Bertelsmann will bestimmte Buchhaltungsleistungen für seine Konzerngesellschaften ab 2027 gemeinsam mit einem externen Partner in Indien bündeln. Betroffen ist die Einheit Global Business Services mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück. Wie viele ihrer mehr als 380 Beschäftigten den Arbeitsplatz verlieren könnten, sagt der Konzern nicht.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenDie Belegschaft erfuhr am Freitag, 16. Oktober, aus dem Intranet von dem Vorhaben. Ein Unternehmenssprecher bestätigte den Plan zuerst der Glocke, später auch der Neuen Westfälischen.[1][2] Den Namen des Dienstleisters in Indien nennt Bertelsmann nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Operative Buchhaltungsleistungen sollen mit einem spezialisierten Partner in Indien gebündelt werden, geschäftsnahe Aufgaben bleiben bei den Tochterfirmen vor Ort.
- Geprüft wird zugleich, die Global Business Services von Bertelsmann und der RTL Group zusammenzulegen.
- Die endgültige Entscheidung fällt erst nach den Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretungen, der Umbau soll 2027 beginnen.
- Wie viele Stellen an welchem Standort betroffen sind, nennt der Konzern bisher nicht.
Was plant Bertelsmann bei den Global Business Services?

Die Global Business Services (GBS) gehören zur Konzernzentrale. Nach Konzernangaben übernehmen sie für rund 400 Kunden in 30 Ländern kaufmännische Kernprozesse, darunter die Buchhaltung vieler Tochterfirmen.[1] Laut Intranet-Eintrag sollen „bestimmte operative Leistungen“ künftig mit einem externen Partner in Indien gebündelt werden. „Tätigkeiten, die in der Nähe zu den Geschäften erbracht werden müssen, sollen lokal verbleiben“, steht dort weiter.[1]
Finanzvorstand Rolf Hellermann begründet den Schritt mit Flexibilität und Wirtschaftlichkeit. Die neue Struktur solle die Firmen von Bertelsmann und der RTL Group „langfristig flexibel, leistungsfähig und wirtschaftlich“ unterstützen. Zugleich prüft der Konzern, die GBS von Bertelsmann und die der RTL Group organisatorisch zusammenzulegen.[1]
Welche Standorte betrifft der Umbau?
Bertelsmann gründete das Servicezentrum 2010 an der Ringstraße in Rheda-Wiedenbrück, im früheren Gebäude des Club Bertelsmann. Dort lief zunächst die Buchhaltung der deutschen Konzerngesellschaften. 2015 baute der Konzern den Standort zum Hauptsitz seiner weltweiten Shared-Service-Organisation aus.[1][2]
Neben Rheda-Wiedenbrück arbeiten die GBS in Schwerin, in England und in den USA. An allen vier Standorten zusammen beschäftigen sie laut Bertelsmann-Website mehr als 380 Menschen.[1] Was der Plan für Rheda bedeutet, ließ der Sprecher auf Nachfrage der NW offen. Laut Glocke hatte der Konzern schon früher erwogen, Teile der Buchhaltung ins Ausland zu verlagern, setzte das aber nicht um.[2]
Wie passt der Plan in den Umbau des Konzerns?
Bertelsmann baut seit dem Sommer an mehreren Stellen ab. Im Juli kündigte der Konzern das Aus für die Würzburger Druckerei Vogel Druck mit rund 280 Stellen an. Im September folgte die Entscheidung, den Farbbuchdruck bei Mohn Media in Gütersloh bis Ende 2027 einzustellen. Bei RTL fallen nach der Übernahme von Sky rund 500 Stellen weg, weil Vertrieb und Technik doppelt besetzt waren.
Am Heimatstandort investiert der Konzern zugleich weiter. 2025 flossen rund 50 Millionen Euro nach Gütersloh, vor allem in Arvato Systems und die Logistik der Arvato Group. Mit rund 10.000 Beschäftigten ist Gütersloh der größte Bertelsmann-Standort weltweit.[3] Den Weg nach Indien gehen auch andere deutsche Konzerne. Wacker Chemie bündelt IT und Engineering seit August in einem eigenen Zentrum im indischen Pune.
Was muss vor dem Wechsel nach Indien geklärt sein?
Vor der Entscheidung kommt der Betriebsrat zu Wort. Die Verlegung wesentlicher Betriebsteile und der Zusammenschluss von Betrieben gelten nach § 111 Betriebsverfassungsgesetz als Betriebsänderung. Der Arbeitgeber muss sie mit dem Betriebsrat beraten, bevor er entscheidet.[4] Genau diese Gespräche sollen laut Intranet jetzt beginnen.[1]
Dazu kommen Steuer- und Datenschutzrecht. Außerhalb Deutschlands dürfen Unternehmen elektronische Bücher ohne Genehmigung nur in einem anderen EU-Staat führen und aufbewahren. Sollen Bücher in einem Drittstaat wie Indien liegen, muss das Finanzamt das nach § 146 Abs. 2b Abgabenordnung bewilligen. Der Datenzugriff der Betriebsprüfung muss dabei vollständig möglich bleiben.[5] Personenbezogene Daten aus der Buchhaltung brauchen zusätzlich vertragliche Garantien, weil die EU Indien bisher kein angemessenes Datenschutzniveau bescheinigt hat.[1]
Für die Beschäftigten in Rheda-Wiedenbrück und Schwerin klärt sich die Lage erst mit der Entscheidung nach den Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretungen. Finanzchefs anderer Unternehmen mit ähnlichen Plänen sollten neben der Mitbestimmung vor allem die Bewilligung des Finanzamts früh einplanen. Kosten gegen Kontrolle abwägen müssen sie beim Outsourcing der Buchhaltung genauso wie in der IT.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Neue WestfälischeGütersloher Unternehmen Bertelsmann lagert Buchhaltung aus: das sind die Details
- Die GlockeBertelsmann gliedert Buchhaltung nach Indien aus (20.10.2026, teilweise hinter Bezahlschranke); dazu Radio Gütersloh: Gütersloh: Bertelsmann lagert Buchhaltung nach Indien aus
- Radio GüterslohBertelsmann investiert kräftig in den Standort Gütersloh
- Betriebsverfassungsgesetz§ 111 Betriebsänderungen (abgerufen 22.10.2026)
- Abgabenordnung§ 146 Ordnungsvorschriften für die Buchführung und für Aufzeichnungen (abgerufen 22.10.2026)
Mehr Newshunger?
- Print-on-Demand: Bertelsmann druckt ab April 2027 in Gütersloh Bücher in Kleinstauflage
- Bertelsmann beendet den Farbbuchdruck: Verlustgeschäft seit 2021
- RTL streicht nach der Sky-Übernahme 500 Stellen
- Ferndiagnose aus Pune: Wacker Chemie baut sein Digitalzentrum in Indien
- Burda streicht bis zum Jahresende konzernweit 70 Stellen