GM und LG Energy Solution bauen ihr gemeinsames Batteriezellwerk in Spring Hill im US-Bundesstaat Tennessee für rund 870 Millionen Euro um. Ab 2028 sollen dort prismatische LMR-Batteriezellen entstehen, deren Kathode zu fast zwei Dritteln aus Mangan besteht. Für dieselben Hallen hatte GM vor 14 Monaten noch Lithium-Eisenphosphat-Zellen angekündigt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMit den LMR-Batteriezellen will GM die heute üblichen günstigen Zellchemien „überspringen“, sagt Batteriechef Kurt Kelty in der Mitteilung des Bundesstaats vom 29. September.[1] Gemeint ist vor allem die LFP-Zelle, deren Weltmarkt chinesische Hersteller wie CATL und BYD beherrschen. Ultium Cells, das Gemeinschaftsunternehmen beider Konzerne, beansprucht für Spring Hill die weltweit erste Serienfertigung dieser Zellchemie.
Das Wichtigste in Kürze
- Ultium Cells investiert rund 870 Millionen Euro, der Umbau beginnt Ende 2026 und soll 2028 abgeschlossen sein.
- GM beziffert den Vorsprung der LMR-Zelle auf 33 Prozent mehr Energiedichte als bei LFP-Zellen, zu vergleichbaren Kosten.
- Die Kathode enthält rund 65 Prozent Mangan, 35 Prozent Nickel und fast kein Kobalt.
- Zuerst bekommen große Elektro-Pick-ups und SUVs die Zellen, mit Reichweiten von über 640 Kilometern.
Warum plant GM in Spring Hill schon wieder um?

Im Juli 2025 kündigte Ultium Cells an, die Linien in Spring Hill auf günstige LFP-Zellen umzurüsten, die ab Ende 2027 in Serie gehen sollten.[3] Im Juni 2026 berichtete das Fachportal electrive, dass die LFP-Zellen aus Tennessee in stationäre Stromspeicher wandern statt in Autos. Die Rolle der bezahlbaren Autozelle übernimmt nun LMR. Für das Werk hatten GM und LG in den Jahren 2021 und 2022 bereits rund 2,2 Milliarden Euro angekündigt.[1]
Den schnellen Wechsel erlaubt die Plattform. GM hat seine E-Auto-Architektur so ausgelegt, dass mehrere Zellchemien und Bauformen hineinpassen, während das Schwesterwerk in Warren, Ohio, weiter Hochnickel-Zellen für die Modelle mit der größten Reichweite fertigt.[3] Zusätzlichen Druck liefert Washington: Die US-Regierung hat gerade die Verbrauchsziele für 2031 gesenkt und den Handel mit Gutschriften beendet.
Was macht Mangan in der Kathode billiger?
GM beziffert die Kathode einer heutigen Hochnickel-Zelle auf rund 85 Prozent Nickel, 10 Prozent Mangan und 5 Prozent Kobalt. Bei der LMR-Zelle kehrt sich das Mischungsverhältnis um: rund 65 Prozent Mangan, 35 Prozent Nickel und fast kein Kobalt.[2] Mangan kostet weniger und kommt häufiger vor als die beiden anderen Metalle. Zugleich speichert die lithiumreiche Schichtstruktur mehr Lithium je Gramm und arbeitet bei höherer Spannung als eine LFP-Kathode. Beide Eigenschaften zusammen erklären den Vorsprung von 33 Prozent bei der Energiedichte.
Der Haken der Chemie heißt Spannungsabfall. LMR-Kathoden verlieren über viele Ladezyklen an Spannung und damit an nutzbarer Energie, weil sich ihre Kristallstruktur beim Laden allmählich umbaut. GM forscht seit 2015 an manganreichen Zellen,[2] auch Ford arbeitet an der Chemie. Für Käufer zählt am Ende die Akku-Degradation nach acht oder zehn Jahren, und Felddaten aus Serienautos fehlen für LMR noch.
Was bedeutet GMs Mangan-Wette für Europa?
Europas Zellbauer stecken in einer ähnlichen Zwickmühle. Laut einer Studie im Auftrag des Herstellerverbands ACEA setzen 13 von 18 geplanten Zellwerken in der EU auf Nickel-Zellen, der Massenmarkt verlangt aber günstige LFP-Zellen. Diese Lücke füllen gerade chinesische Hersteller: CATL hat seine Zellproduktion in Ungarn angefahren, Gotion steigt bei VWs Batteriewerk in Valencia ein. Eine Mangan-Zelle mit LFP-Kosten und höherer Reichweite böte europäischen Herstellern einen dritten Weg.
Frei von Abhängigkeiten wäre dieser Weg nicht. Die EU führt batterietaugliches Mangan in ihrer Verordnung zu kritischen Rohstoffen als strategischen Rohstoff.[4] Das hochreine Mangansulfat für Batterien stammt heute überwiegend aus China, ähnlich wie beim Naturgraphit für die Anode. GM hat eine unabhängige Batterie-Lieferkette in Nordamerika zum Ziel erklärt[5] und mit dem Kreislauf-Recycling von Kathodenmaterial einen zweiten Rohstoffweg begonnen.
GM hat Spring Hill binnen 14 Monaten zweimal umgeplant und nennt das Flexibilität. Für Europas Zellwerke, die überwiegend auf Nickel gesetzt haben, ist die Mangan-Zelle die wichtigere Nachricht als jede weitere LFP-Fabrik aus China.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Für Flotten in Deutschland ändert sich vorerst wenig: Die ersten LMR-Zellen gehen in Pick-ups und SUVs für den US-Markt. Fuhrparkleiter sollten in Ausschreibungen ab 2028 trotzdem die Zellchemie abfragen und sich die garantierte Restkapazität schriftlich geben lassen, weil neue Chemien ohne Langzeitdaten starten. Für Zulieferer von Kathodenmaterial und Anlagenbauer im DACH-Raum lohnt der Blick auf Mangan-Kathoden schon jetzt, bevor die ersten Zellen aus Tennessee den Preis setzen.
Quellen
[1] Tennessee Department of Economic and Community Development: „Ultium Cells to Invest Additional $1 Billion in Spring Hill“ (29. September 2026)
[2] General Motors: „GM and LG Energy Solution to pioneer LMR battery cell technology“ (13. Mai 2025)
[3] General Motors: „Ultium Cells to upgrade Tennessee plant for low-cost EV battery cell production“ (14. Juli 2025)
[4] EUR-Lex: „Verordnung (EU) 2024/1252 zur Schaffung eines Rahmens zur Gewährleistung einer sicheren und nachhaltigen Versorgung mit kritischen Rohstoffen“ (11. April 2024)
[5] General Motors, Kurt Kelty: „General Motors wins Battery Innovation of the Year award“ (8. Oktober 2025)
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