Volkswagen ruft in den USA 22.524 Elektro-SUVs vom Typ ID.4 der Modelljahre 2023 bis 2026 zurück, weil die Hochvoltbatterie in Brand geraten kann. Bis eine Reparatur feststeht, sollen die Halter nur noch bis 80 Prozent laden. Seit Dezember 2025 meldet Volkswagen damit den vierten Batterie-Rückruf beim ID.4 an die US-Behörden.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDen ID.4-Rückruf mit der Nummer 26V630 reichte die US-Tochter von Volkswagen am 30. September bei der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA ein.[1] Eine Abhilfe ist noch in Entwicklung, eine Ursache nennt der Hersteller nicht. Briefe an die Halter folgen ab dem 27. November.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei 22.524 ID.4 aus dem US-Werk Chattanooga kann die Hochvoltbatterie in Brand geraten.
- Bis zur Reparatur sollen die Halter höchstens auf 80 Prozent laden.
- Seit Dezember 2025 betreffen vier Batterie-Rückrufe beim US-ID.4 zusammen 67.704 Fahrzeuge.
- Europäische ID.4 aus Zwickau und Emden nutzen laut electrive andere Zellen.
Warum soll eine Ladegrenze vor dem Brand schützen?

Für zwei der drei vorangegangenen Rückrufe nannte der Hersteller eine konkrete Ursache: verrutschte Elektroden in den Zellmodulen.[2] In einer Lithium-Ionen-Zelle überragt die Anode die Kathode an allen Rändern um wenige Millimeter. Ragt die Kathode über den Rand der Anode hinaus, lagert sich beim Laden metallisches Lithium an der Anodenkante ab, und zwar umso mehr, je voller der Akku ist. Durchstoßen die Ablagerungen den Separator, entsteht ein Kurzschluss im Inneren der Zelle.
Die Ladegrenze senkt die Zellspannung und bremst so die Ablagerung, beseitigt den Fertigungsfehler aber nicht. Beim aktuellen Rückruf warnt Volkswagen laut Electrek vor einem Brand, der auf benachbarte Zellen übergreift. Vom Zellhersteller SK Battery America verlangt der Produktsicherheitsausschuss des Konzerns demnach zusätzliche Angaben zur Fertigung.
Ist der ID.4 ein Einzelfall?
Die Rückruf-Serie begann im Dezember 2025 mit 629 Fahrzeugen, im Januar folgten 670 und 43.881 weitere, jetzt kommen 22.524 hinzu.[2] Zusammen ergeben die vier Aktionen 67.704 Fahrzeuge. Wiederholte Rückrufe wegen Brandgefahr kennt die Branche auch von BMW, das binnen eines Jahres dreimal wegen des Starterrelais in die Werkstätten bat.
In den bekanntesten Fällen von Zellfehlern zahlte der Zulieferer. General Motors rief 2021 jeden Chevrolet Bolt zurück, rund 141.000 Autos, weil ein eingerissener Anodenableiter zusammen mit einem gefalteten Separator Brände auslösen konnte. Der Zellhersteller LG erstattete GM dafür 1,9 Milliarden US-Dollar, rund 1,65 Milliarden Euro. Hyundai tauschte im selben Jahr bei rund 82.000 Elektroautos die Batterie und teilte die Kosten im Verhältnis drei zu sieben mit LG.
Eine Ladegrenze ohne Reparaturtermin verlagert das Risiko des Zellherstellers in die Garagen der Kunden.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Rückruf für ID.4-Fahrer in Europa?
Die europäischen ID.4 laufen in Zwickau und Emden vom Band und nutzen laut electrive andere Zellen als die Modelle aus Chattanooga. Anfang 2027 löst der ID. Tiguan den ID.4 in Europa ab. Ohne Batterieprobleme blieb der Elektrobaukasten MEB aber auch hierzulande nicht: Im März 2026 rief Volkswagen laut Kraftfahrt-Bundesamt rund 94.000 ID-Modelle und Cupra Born zurück, davon 28.158 in Deutschland, weil Batteriemodule nicht der Spezifikation entsprachen. Eigene Zellen fertigt der Konzern künftig über die Tochter PowerCo, das Werk in Valencia teilt er mit Gotion.
Ab dem 18. Februar 2027 schreibt die EU-Batterieverordnung für Traktionsbatterien einen digitalen Batteriepass vor, der Hersteller, Werk, Herstellungsdatum und Zellchemie der Batterie festhält.[3] Bei künftigen Rückrufen ließen sich betroffene Fahrzeuge damit schneller eingrenzen als heute, da Volkswagen beim Zulieferer erst nach Fertigungsdaten fragen muss. Fuhrparkleiter lassen am besten beim Händler über die Fahrgestellnummer prüfen, ob die KBA-Aktionen 16271R oder 16269R ihre Fahrzeuge erfassen. Eine Ladegrenze von 80 Prozent empfehlen viele Hersteller ohnehin für den Alltag, weil sie die Akku-Degradation bremst. Belege über einen Modultausch sollten Halter aufbewahren, denn der Akkuzustand bestimmt den Wertverlust beim Weiterverkauf mit.
Quellen
[1] National Highway Traffic Safety Administration: Rückruf 26V630, Volkswagen ID.4 der Modelljahre 2023 bis 2026, Hochvoltbatterie mit Brandgefahr (eingereicht 30. September 2026)
[2] National Highway Traffic Safety Administration: Rückruf 26V028, Volkswagen ID.4 der Modelljahre 2023 und 2024, verrutschte Elektroden in den Zellmodulen (21. Januar 2026)
[3] Amtsblatt der Europäischen Union: „Verordnung (EU) 2023/1542 über Batterien und Altbatterien“ (12. Juli 2023)
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