Bechtle betreibt die SINA-Verschlüsselung von Secunet künftig als Managed Service und vertreibt sie europaweit. Secunet erzielte im ersten Halbjahr 94 Prozent seines Umsatzes im öffentlichen Sektor, das Firmengeschäft schrumpfte um fast die Hälfte. Neben Behörden soll das neue Angebot KRITIS-Betreiber und regulierte Unternehmen erreichen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMit der Partnerschaft wollen Bechtle und Secunet neue Märkte erschließen, in Deutschland wie im übrigen Europa. „Gerade Behörden, KRITIS-Betreiber und regulierte Unternehmen benötigen heute belastbare europäische Alternativen für geschäftskritische Sicherheitsarchitekturen“, sagt Jörg Öynhausen, Geschäftsführer von Bechtle Managed Services. Bekanntgegeben haben beide Unternehmen die Zusammenarbeit am 6. Oktober.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Secunet liefert die Netzwerkarchitektur SINA und die Plattform secunet edge, Bechtle betreibt beides als standardisierten Managed Service und vertreibt das Angebot europaweit.
- Zielkunden sind Behörden, Betreiber kritischer Infrastruktur und regulierte Unternehmen.
- Im Firmenkundengeschäft setzte Secunet im ersten Halbjahr 2026 nur 12,0 Mio. € um, 47,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
- Preise, Starttermin und erste Kunden haben die Partner nicht genannt.
Warum braucht Secunet einen Partner für die Wirtschaft?

Secunet verdient sein Geld fast nur beim Staat. Von 204,7 Mio. € Konzernumsatz im ersten Halbjahr entfielen 192,7 Mio. € auf das Segment Public Sector, ein Plus von 29,4 Prozent. Das Segment Business Sector fiel dagegen von 22,8 auf 12,0 Mio. €, vor allem wegen schwächerer Nachfrage aus dem Gesundheitswesen.[2] Im September kam der Rahmenvertrag der Bundeswehr für SINA-Technik hinzu.
Für Firmenkunden liegt die Hürde beim Betrieb. Administration, Wartung, Überwachung und den Austausch veralteter Geräte übernimmt künftig Bechtle, die Standardpakete entwickelt das Systemhaus auf Basis der Secunet-Technik.[1]
Im Juli holte Secunet gemeinsam mit Cloudflare US-Cloud-Technik unter deutsche Kontrolle, im August öffnete das Unternehmen secunet edge für die Firewall-Dienste von Securepoint. Bechtle ist der dritte Partner binnen vier Monaten und baut selbst wiederkehrende Umsätze aus, zuletzt mit dem Kauf des niederländischen Dienstleisters Interforce. Ein Betriebsvertrag über Hochsicherheitstechnik liefert dem Systemhaus genau diese Art von Umsatz.
Welche Rolle spielt NIS2?
Für viele Firmenkunden verschärft das seit Dezember 2025 geltende BSI-Gesetz die Pflichten. Paragraf 30 verpflichtet besonders wichtige und wichtige Einrichtungen zu technischen und organisatorischen Risikomaßnahmen, ausdrücklich auch zur Sicherheit der Lieferkette.[3] Umsetzen und überwachen muss diese Maßnahmen nach Paragraf 38 die Geschäftsleitung, die dafür regelmäßig Schulungen besuchen muss.[4]
Ein Managed Service verlagert deshalb die Arbeit, die Verantwortung bleibt im Haus. Der Dienstleister wird selbst Teil der Lieferkette, die das Gesetz absichern will. Für Produktionsbetriebe hat Dr. Web die Haftungsfolgen von NIS2 bereits beschrieben.
Secunet baut Verschlüsselung für Verschlusssachen und verkauft sie fast nur an Behörden. Bechtle soll dieser Technik den Weg in die Firmen-IT bahnen.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was sollten Entscheider vor einem Vertrag klären?
Klären Sie zuerst, ob Ihr Unternehmen unter NIS2 fällt und welche Systeme besonders schutzbedürftige Daten verarbeiten. Fragen Sie bei ausgelagertem Betrieb gerne nach, wer die Administratoren stellt, wo die Verwaltungskonsole läuft und welche Meldewege im Ernstfall gelten. Diese Antworten gehören in den Vertrag, weil Ihre Geschäftsleitung für die Sicherheitsmaßnahmen haftet.
Weitere Systemhäuser mit eigenem Betriebsangebot finden Sie im Vergleich der IT-Systemhäuser.
Quellen
[1] secunet Security Networks AG: „Bechtle und secunet schließen Partnerschaft für souveräne Sicherheitslösungen“ (06.10.2026)
[2] secunet Security Networks AG: „secunet wächst im ersten Halbjahr 2026 deutlich und verzeichnet starken Ergebnissprung im zweiten Quartal“ (13.08.2026)
[3] BSI-Gesetz: § 30 Risikomanagementmaßnahmen besonders wichtiger Einrichtungen und wichtiger Einrichtungen
[4] BSI-Gesetz: § 38 Billigungs-, Überwachungs- und Schulungspflicht für Geschäftsleitungen
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