In Oberkochen entsteht gerade die vielleicht wichtigste Fabrik der europäischen Chipindustrie. Zeiss erweitert seine Produktion für High-NA-EUV-Optik um mehr als 25.000 Quadratmeter, abgesichert durch 222 Millionen Euro Förderung, die Brüssel jetzt endgültig freigegeben hat.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenZeiss baut in Oberkochen die High-NA-EUV-Optik, ohne die weltweit kein Spitzenchip entsteht, und treibt dort gerade den größten Kapazitätsaufbau der Firmengeschichte voran. Abgesichert wird der Ausbau durch eine Förderung von 222 Millionen Euro, die die EU-Kommission im Mai 2026 nach dem European Chips Act genehmigt hat. Damit stützt der Bund ausgerechnet das Glied der Lieferkette, in dem Europa konkurrenzlos dasteht.
Das Wichtigste in Kürze
- 222 Millionen Euro Bundesförderung für Zeiss in Oberkochen, im Mai 2026 von der EU-Kommission nach dem Chips Act genehmigt (Beihilfefall SA.119615).
- Das Geld fließt in das Projekt HNA@SCALE: die Serienfertigung der Optik für ASMLs High-NA-EUV-Belichter.
- Zeiss erweitert die Südfabrik Oberkochen um über 25.000 Quadratmeter, den größten Kapazitätsaufbau der Firmengeschichte.
- Ohne diese Optik aus Baden-Württemberg entsteht kein Chip der jüngsten Generation, egal ob bei TSMC, Intel oder Samsung.
Was fördert der Bund mit 222 Millionen Euro?

Gefördert wird kein Chipwerk, sondern die Maschine dahinter. Die 222 Millionen Euro fließen in das Zeiss-Projekt HNA@SCALE, das die Serienfertigung der optischen Systeme für die High-NA-EUV-Lithografie aufbauen soll. Die EU-Kommission gab die Beihilfe am 20. Mai 2026 nach dem European Chips Act frei.[1]
Die Freigabe deckt zwei Standorte ab: 222 Millionen Euro für Zeiss in Oberkochen und 66 Millionen Euro für Zadient in Bitterfeld, das ultrareines Siliziumkarbid für Chips herstellt. An das Geld knüpft Brüssel klare Bedingungen. Übertrifft der Gewinn die Erwartungen deutlich, fließt ein Teil an den Staat zurück, und bei Lieferengpässen genießen europäische Abnehmer Vorrang.[1]
Warum hängt die Chipwelt an einem schwäbischen Werk?
Zeiss ist der einzige Zulieferer, der die Optik für ASMLs EUV-Belichter baut. ASML wiederum ist der einzige Hersteller von EUV-Maschinen überhaupt. Über diese Kette läuft jeder Prozessor unterhalb weniger Nanometer, ob bei TSMC, Intel oder Samsung.
High-NA hebt die numerische Apertur von 0,33 auf 0,55 und packt so mehr Transistoren auf denselben Chip.[2] Der Preis dafür ist Präzision im Extrembereich: Das Projektionsobjektiv besteht aus über 40.000 Teilen, wiegt rund zwölf Tonnen, und seine Spiegel gelten als die exaktesten der Welt.
Genau diese Fertigung skaliert Zeiss jetzt hoch. „Wir stecken derzeit im größten Kapazitätsaufbau der Geschichte von ZEISS SMT und erweitern die Südfabrik in Oberkochen um mehr als 25.000 Quadratmeter Produktionsfläche“, sagt Stefan-Albrecht Müller, Leiter der zentralen Infrastruktur bei ZEISS SMT.[2]
Europas Halbleiterstrategie jagt seit Jahren neuen Fabriken hinterher und übersieht dabei, dass der eigentliche Trumpf längst in Oberkochen steht. Diese 222 Millionen sichern keine Aufholjagd, sondern einen bestehenden Vorsprung.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Europas Chip-Souveränität?
Anders als bei den großen Fabrik-Subventionen setzt Europa hier auf eine vorhandene Stärke. Milliardenhilfen für neue Werke von Intel oder TSMC sollen eine Lücke schließen; die Zeiss-Förderung stützt eine Position, die der Kontinent bereits konkurrenzlos besetzt.
Dieselbe Logik zeigt sich anderswo in der Lieferkette. Der Anlagenbauer Aixtron liefert das Werkzeug hinter den KI-Rechenzentren, und Intel fertigt bereits erste Serienchips aus der High-NA-EUV-Produktion, für die Zeiss die Optik stellt. Auch der GaN-Patentstreit von Infineon zeigt, wie hart um jede europäische Halbleiter-Nische gekämpft wird.
Für deutsche Entscheider steckt darin mehr als Standortstolz. Die Kontrolle über die High-NA-Optik ist zugleich ein Hebel in den Handelskonflikten um Chips, wie zuletzt Chinas Exportsperren gegen deutsche Firmen gezeigt haben.
Beobachten sollten Sie, wie schnell die Kapazität in Oberkochen tatsächlich hochläuft, denn davon hängt der Zeitplan für die nächste Chipgeneration in Europa ab. Investitionen in KI-Infrastruktur oder Elektronik planen Sie besser mit dieser einen Engstelle als Fixpunkt.
Quellen
[1] Europäische Kommission: „Halbleiter-Produktion: EU-Kommission genehmigt Beihilfe Deutschlands in Höhe von 288 Millionen Euro“
[2] ZEISS SMT: „ZEISS SMT expands its sites“
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