Im Juli verlor IBM an einem Tag rund ein Viertel seines Börsenwerts, weil große Abschlüsse zum Quartalsende ausblieben. Von Juli bis September setzte der Konzern 17,1 Milliarden Dollar um, umgerechnet 14,9 Milliarden Euro. Das Minus beim Großrechner geht auf das Rekordquartal des Vorjahres zurück.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenRund zwei Drittel der großen Verträge, die IBM Ende Juni nicht abschließen konnte, sind inzwischen unterschrieben. Die Zahl nannte Finanzchef James Kavanaugh am Mittwochabend in der Telefonkonferenz mit Analysten.[1] Rund ein Viertel des Softwarewachstums im dritten Quartal stammt nach seinen Worten aus diesen nachgeholten Verträgen, drei Viertel aus neuem Geschäft.
Das Wichtigste in Kürze
- IBM setzte im dritten Quartal 14,9 Milliarden Euro um, 5 Prozent mehr als vor einem Jahr, währungsbereinigt 6 Prozent.
- Die Software wuchs um 8 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro, darunter Red Hat mit 11 Prozent.
- Der Umsatz mit den Großrechnern IBM Z sank um 20 Prozent, nachdem er ein Jahr zuvor um 61 Prozent gestiegen war.
- Für 2026 bleibt IBM bei 4 bis 5 Prozent Umsatzwachstum, der freie Cashflow soll um mehr als 870 Millionen Euro steigen.
Wo blieben die Aufträge aus dem Juni?

Am 14. Juli hatte IBM vorläufige Zahlen zum zweiten Quartal veröffentlicht. Konzernchef Arvind Krishna schrieb damals, Kunden hätten in den letzten Juniwochen ihre Investitionsbudgets auf Server, Speichersysteme und Arbeitsspeicher verlagert, um sich knappe Hardware vor erwarteten Preiserhöhungen zu sichern. Zahlreiche große Abschlüsse kamen nicht rechtzeitig zustande. „In diesem Quartal sind wir ins Straucheln geraten“, räumte Krishna ein.[2] Die Börse strafte das mit dem größten Tagesverlust der Firmengeschichte ab.
Getroffen hatte der Ausfall vor allem die Transaktionsverarbeitung, also die Software für die Großrechner der Kunden. Im zweiten Quartal sank ihr Umsatz um 8 Prozent,[3] im dritten stieg er um 9 Prozent.[4] Kavanaugh bezifferte die Lücke aus dem Juni im Softwaregeschäft auf rund 350 Millionen Euro, mehr als 215 Millionen Euro davon seien nachgeholt.[1]
Warum schrumpft das Geschäft mit Großrechnern um 20 Prozent?
Der Rückgang bei IBM Z folgt aus dem Vergleich mit dem Vorjahr. Im zweiten Quartal 2025 kam der Großrechner z17 auf den Markt, im dritten Quartal 2025 wuchs die Sparte deshalb um 61 Prozent.[5] Gemessen an diesem hohen Vorjahreswert fällt ein normales Quartal ab. Seit dem Marktstart liegt der Umsatz mit dem z17 nach IBM-Angaben um mehr als 870 Millionen Euro über dem des Vorgängers im selben Zeitraum.[1]
Kräftig gewachsen ist dagegen die verteilte Infrastruktur, also Power-Server und Speichersysteme: um 31 Prozent.[4] Schon im zweiten Quartal hatte IBM das Plus dort mit derselben Umschichtung erklärt, die die Software bremste.[2] Kunden sichern sich Hardware, solange Rechenzentren für KI den Arbeitsspeicher knapp halten.
Ein Drittel der Juni-Aufträge fehlt IBM noch, an der Umsatzprognose ändert der Konzern nichts.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was zeigt der Fall für Softwarekonzerne in Europa?
Ein ähnliches Muster zeigte in derselben Woche SAP. Auch der Walldorfer Konzern hatte im Sommer die Prognose gesenkt und bucht im dritten Quartal nachgeholte Umsätze, allerdings aus einem anderen Grund: Kunden haben ihre Zahlungsschwierigkeiten überwunden. Beide Zahlenwerke zeigen, wie stark ein einzelnes Quartalsende über das Bild eines Softwarekonzerns entscheidet.
Für europäische Kunden interessant ist eine Beobachtung Krishnas: Souveräne KI komme 2026 in Gang. Unternehmen holten Rechenleistung in eigene Rechenzentren zurück und setzten auf offene Modelle, um die Kontrolle über ihre Daten zu behalten.[1] IT-Einkäufer sollten bei Verhandlungen über Software und Wartung das Quartalsende im Blick behalten: Anbieter mit offenen Großaufträgen stehen dann unter Abschlussdruck.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Investing.comEarnings call transcript: IBM beats Q3 2026 estimates, shares slip after hours (Mitschrift der Telefonkonferenz)
- IBM, SEC-Formular 8-KArvind Krishna’s Letter to IBM Investors
- IBM, SEC-Formular 8-KIBM Releases Second-Quarter Results
- IBM, SEC-Formular 8-KIBM Releases Third-Quarter Results
- IBM, SEC-Formular 8-KIBM Releases Third-Quarter Results
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