Das Münchner Start-up DeepDrive liefert ab 2028 Elektroantriebe in Großserie an einen weltweit tätigen Autohersteller. Den Namen des Kunden und das Modell nennt DeepDrive nicht. Das Start-up verspricht Motoren mit weniger Seltenen Erden, für die europäische Käufer zuletzt ein Vielfaches des chinesischen Preises zahlten.

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Fünf Jahre nach der Gründung durch Formula-Student-Ingenieure der TU München hat DeepDrive den ersten Großserienauftrag für seinen Elektromotor. Die Nominierung meldete das Unternehmen am 8. Oktober,[1] Stückzahlen blieben offen. Mitgründer und Chef Felix Poernbacher will nach eigenen Worten „den weltweiten Standard-Elektroantrieb für das Auto und darüber hinaus schaffen“ und nennt den Auftrag „einen ersten Schritt in diese Richtung“.

Das Wichtigste in Kürze

  • DeepDrive wird Serienlieferant eines nicht genannten Autoherstellers, die Produktion beginnt 2028.
  • Im Motor drehen sich zwei Rotoren um einen gemeinsamen Stator, DeepDrive verspricht weniger Magnetmaterial.
  • Ein neues Team in Shanghai soll Kunden in China betreuen, gefertigt werden soll jeweils im Markt des Kunden.

Wie funktioniert der Doppelrotor-Motor?

Zwei metallische Ringe mit eingelegter Federdichtung und Etikett auf hellem Grund
DeepDrive-Motor mit Innen- und Außenrotor nutzt zwei Luftspalte statt einem, wodurch die Drehmomentfläche vergrößert wird ohne Motorwachstum

Im klassischen Radialflussmotor dreht sich ein Rotor im Inneren eines feststehenden Stators. DeepDrive setzt den Stator zwischen einen Innen- und einen Außenrotor, das Magnetfeld wirkt dadurch über zwei Luftspalte statt über einen.[1] Zwei Luftspalte vergrößern die Fläche, an der Drehmoment entsteht, ohne dass der Motor wächst.

Entwickelt hat das Start-up die Architektur für drei Bauformen: als Generator, als Radnabenmotor und als Zentralantrieb. Welche Variante 2028 in Serie geht, ließ DeepDrive offen. Für seine Prototypen nannte das Unternehmen bis zu 20 Prozent mehr Reichweite und einen geringeren Bedarf an Seltenen Erden, beides sind Herstellerangaben.

Warum bekommt ein Start-up den Auftrag?

Laut Industriemagazin schreibt beim Zulieferer ZF das Geschäft mit E-Antrieben Verluste, der Konzern sucht einen Partner und will die Sparte teilweise abgeben. Mercedes-Benz kaufte 2021 den Axialflussmotor-Spezialisten YASA und fertigt dessen Motor seit Juni in Berlin-Marienfelde. Wie YASA bringt nun auch DeepDrive als Spezialist eine neue Motorbauart in die Großserie.

Rund 50 Millionen Euro Wagniskapital sammelte DeepDrive bis Herbst 2024 ein, unter anderem bei BMW i Ventures, beim Continental-Ableger Aumovio und beim Fonds Leitmotif mit Volkswagen als Ankerinvestor.[1] Damals kündigte das Start-up große Aufträge binnen ein bis zwei Jahren an,[2] gut zwei Jahre später liegt der erste vor. Seit Februar berät Peter Hochholdinger das Unternehmen, der zuvor die Produktion bei Tesla und Lucid geleitet hat.

Vom Prüfstand in die Großserie
DeepDrive und die Rohstoffrechnung für E-Motoren, Stand Oktober 2026
2028
beginnt die Großserie des Doppelrotor-Antriebs für einen nicht genannten Autohersteller
50 Mio. €
Wagniskapital sammelte DeepDrive bis Herbst 2024 ein, unter anderem von BMW i Ventures
8 von 10
der größten Autohersteller arbeiteten 2024 in Entwicklungsprojekten mit DeepDrive
16-fach
so teuer war Dysprosiumoxid im September in Europa wie in China: 3.120 € gegenüber 190 € je Kilogramm

Was bedeutet weniger Magnetmaterial für Europa?

Die Permanentmagnete in E-Motoren enthalten Neodym und für die Hitzebeständigkeit oft Dysprosium oder Terbium. Bei den schweren Seltenen Erden klafft eine Preislücke: Ein Kilogramm Dysprosiumoxid kostete im September in Europa rund 3.120 Euro, in China rund 190 Euro. Am 10. November läuft außerdem Pekings Aussetzung weiterer Exportkontrollen aus.

Jedes Gramm Magnet, das ein Motor weniger braucht, verkleinert die Rechnung aus China.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Ein Antrieb mit weniger Magnetmaterial verringert die Abhängigkeit, braucht aber weiterhin Seltene Erden. Über 90 Prozent des europäischen Bedarfs an Seltenerdmagneten deckt China, die EU-Kommission plant deshalb eine Pflicht zu mindestens drei Lieferanten. Einkäufer bei Autoherstellern und Zulieferern sollten Angebote für E-Antriebe auch nach dem Magnetgewicht je Newtonmeter vergleichen und die Herkunft von Dysprosium und Terbium abfragen.

Quellen

[1] electrive.net: „DeepDrive erhält Großserienauftrag für E-Antrieb ab 2028“ (8. Oktober 2026, auf Basis der DeepDrive-Mitteilung)

[2] DeepDrive: „DeepDrive raises $33.5 mln to scale up cheaper, efficient EV motors“ (19. September 2024)

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