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Die Haushaltsbatterien von Varta kommen künftig aus einem eigenständigen Unternehmen, getrennt vom insolventen Varta-Konzern. Das Bundeswirtschaftsministerium hat die Abspaltung genehmigt, die Kreditgeber um die Deutsche Bank übernehmen sämtliche Anteile. Für die übrigen Varta-Gesellschaften in Ellwangen und Nördlingen sucht der Insolvenzverwalter weiter einen Käufer.

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Im Varta-Werk in Dischingen laufen die Haushaltsbatterien weiter im Dreischichtbetrieb vom Band. Seit Donnerstag ist das Geschäft auch finanziell von der früheren Varta-AG-Gruppe getrennt, wie das Unternehmen mitteilte.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Kreditgeber Deutsche Bank, RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox übernehmen alle Anteile an Varta Consumer Batteries und bringen frisches Kapital in mehrstelliger Millionenhöhe ein.
  • Etwa 820 der rund 990 Stellen liegen in Deutschland, für IT, Finanzen und Einkauf sucht das Unternehmen zusätzliches Personal.
  • Für die vier insolventen Varta-Gesellschaften läuft der Verkaufsprozess weiter, in Nördlingen endet die Produktion.

Was bleibt in Dischingen und Ellwangen?

Weiße Batterie und weiße Schachtel mit grünem Anhänger „Läuft weiter“ vor weißem Hintergrund
Varta Consumer beschäftigt 990 Mitarbeiter, davon 820 in Deutschland. Produktion läuft in Dischingen, Verwaltung und Logistik in Ellwangen-Neunheim. Personalbedarf entsteht durch Ausbau von IT, Finanzen, Controlling und Einkauf

Von den rund 990 Beschäftigten arbeiten etwa 820 in Deutschland und 170 im Ausland.[1] Produziert wird in Dischingen, einer Gemeinde mit rund 4.500 Einwohnern im Landkreis Heidenheim. Verwaltung und Logistik sitzen in Ellwangen-Neunheim. Weil IT, Finanzen, Controlling und Einkauf bisher teils bei der Varta AG lagen, will Varta Consumer dafür in den kommenden Monaten Personal einstellen.

Geschäftsführer Mark Munz nennt die Sparte „stabil und bei Kunden und Geschäftspartnern gut positioniert“. Bis Ende 2028 plant das Unternehmen in Dischingen Investitionen in stärker automatisierte Anlagen und in reine Kartonverpackungen statt Kombinationen aus Karton und Kunststoff. Eine Summe nennt Varta Consumer nicht, ein Teil der Projekte läuft bereits.[1] Bis 2029 rechnet der Batteriehersteller mit drei bis vier Prozent mehr Umsatz im Jahr, vor allem aus Europa.

Wie kommen die Kreditgeber an die Batteriesparte?

Zum Insolvenzverfahren, das am 1. Oktober über die Varta AG und drei Töchter eröffnet wurde, gehörten die Haushaltsbatterien nie.[2] Die Sparte stand aber mit Garantien und Sicherheiten für die Kredite des Gesamtkonzerns ein.

Die Kreditgeber um die Deutsche Bank nutzten ihr Pfandrecht an den Anteilen der Gesellschafterin des Consumer-Geschäfts, übernehmen sämtliche Anteile und statteten Varta Consumer mit frischem Kapital in mehrstelliger Millionenhöhe aus.[1] Zugleich fielen alle Garantien und Sicherheiten weg, die die Sparte für die Konzernfinanzierung gestellt hatte.

Ein Käufer der Varta AG bekommt die Haushaltsbatterien damit nicht mehr dazu. Insolvenzverwalter Tobias Wahl will den Verkauf der übrigen Gesellschaften in den kommenden Monaten abschließen.[2] In Nördlingen wird das im Frühjahr beschlossene Produktionsende der Knopfzellen-Fertigung von Varta Micro Production wie geplant umgesetzt, weil der bedeutendste Kunde weggefallen ist. Rund 350 Stellen hängen laut SWR daran.

Varta nach der Abspaltung: wer gerettet ist und wer wartet
Varta Consumer Batteries im Vergleich zu den insolventen Varta-Gesellschaften, Stand 8. Oktober 2026
820
der rund 990 Stellen bei Varta Consumer liegen in Deutschland, 170 im Ausland. Ein Abbau ist nicht geplant.
3 bis 4 %
Umsatzwachstum im Jahr peilt Varta Consumer bis 2029 an, vor allem in Europa
180 Mio. €
zahlte die Varta AG Anfang 2020 an Energizer, um die Sparte zurückzukaufen
rund 350
Stellen hängen laut SWR an der Knopfzellen-Fertigung in Nördlingen, die ihre Produktion einstellt
Fünf Stationen der Haushaltsbatterien von Varta
2002
Die Varta AG verkauft das Geschäft an den US-Hersteller Rayovac.
2019
Energizer übernimmt die Sparte mit dem Batteriegeschäft von Rayovac-Nachfolger Spectrum Brands.
2. Januar 2020
Die Varta AG kauft die Haushaltsbatterien für 180 Mio. € zurück.
Juli 2026
Die Varta AG und drei Töchter beantragen Insolvenz, Varta Consumer bleibt außen vor.
8. Oktober 2026
Die Kreditgeber übernehmen alle Anteile, das Ministerium genehmigt die Herauslösung.

Bei Varta sichern sich die Kreditgeber das gesunde Batteriegeschäft, den Rest des Konzerns überlassen sie dem Insolvenzverwalter.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was bedeutet die Abspaltung für Lieferanten und die Region?

Die Haushaltsbatterien wechseln damit zum vierten Mal seit 2002 den Eigentümer. Damals verkaufte die Varta AG das Geschäft an den US-Hersteller Rayovac, 2019 übernahm Energizer die Sparte und musste sie auf Auflage der EU-Kommission wieder abgeben. Zum 2. Januar 2020 kaufte die Varta AG die Haushaltsbatterien für 180 Millionen Euro zurück.[3]

Die Dischinger Betriebsratsvorsitzende Sabrina Zuther spricht von einer Rettung „in letzter Minute“. Gesamtbetriebsratschef Stefan Vetter mahnt: „Nun aber müssen die nächsten Schritte folgen.“[1] In der Region Ostwürttemberg bleibt die Lösung die Ausnahme: In Schwäbisch Gmünd läuft bei Schüle Druckguss ein Schutzschirmverfahren, in Ellwangen das Insolvenzverfahren der Varta AG.

Händler und Kunden von Varta Consumer behalten ihre Liefervereinbarungen und Garantien.[1] Lieferanten der vier insolventen Gesellschaften melden Forderungen aus der Zeit vor dem 1. Oktober dagegen beim Insolvenzverwalter an. Betriebe, die beide Seiten beliefern, trennen ihre offenen Posten am besten jetzt nach Gesellschaft.

Quellen

[1] Varta Consumer Batteries: „Zukunft des VARTA Consumer-Geschäfts als eigenständiges Unternehmen gesichert“ (8. Oktober 2026)

[2] Varta AG: „VARTA AG: Verkaufsprozess läuft planmäßig“ (1. Oktober 2026)

[3] Energizer Holdings: Ergebnisse zum zweiten Geschäftsquartal 2020, Form 8-K (2020)

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