Logos, Wortmarken, schlichte Illustrationen. Für ein ganzes Corporate Design taugt der Kniff nicht, dafür ist er zu sehr auf einzelne, helle Flächen zugeschnitten. Wie ein tragfähiger Auftritt im Web dagegen aussieht, zeigt der Blick auf eine erfolgreiche Unternehmenswebsite.
Ein Logo, das heller strahlt als der Bildschirm, kauft sich Aufmerksamkeit auf Kosten aller anderen. Was heute aus der Masse sticht, ist morgen der neue Normalzustand, den die Plattformen wieder einfangen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Wann geht der Glow-Trick nach hinten los?
Der Effekt hat drei Schwächen. Auf LinkedIn überlebt nur das eingebettete Farbprofil die Kompression, weil die Plattform ICC-Profile durchreicht, die Gain-Map-Variante fällt weg. Ein Screenshot, ein erneutes Speichern oder ein Wechsel des Formats löscht das Leuchten ebenfalls. Das Logo lässt sich also nicht zuverlässig weiterreichen.[2]
Hinzu kommt die Wirkung auf die Betrachter. Ein Symbol, das greller strahlt als alles daneben, ermüdet die Augen und wirkt aufdringlich, sobald mehrere Firmen mitziehen. Fachleute rechnen zudem damit, dass die Plattformen das Verhalten bald unterbinden oder es kostenpflichtig machen.
Für den DACH-Raum lohnt der Griff zum Tool daher nur als kurzes Experiment im Marketing, nicht als Fundament der Marke. Was heute auffällt, steht morgen neben zehn ebenso grellen Logos. Ein Rat zum Schluss: den Effekt sparsam auf Logo oder Wortmarke begrenzen, ihn nie auf Fließtext legen und stets eine saubere Standard-Version des Logos bereithalten.
Quellen
[1] So Very Bright: „Make your logo brighter than white“ (soverybright.com)
[2] superGLOW: „Make a logo glow brighter than white on LinkedIn“
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