Bertelsmann gibt seine Würzburger Druckerei Vogel Druck auf und streicht bis Mitte 2027 rund 280 Stellen. Der Grund ist kein Betriebsunfall, sondern ein Strukturbruch: Kataloge und Zeitschriften verlieren so schnell an Auflage, dass selbst eine moderne Rollenoffset-Anlage rote Zahlen schreibt. Für Marketing- und Handelsentscheider ist das ein Signal, wie endgültig die Budgets ins Digitale abwandern.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Druckerei Vogel Druck in Höchberg bei Würzburg stellt bis zum 30. Juni 2027 den Betrieb ein, das teilte der Bertelsmann-Konzern seiner Belegschaft am 29. Juli mit. Betroffen sind rund 280 Beschäftigte an einem Standort, der jahrzehntelang Kataloge und Magazine für den Versandhandel gedruckt hat.
Das Wichtigste in Kürze
- Bertelsmann schließt die Rollenoffset-Druckerei Vogel Druck bis Ende Juni 2027, rund 280 Stellen fallen weg.
- Als Grund nennt Finanzchef Ulrich Cordes den überproportionalen Auflagenschwund bei Katalogen und Zeitschriften.
- Vogel Druck ist die dritte deutsche Offset-Druckerei des Konzerns neben Mohn Media und GGP Media; Mohn Media strich zuletzt 470 Stellen.
- Der Fall zeigt, wie Marketingbudgets aus dem Print in digitale Kanäle abwandern.
Was hat Bertelsmann angekündigt?

Die Entscheidung fiel intern und schnell. Auf einer Betriebsversammlung erfuhren die Beschäftigten, dass der Standort in sozialverträglicher Abwicklung schließt, mit Interessenausgleich und Sozialplan statt abrupter Kündigungen. Betriebsbedingte Härten will der Konzern über Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite abfedern.
Vogel Druck ist keine Randnotiz im Bertelsmann-Reich. Der Standort zählt zu den drei Offset-Druckereien der Sparte Bertelsmann Marketing Services, neben Mohn Media in Gütersloh und GGP Media in Pößneck. Aus drei werden damit zwei, und schon Mohn Media hat zuletzt 470 Arbeitsplätze abgebaut.
Warum trifft der Wandel zuerst den Katalog?
Finanzchef Ulrich Cordes benennt die Ursache klar: Die Nachfrage nach Zeitschriften und besonders nach Katalogen sei überproportional gesunken, weil Kunden ihr Marketing in digitale Kanäle verlagern. Der Auftragsbestand schrumpft seit Jahren, der Standort schreibt seit Längerem rote Zahlen.
Dahinter steckt die Ökonomie des Rollenoffsets. Große Rotationsmaschinen rechnen sich nur bei hoher Auslastung, weil Fixkosten für Anlagen, Papier und Energie schwer wiegen. Der dicke Versandhauskatalog lieferte jahrzehntelang die Grundlast, die diese Maschinen füllte. Fällt dieses Massenprodukt weg, kippt die Deckungsbeitragsrechnung, und selbst ein technisch guter Standort verliert Geld.
Vogel Druck schließt nicht wegen schlechter Qualität, sondern weil der Katalog als Werbeträger seine Grundlast verloren hat. Handelsketten, die weiter auf Papierauflagen setzen, kalkulieren einen Kanal, der jedes Jahr teurer und dünner wird.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Warum der Standort schließt
Kataloge und Zeitschriften verlieren überproportional an Auflage. Werbebudgets wandern ins Digitale, die Auslastung der Rollenoffsetmaschinen sinkt, und der Standort schreibt seit Längerem rote Zahlen.
Was bedeutet das für Marketing und Handel?
Der Fall reiht sich in eine Konsolidierung ein, die Bertelsmann selbst angestoßen hat. Vor Jahren schmiedete der Konzern durch Zukäufe Europas größte Druckereigruppe.[1] Jetzt läuft diese Bündelung rückwärts, Kapazität wird abgebaut, weil die klassischen Printvolumina fehlen. Vogel Druck ist damit kein Einzelfall, sondern ein weiterer Schritt im Schrumpfen einer ganzen Branche.
Dieselbe Verschiebung zeigt sich quer durch die Medien. Werbegeld, das früher in Katalogen und Anzeigen steckte, fließt heute in bewegte Flächen, wie der Ausbau von Digital-out-of-Home bei Ströer zeigt. Die Verlage suchen ihren Wert zunehmend anderswo, etwa als Datenlieferant, wie die Übernahme von Springer Nature durch Holtzbrinck vorführt. Selbst rein digitale Formate stehen unter Druck, wie der Blogging-Kollaps belegt.
Für Entscheider im Handel folgt daraus eine nüchterne Planungsregel. Handelsketten mit Print-Katalogen sollten Auflagen, Vorlaufzeiten und Preise neu kalkulieren, denn mit jeder Druckerei-Schließung wird die verbleibende Kapazität knapper und teurer. Wo Reichweite zählt, gehören Budgets planbar in Retail Media und in die eigene Sichtbarkeit in Suche und KI-Antworten.
Quelle
[1] Bertelsmann: „Bertelsmann schafft größte Druckerei-Gruppe Europas“ ↩
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