Carl Zeiss Meditec nannte für den Standort Jena erstmals eine Größenordnung des Stellenabbaus: eine Zahl im mittleren zweistelligen Bereich bei rund 640 Beschäftigten. Weltweit rechnet Finanzvorstand Justus Felix Wehmer mit 600 bis 700 wegfallenden Stellen. Wie viele davon in Deutschland liegen, lässt der Medizintechnik-Konzern offen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAuf einer Betriebsversammlung in Jena erfuhren die Beschäftigten von Carl Zeiss Meditec am Donnerstag, welche Bereiche der Abbau trifft. Der Hersteller von Augenlasern, Intraokularlinsen und OP-Mikroskopen hatte das Sparprogramm ProfitUp im Mai angekündigt. Die Zahlen veröffentlichte zuerst die Schwäbische Post.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- In Jena fällt eine Zahl von Stellen im mittleren zweistelligen Bereich weg, am Standort arbeiten rund 640 Menschen für Meditec.
- Weltweit rechnet Carl Zeiss Meditec mit 600 bis 700 Stellen weniger, nach Abzug geplanter Neueinstellungen in China und Indien.
- Für Oberkochen und die übrigen deutschen Standorte nennt das Unternehmen noch keine Zahl.
- Mit dem Gesamtbetriebsrat laufen Verhandlungen, ein Beschluss steht aus.
Was hat Carl Zeiss Meditec in Jena angekündigt?

Im Mai hatte Carl Zeiss Meditec noch von bis zu 1.000 Stellen gesprochen. Jetzt nennt Wehmer gegenüber der Schwäbischen Post 600 bis 700 Stellen weltweit.[1] Diese Zahl ist eine Nettogröße. Brutto fallen mehr Arbeitsplätze weg, weil der Konzern in China eine eigene Produktion aufbaut und in Indien einen Standort vorbereitet.
In Jena betrifft der Abbau einen einstelligen Prozentanteil der Meditec-Belegschaft. Für Oberkochen, wo die Sparte Entwicklung, Fertigung und Vertrieb bündelt, liegt laut Unternehmen noch kein neuer Stand vor. Wehmer spricht „lieber von einem Transformations- als von einem reinen Sparprogramm“. Ob die Betroffenen eine andere Stelle im Konzern bekommen oder mit einer Abfindung gehen, ist noch offen.
Beschlossen ist der Abbau noch nicht: „Entscheidungen zu konkreten Maßnahmen sind erst final, wenn diese Verhandlungen abgeschlossen sind“, erklärte Carl Zeiss Meditec mit Blick auf die Gespräche mit dem Gesamtbetriebsrat. Betroffene will der Konzern vorrangig innerhalb von Zeiss vermitteln, etwa in die wachsende Halbleitersparte. Abfindungen hält Wehmer für möglich.
Warum spart der Konzern, während Zeiss in Jena baut?
In China verlor Zeiss eine staatliche Ausschreibung für bifokale Linsen, zugleich lassen weniger Patienten ihre Fehlsichtigkeit per SMILE-Laser korrigieren. In Asien und dem Pazifikraum gingen die Erlöse um 8,7 Prozent zurück, auch in den USA schwächelt die Nachfrage.[1]
Nach neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 sank der Umsatz um 2,9 Prozent auf 1.553,7 Millionen Euro, das bereinigte EBITA fiel von 177,0 auf 124,5 Millionen Euro.[2] Für die Augenheilkunde erwartet der Vorstand im vierten Quartal eine Abschreibung auf den Firmenwert von rund 150 Millionen Euro.
Der Mutterkonzern investiert parallel rund eine halbe Milliarde Euro in einen Hightech-Campus in der Jenaer Innenstadt, der Ende 2026 fertig werden soll. Etwa 2.000 der rund 3.500 Zeiss-Beschäftigten in Jena sollen dorthin wechseln.[3] Zeiss setzt dabei auf die Chipoptik, die die EU in Oberkochen mit 222 Millionen Euro fördert. Auch der Jenaer Nachbar Jenoptik hob im August die Prognose an, getragen von Halbleiteraufträgen.
Was bedeutet der Umbau für Jena und die Medizintechnik?
Fresenius Medical Care verkleinert sein China-Sortiment, Siemens Healthineers verkauft das indische Klinikgeschäft: In der Medizintechnik steht Carl Zeiss Meditec mit dem Umbau nicht allein. Wertschöpfung wandert dorthin, wo Kunden sitzen und Kosten niedriger liegen.
Zulieferer der Augenheilkunde-Sparte sollten jetzt klären, welche Teile künftig aus China oder Indien kommen. Personalverantwortliche in Thüringen behalten den Abbau am besten im Blick, denn in Jena werden erfahrene Fachkräfte aus Medizintechnik und Optik frei, sofern Zeiss sie nicht intern vermittelt. Die Jahresbilanz legt Carl Zeiss Meditec am 10. Dezember 2026 vor. Bis dahin bleibt offen, wie viele der 600 bis 700 Stellen auf Deutschland entfallen.
Quellen
[1] Schwäbische Post: „Zeiss Meditec gibt erste Details zum Stellenabbau bekannt“ (8. Oktober 2026)
[2] Carl Zeiss Meditec: „Carl Zeiss Meditec mit währungsbereinigt stabiler Umsatzentwicklung nach neun Monaten 2025/26“ (6. August 2026)
[3] LEG Thüringen: „ZEISS: Großinvestition in Jena erreicht Meilenstein“ (4. Juni 2025)
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