Meta nimmt seit Donnerstag auf Facebook, Instagram und seinen übrigen Plattformen keine Anzeigen von ByteDance mehr an und sperrt auch Kampagnen Dritter, die Nutzer zu TikTok leiten. Betroffen sind die USA, Kanada, Japan, Ägypten, Indonesien, Thailand und Vietnam. Die Lücke in Europa erklärt vermutlich der Digital Markets Act.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFür einen Konkurrenten, der Nutzer von den eigenen Apps weglocken will, müsse Meta keine Werbung schalten, schrieb Konzernsprecher Chris Sgro zur neuen Sperre für ByteDance-Werbung. Über das Verbot berichtet die Singapurer Zeitung Lianhe Zaobao unter Berufung auf Bloomberg.[1] Seit dem 8. Oktober darf der TikTok-Mutterkonzern auf Metas Plattformen weder Anzeigen noch bezahlte Marketingbotschaften ausspielen. Eine Absage an Mitbewerber sei in jeder Branche übliche Geschäftspraxis, erklärte Sgro.
Das Wichtigste in Kürze
- Meta sperrt ByteDance seit dem 8. Oktober in sieben Ländern für Anzeigen, darunter die USA und Japan.
- Die Sperre gilt auch für Werbetreibende, deren Kampagnen in diesen Ländern Nutzer zu TikTok oder anderen ByteDance-Diensten leiten.
- In Deutschland und den übrigen EU-Staaten darf ByteDance auf Facebook und Instagram weiter werben.
Warum sperrt Meta ausgerechnet ByteDance aus?

Meta verkauft Werbeplätze an Firmen, die Kunden gewinnen wollen. ByteDance sucht dort allerdings Metas eigene Nutzer: Jede Anzeige für TikTok oder die Schnitt-App CapCut wirbt um Menschen, die dafür seltener Instagram öffnen. Inzwischen setzt der Rivale mehr um als Meta selbst: Im ersten Halbjahr 2026 kam ByteDance auf rund 104 Milliarden Euro Umsatz, vor allem dank Auslandswerbung und dem Handel über TikTok Shop.
Lianhe Zaobao verweist zudem auf eine Asymmetrie: TikTok darf seine App in Metas wichtigstem Markt USA anbieten, während Facebook und Instagram in China gesperrt bleiben. ByteDance kontrolliert das US-Geschäft von TikTok zwar nicht mehr, ist an wichtigen Teilen aber weiterhin beteiligt.[1]
Mit der Sperre geht ein Schlagabtausch weiter, der im August begann. Damals schloss Meta mit US-Bundesstaaten einen Vergleich im Kinderschutz-Streit über bis zu 16,1 Milliarden Euro und drängt seitdem TikTok und YouTube, ähnliche Schutzfunktionen einzuführen. Anzeigen, mit denen Meta auf TikTok für diese Forderung werben wollte, lehnte TikTok laut US-Medienberichten im September ab. Ebenfalls im September entfernte TikTok die direkten Instagram-Links aus den Nutzerprofilen.[1]
Warum fehlt Europa auf der Liste?
In der EU unterliegt Meta seit 2023 dem Digital Markets Act. Die EU-Kommission stufte den Konzern damals als Gatekeeper ein, mit Facebook, Instagram und dem Werbedienst Meta Ads. Artikel 6 Absatz 12 verpflichtet Gatekeeper, gewerblichen Nutzern ihrer sozialen Netzwerke faire, angemessene und diskriminierungsfreie Zugangsbedingungen zu gewähren.[2] Einen Werbekunden allein deshalb auszusperren, weil er konkurriert, passt schlecht zu dieser Pflicht. Verstöße kosten bis zu 10 % des weltweiten Jahresumsatzes.
Ob die EU-Regeln den Ausschlag für die Länderauswahl gaben, sagt Meta nicht. In Deutschland käme das Kartellrecht hinzu: Das Bundeskartellamt hat Meta 2022 nach § 19a GWB als Unternehmen mit überragender marktübergreifender Bedeutung eingestuft und kann dem Konzern die Behinderung von Wettbewerbern untersagen.
Meta sperrt den Rivalen in sieben Ländern aus, nur nicht in der EU, wo der Digital Markets Act Gleichbehandlung verlangt. Ausgerechnet Brüssel schützt hier ByteDance.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Wie sich Meta und TikTok gegenseitig ausbremsen
Was bedeutet die Sperre für Werbetreibende?
Meta blockiert in den sieben Ländern auch Kampagnen Dritter, die Nutzer zu TikTok oder anderen ByteDance-Diensten leiten.[1] Wie eng der Konzern diese Regel auslegt, ist offen. Unternehmen aus dem DACH-Raum mit Meta-Kampagnen in diesen Märkten sollten ihre Anzeigen prüfen. Führt eine Anzeige direkt auf ein TikTok-Profil oder in den TikTok Shop, gehört die eigene Website als Zielseite davor.
Für Video-Anzeigen auf Facebook und Instagram ändert sich in Deutschland vorerst nichts. Marken, die beide Plattformen bespielen, verknüpfen ihre Kanäle trotzdem besser über die eigene Website und den Newsletter als über Anzeigen, die von einer Plattform zur anderen führen. Ob sich TikTok-Anzeigen für Ihr Unternehmen lohnen, hängt von der Zielgruppe ab. Spezialisierte Dienstleister finden Sie in unserem TikTok-Agentur-Vergleich.
Quellen
[1] Lianhe Zaobao: „Meta untersagt ByteDance Werbung auf seinen Plattformen, der Wettbewerb mit TikTok verschärft sich“, 9. Oktober 2026 (chinesisch)
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