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Margaret Hamilton, die am MIT die Bordsoftware der Apollo-Missionen verantwortete, ist am 30. September mit 90 Jahren gestorben. Hamiltons Programmcode hielt 1969 die erste Mondlandung auf Kurs, als der Rechner der Mondfähre mit Alarm 1202 an seine Grenze kam. Den Grundsatz dahinter schreibt der Cyber Resilience Act der EU ab Dezember 2027 für Software und vernetzte Geräte vor.

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Margaret Hamilton wählte für ihre Arbeit am MIT einen Begriff, den Kollegen anfangs „ziemlich amüsant“ fanden: Software-Engineering.[1] Das MIT hat den Tod der Informatikerin am 7. Oktober bekanntgegeben. Bekannt wurde Hamilton durch ein Programm, das bei Überlast Nebenaufgaben fallen ließ.

Das Wichtigste in Kürze

  • Margaret Hamilton starb am 30. September im Alter von 90 Jahren.
  • Hamiltons Team schrieb am MIT die Bordsoftware für die bemannten Apollo-Flüge.
  • Beim Alarm 1202 verwarf die Software Nebenaufgaben und hielt Navigation und Lenkung der Mondfähre am Laufen.
  • Der Cyber Resilience Act verlangt ab Dezember 2027, dass wesentliche Funktionen auch nach einem Sicherheitsvorfall verfügbar bleiben.

Wer war Margaret Hamilton?

Ein Stapel Karteikarten oder Hefte, zusammengebunden mit Schnüren, mit der Nummer „1202“ oben
Margaret Hamilton leitete die Softwareentwicklung für die Apollo-Mondmissionen im MIT Instrumentation Laboratory

Geboren 1936 in Paoli im US-Bundesstaat Indiana, studierte Hamilton Mathematik und schrieb ab 1961 am MIT Lincoln Laboratory Software für das Luftverteidigungssystem SAGE.[1] 1965 folgte der Wechsel ins Instrumentation Laboratory, das heutige Draper Laboratory. Dort leitete die Mathematikerin die Entwicklung der Bordsoftware für die bemannten Mondflüge. 1968 arbeiteten mehr als 400 Menschen an diesem Code. Barack Obama verlieh Hamilton 2016 die Presidential Medal of Freedom.

Was passierte beim Alarm 1202?

Im Landeanflug am 20. Juli 1969 meldete der Bordrechner der Mondfähre Eagle den Programmalarm 1202, ein Zeichen für Überlast.[1] Ein Hardwarefehler am Rendezvous-Radar überschwemmte den Rechner mit Zählimpulsen. Nach der Analyse des MIT-Programmierers Don Eyles kostete der Fehler bis zu 13,36 Prozent der Rechenzeit.[2]

Für laufende Aufgaben hielt der Rechner acht Speicherblöcke bereit. Waren alle belegt, griff die Prioritätslogik von Hamiltons Team: Ein Neustart verwarf alles ohne Neustartschutz, etwa eine Datenanzeige für die Crew, und baute Navigation und Lenkung sofort wieder auf.[2] Mission Control gab trotz weiterer Alarme grünes Licht. Neil Armstrong setzte die Fähre mit Buzz Aldrin auf dem Mond auf. Die NASA treibt das Prinzip inzwischen weiter: Der Bordrechner der Orion-Kapsel verkraftet drei Totalausfälle.

Margaret Hamilton plante den Bedienfehler ein, als andere noch auf die Ausbildung der Astronauten vertrauten.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Was lernen Software-Teams heute daraus?

Hamiltons Sperre gegen den versehentlichen Start des Vorstartprogramms P01 scheiterte zunächst am Argument, gut ausgebildete Astronauten würden diesen Fehler nie machen. Bei Apollo 8 startete Jim Lovell P01 im Flug und löschte damit die Navigationsdaten an Bord.[1] Danach kam die Sperre doch in die Software. Das Argument von damals lebt in vielen Firmen fort. Michael Heap vom API-Anbieter Kong nennt den Vorsatz „Beim nächsten Mal passen wir besser auf“ sein Lieblingsbeispiel für einen wertlosen Maßnahmenpunkt im Postmortem nach einer Panne.

Die EU hat aus Hamiltons Pionierarbeit eine Pflicht gemacht: Nach Anhang I des Cyber Resilience Act müssen Produkte mit digitalen Elementen ab dem 11. Dezember 2027 ihre wesentlichen Funktionen auch nach einem Sicherheitsvorfall verfügbar halten, Abwehr gegen Überlastungsangriffe eingeschlossen.[3] Die Meldepflichten für aktiv ausgenutzte Schwachstellen gelten schon seit dem 11. September 2026.

Legen Sie deshalb am besten fest, welche Funktionen Ihres Shops oder Ihrer App unter Last zuerst wegfallen dürfen, etwa Empfehlungen, und welche stehen bleiben müssen, etwa Login und Bezahlung. Prüfen Sie diese Rangfolge im Lasttest und planen Sie Bedienfehler ebenso ein wie Angriffe. Bei Samsung-Kühlschränken in Südkorea legte im September ein fehlerhaftes Firmware-Update ausgerechnet die Kühlung lahm.

Quellen

[1] MIT News: „Margaret Hamilton, computing pioneer who led software development for the Apollo program, dies at 90“ (7. Oktober 2026)

[2] Don Eyles: „Tales from the Lunar Module Guidance Computer“ (AAS 04-064, Februar 2004)

[3] EUR-Lex: Verordnung (EU) 2024/2847 (Cyber Resilience Act), Anhang I Teil I Nr. 2 Buchstabe h und Artikel 71

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