Bertelsmann zieht bei Mohn Media in Gütersloh einen Schlussstrich unter den Farbbuchdruck. Bis Ende 2027 läuft die Produktion aus, die seit 2021 rote Zahlen schreibt. Für rund 150 Beschäftigte im Farbbuchbereich sucht der Konzern nun andere Plätze im Haus.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Farbbuchdruck galt lange als Königsklasse des Offsetdrucks: hohe Auflagen, edle Bildbände. Genau dieses Geschäft rechnet sich an deutschen Standorten immer seltener, und Bertelsmann zieht bei seiner Tochter Mohn Media die Konsequenz.
Das Wichtigste in Kürze
- Bertelsmann beendet den Farbbuchdruck bei Mohn Media in Gütersloh bis Ende 2027.
- Die Buchsparte schreibt seit 2021 Verluste, die Umsätze sinken seit sieben Jahren.
- Rund 150 Menschen arbeiten im Farbbuchbereich; wie viele Stellen wegfallen, ist offen.
- Der Rückzug reiht sich in eine Schließungswelle der deutschen Druckindustrie ein.
Warum rechnet sich der Farbbuchdruck nicht mehr?

Zu teuer im Stückpreis. Offsetdruck lohnt sich erst bei hohen Auflagen, weil Druckplatten und Einrichtung als feste Kosten auf jeder Auflage lasten. Sinken die Stückzahlen, wandert kurzlebige und personalisierte Ware zum Digitaldruck und zum Print-on-Demand ab, und die klassische Farbbuchlinie erreicht ihre Deckungsschwelle nicht mehr.
Keine Perspektive. Für den Farbbuchdruck sieht Mohn Media „keine nachhaltige wirtschaftliche Perspektive mehr“ und lässt die Produktion bis Ende 2027 auslaufen. Der Gütersloher Betrieb, mit rund 365 Millionen Euro Umsatz einer der großen Offsetdrucker Deutschlands, will die rund 150 Betroffenen möglichst intern unterbringen, im Rotationsdruck und bei der Tochter Probind in Marienfeld.
Ein Einzelfall oder Teil eines Musters?
Eine ganze Welle. Der Rückzug steht nicht allein. 2026 schloss das Augsburger Druck- und Verlagshaus nach 175 Jahren, die Druckerei Görres in Neuwied nach 132 Jahren, und der Verlag Nürnberger Presse streicht bis Ende 2027 rund 200 von 800 Stellen. Bertelsmann selbst gab bereits die Katalogdruckerei Vogel Druck auf, und Heidelberger Druck ordnete sein Geschäft zwischen Offset, Drohnen und Batteriezellen neu.
Überkapazität schrumpft. Die deutsche Druckindustrie setzt in Summe weiter zu, 17,9 Milliarden Euro 2024 und ein leichtes Plus für 2025, doch die Zahl der Betriebe und Beschäftigten sinkt.[1] Branchenweit schrumpft die über Jahrzehnte gewachsene Offset-Überkapazität, während der Digitaldruck die kurzen Auflagen übernimmt.
Der Farbbildband stirbt nicht, er wird nur seltener und teurer. Bertelsmann verschiebt sein Kapital längst dahin, wo Wachstum ist: ins Streaming und in die KI, nicht in die Druckwalze.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für die Branche?
Digital schlägt Offset. Für Verlage und Mittelständler mit Printbedarf verschiebt sich die Rechnung. Große, hochwertige Farbauflagen bleiben möglich, werden aber teurer und konzentrieren sich auf wenige Anbieter. Kleine und mittlere Auflagen laufen künftig über Digitaldruck und Print-on-Demand, oft schneller und ohne Mindestmenge.
Kapital wandert. Bertelsmann macht vor, wohin die Reise geht: Das Streaming mit RTL+ schreibt erstmals schwarze Zahlen, ein neuer Konzernfonds wettet auf Physical AI. Planen Sie Kataloge, Bildbände oder Magazine, klären Sie früh die Auflagenhöhe, prüfen den Digitaldruck als Alternative und sichern sich einen zweiten Druckpartner, bevor die nächste Linie stillsteht.
Quelle
[1] Bundesverband Druck und Medien: „Wirtschaftliche Lage der Druck- und Medienindustrie“
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