Für die drei deutschen BioNTech-Werke in Marburg, Tübingen und Idar-Oberstein endet am 30. September die Suche nach Käufern. Laut Allgemeiner Zeitung hat sich die Hoffnung auf einen Verkauf zerschlagen.[1] Ohne neuen Eigentümer will der Mainzer Impfstoffhersteller die Standorte mit zusammen rund 1.760 Stellen bis Ende 2027 schließen.

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BioNTech hatte das Aus für die Werke am 5. Mai zusammen mit den Zahlen zum ersten Quartal angekündigt. Insgesamt streicht der Konzern bis zu rund 1.860 Stellen, dazu zählen auch Stellen in einem Werk in Singapur, das schon im ersten Quartal 2027 schließen soll. Für jeden Standort prüfe BioNTech einen teilweisen oder vollständigen Verkauf, hieß es damals.[2] Ein Ergebnis hat BioNTech bislang nicht mitgeteilt, das Scheitern der Käufersuche beruht also auf dem Zeitungsbericht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Frist für Käufer der BioNTech-Werke in Marburg, Tübingen und Idar-Oberstein läuft Ende September aus.
  • Laut Allgemeiner Zeitung sind die Verkaufspläne gescheitert, BioNTech selbst hat sich dazu noch nicht geäußert.
  • Von den weltweit bis zu 1.860 Stellen entfallen laut WirtschaftsWoche rund 1.760 auf die drei deutschen Werke.
  • Ohne Käufer schließen die Werke bis Ende 2027, BioNTech will ab 2029 jährlich rund 500 Millionen Euro sparen.

Warum will niemand die mRNA-Werke kaufen?

Modell einer Pharmafabrik mit einem orangefarbenen Schild „Zu Verkaufen“
BioNTech schließt mRNA-Produktionsanlagen wegen Überkapazitäten. Ab Ende 2026 übernimmt Pfizer die Covid-Impfstoffherstellung

Überangebot an mRNA. BioNTech begründet die Schließungen damit, dass die eigenen Produktionskapazitäten für mRNA die Nachfrage übersteigen. Die Herstellung des Covid-Impfstoffs übernimmt ab Ende 2026 der Partner Pfizer in eigenen Werken. Für 2026 erwartet BioNTech nur noch 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro Umsatz,[2] im ersten Halbjahr stand ein Nettoverlust von 1,35 Milliarden Euro in den Büchern.[3]

Spezialanlagen ohne Aufträge. Ein Käufer müsste Anlagen übernehmen, die auf mRNA-Wirkstoffe in Lipid-Nanopartikeln zugeschnitten sind. Genau für diese Anlagen hat BioNTech selbst keine Verwendung mehr. Im zweiten Quartal schrieb der Konzern bereits 68,9 Millionen Euro auf Anlagen in Marburg und Idar-Oberstein ab und buchte 97,6 Millionen Euro Kosten für den Stellenabbau.[3] Moderna hatte zeitweise Interesse am Marburger Werk gezeigt, zuletzt war davon laut WirtschaftsWoche nichts mehr zu hören. Roland Strasser, Bezirksleiter der IG BCE in Rheinland-Pfalz, bezweifelt im selben Bericht, dass das Management einen Verkauf ernsthaft betreibt, und spricht von einer „Beruhigungspille“.

Was verlieren Marburg, Tübingen und Idar-Oberstein?

Drei Standortprofile. In Marburg arbeiten laut WirtschaftsWoche rund 540 Menschen im früheren Novartis-Werk auf dem Gelände der Behringwerke, das BioNTech 2020 übernahm. Tübingen verliert mit rund 820 Stellen am meisten, dort sitzt die 2025 von BioNTech übernommene CureVac. In Idar-Oberstein fallen gut 400 Stellen weg, das Werk fertigt kleinere Chargen von mRNA-Impfstoffen sowie Zell- und Gentherapeutika.

Steuergeld im Spiel. Der Bund stieg 2020 mit 300 Millionen Euro bei CureVac ein und hält seit der Übernahme BioNTech-Aktien, die er laut Allgemeiner Zeitung vollständig verkaufen will. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer nannte das Vorgehen „Erst kaufen, dann killen“. Zudem bezahlt der Bund mehrere Hersteller über Pandemiebereitschaftsverträge dafür, im Ernstfall Impfstoff liefern zu können. Im Haushalt 2026 stehen dafür 336 Millionen Euro. Das Bundesgesundheitsministerium will laut Apotheke Adhoc Konsequenzen prüfen, falls BioNTech diese Bereitschaftsverträge ohne die deutschen Werke nicht mehr erfüllt.

Drei BioNTech-Werke ohne Käufer
Betroffene Stellen je Standort und der Zeitplan bis zur Schließung
820
Stellen in Tübingen, dem früheren Sitz von CureVac
540
Stellen im Impfstoffwerk Marburg auf dem Gelände der Behringwerke
über 400
Stellen in Idar-Oberstein, Fertigung von mRNA sowie Zell- und Gentherapeutika
500 Mio. €
jährliche Einsparung, die BioNTech ab 2029 erwartet
05.05.2026
Ankündigung: bis zu 1.860 Stellen weltweit fallen weg
04.08.2026
68,9 Mio. € Abschreibung auf Anlagen in Marburg und Idar-Oberstein
30.09.2026
Ende der Käufersuche, laut Allgemeiner Zeitung ohne Erfolg
Ende 2027
geplante Schließung der drei deutschen Werke

Eine mRNA-Fabrik findet kaum einen Käufer, solange ihr eigener Besitzer keine Aufträge mehr für sie hat. Der Bund sollte jetzt klären, welche Impfstoffkapazität er im Ernstfall in Deutschland braucht, bevor die Anlagen in Marburg abgebaut sind.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was folgt für Dienstleister und Arbeitgeber in den Regionen?

Bekanntes Muster. Auch Ford fand für sieben Bereiche seines Kölner Werks keinen Investor, die Beschäftigten gehen dort mit Abfindung. Nach einer gescheiterten Käufersuche verhandeln Betriebsrat und Unternehmen über Sozialplan und Abfindungen statt über einen neuen Eigentümer. Mit einem Werk verschwinden zudem Aufträge für Handwerker, Labordienstleister und Kantinenbetreiber in der Region.

Konkrete Schritte. Dienstleister der drei Werke sollten Laufzeiten und Kündigungsfristen ihrer Verträge jetzt mit dem Schließungsdatum abgleichen. Pharma- und Biotechfirmen in Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg können dagegen gezielt Fachkräfte ansprechen, die Arzneimittel nach GMP-Standard herstellen. Bis zur Schließung Ende 2027 bleiben gut 15 Monate für geordnete Wechsel.

Quellen

[1] Allgemeine Zeitung: Biontech exklusiv: Hoffnung auf Standort-Verkäufe hat sich zerschlagen (25.09.2026)

[2] BioNTech: Mitteilung zum ersten Quartal 2026 (05.05.2026)

[3] BioNTech: Quartalsbericht zum zweiten Quartal und ersten Halbjahr 2026 (04.08.2026)

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