GSK will sein Impfstoffwerk in Dresden bis 2028 schließen und die Grippeimpfstoffe künftig in Kanada herstellen. Betroffen sind laut IG BCE alle 641 Arbeitsplätze. Am Donnerstag stellte sich Ministerpräsident Michael Kretschmer auf einer Kundgebung hinter die Belegschaft, nun sucht Sachsen einen Investor für den Standort.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenVom GSK-Werk an der Zirkusstraße zogen am Donnerstagnachmittag Hunderte Menschen zum Dresdner Neumarkt, aufgerufen hatten Betriebsrat und IG BCE. „Das Serumwerk Dresden wird gebraucht. Auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten“, sagte Kretschmer dort.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- GSK will das Dresdner Werk bis Sommer 2028 schließen, laut IG BCE fallen alle 641 Arbeitsplätze weg.
- Die Produktion der Grippeimpfstoffe soll 2027 enden und im kanadischen Ste-Foy gebündelt werden.
- Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter verhandelt in London mit dem Konzern, das Land sucht einen Investor.
- Mit dem Betriebsrat hat sich GSK noch nicht geeinigt.
Was plant GSK in Dresden?

Am 10. September erfuhr die Belegschaft auf einer Betriebsversammlung vom Aus. Ein Unternehmenssprecher begründete den Schritt mit weltweit sinkender Nachfrage und Überkapazitäten, die Grippeimpfstoffe sollen künftig in Ste-Foy entstehen.[2] Die Produktion soll 2027 enden, bis Sommer 2028 will GSK die Anlagen zurückbauen.
Das Werk stellt saisonale und pandemische Grippeimpfstoffe vom Antigen bis zur Fertigspritze her, Hepatitis-Impfstoffe werden dort formuliert und abgefüllt. Unter den Betroffenen sind 16 Auszubildende, von denen einige ihre Ausbildung nicht mehr bei GSK beenden können.[3] GSK hat die Schließung angekündigt, mit dem Betriebsrat hat sich der Konzern nicht geeinigt. Die Belegschaft verlangt Zeit für eine Investorensuche und bis dahin keinen Ausverkauf von Anlagen.
Warum rechnet sich das Werk für GSK nicht mehr?
Das Dresdner Werk produziert klassische Grippeimpfstoffe, deren Impfviren in Hühnereiern vermehrt werden. Parallel schickt GSK laut Reuters einen mRNA-Impfstoff gegen Grippe in die letzte Phase der klinischen Prüfung. Der britische Pharmakonzern bündelt also das alte Verfahren an einem Standort, während er das neue entwickelt.
Hinzu kommt der Energiebedarf: Nach früheren GSK-Angaben verbrauchte die Grippeimpfstoff-Produktion in Dresden mehr als 45.000 Megawattstunden im Jahr, das entsprach Energiekosten von 5,4 Millionen Euro.[4]
Auch andere Pharmakonzerne ziehen Kapazität aus Deutschland ab. BioNTech schließt Werke in Tübingen, Marburg und Idar-Oberstein mit rund 1.800 Stellen. Boehringer Ingelheim legte 900 Millionen Euro an Investitionen auf Eis, weil der Zwangsrabatt auf patentgeschützte Arzneimittel steigt.
Was bedeutet das Aus für Dresden?
Das Werk zählt zu den großen Industriearbeitgebern im Raum Dresden und zahlt Tariflöhne. Kretschmer verwies auf 15.000 Industriearbeitsplätze, die Deutschland nach seinen Worten jeden Monat verliert. Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) verhandelt in London mit der Konzernspitze, die Staatsregierung will einen Investor finden.[3]
Wie schwer ein Verkauf wird, zeigt BioNTech: Für seine drei Werke fand das Mainzer Unternehmen bis zur Frist Ende September keinen Käufer. Ein Investor müsste in Dresden eine Anlage für ein schrumpfendes Produkt übernehmen oder teuer umrüsten.
Zulieferer, Logistiker und Dienstleister des Werks planen am besten schon jetzt mit dem Produktionsende 2027. Personalverantwortliche in Sachsen finden ab dann Fachkräfte mit Reinraum- und GMP-Erfahrung, die auch in der wachsenden Dresdner Chipindustrie gefragt sind. Am 17. Oktober wird das Werk 115 Jahre alt: 1911 gründete der Odol-Fabrikant Karl August Lingner das Sächsische Serumwerk.
Quellen
[1] Freie Presse: „Kretschmer sichert GSK-Beschäftigten Unterstützung zu“ (8. Oktober 2026)
[2] Deutsches Ärzteblatt: „GSK will Impfstoffwerk Dresden schließen“ (10. September 2026)
[3] Berliner Zeitung: „GSK-Schließung in Dresden: Landesregierung und Gewerkschaften kämpfen um Werk“ (8. Oktober 2026)
[4] Oiger: „GlaxoSmithKline schließt Impfstoffwerk in Dresden“ (10. September 2026)
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