Bertelsmann Investments hat sein Halbjahr mit 451 Millionen Euro Umsatz und 45 Prozent Wachstum abgeschlossen. Der eigentliche Hinweis steckt nicht in der Zahl, sondern im Ziel des frischen Kapitals: Der neue Fonds Futurepresent finanziert Physical KI, also KI-Agenten für die echte Welt. Ein Gütersloher Medienkonzern verschiebt seine Wetten damit dorthin, wo im KI-Rennen gerade die teuerste Runde läuft.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBertelsmann Investments, der Wagniskapital-Arm des Medienkonzerns, hat im ersten Halbjahr 2026 kräftig zugelegt und zugleich zwei neue Fonds an den Start gebracht. Der interessantere Teil steckt im Kleingedruckten: Einer der Fonds zielt auf verkörperte KI, also auf Software, die Roboter und Maschinen in der echten Welt steuert.
Das Wichtigste in Kürze
- 451 Millionen Euro Umsatz im ersten Halbjahr, ein organisches Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
- Zwei neue Fonds starten 2026: Futurepresent für Physical KI und KI-Agenten sowie Bertelsmann Healthcare Investments für den Gesundheitsmarkt.
- 328 Beteiligungen hält die Plattform aktuell weltweit, seit 2006 flossen rund 2,3 Milliarden Euro in Unternehmen und Fonds.
- Physical KI rückt ins Zentrum, etwa mit der Beteiligung General Intuition, die KI-Agenten für das Handeln in echten Umgebungen trainiert.
Wie stark wächst Bertelsmann Investments wirklich?

Der Umsatz des Wachstumsbereichs Bertelsmann Next stieg auf 451 Millionen Euro, nach 280 Millionen im Vorjahr, das operative EBITDA legte von 43 auf 57 Millionen Euro zu.[1] Den Sprung trieb vor allem die Mobile-Ad-Tech-Plattform AppLike mit 54 Prozent organischem Wachstum.
Die eigentliche Wertschöpfung des Wagniskapitals zeigt eine andere Kennzahl. Das operative Ergebnis der Venture-Sparte drehte von minus 98 Millionen Euro auf plus 122 Millionen, getragen von Neubewertungen im Beteiligungsportfolio. Umsatz misst also das operative Geschäft, den Wert des Portfolios sieht man erst im Ergebnis.
Warum wettet Bertelsmann jetzt auf Physical KI?
Im März 2026 startete der Fonds Futurepresent, der gezielt in Physical KI, KI-Infrastruktur und branchenspezifische KI-Agenten investiert.[1] Gemeint ist KI, die nicht im Chatfenster bleibt, sondern Roboter und Maschinen in der physischen Welt steuert. Genau dieses Feld der verkörperten KI gilt derzeit als teuerste und riskanteste Wette der Branche.
Ein konkretes Beispiel liefert die Folgeinvestition in General Intuition, ein Unternehmen, das KI-Agenten darauf trainiert, sich in realen Umgebungen zu bewegen und zu handeln. Bertelsmann reiht sich damit in eine Bewegung ein, die auch die deutsche Industrie erfasst: Schaeffler etwa schult Humanoide für den Werkseinsatz.
Ein Medienkonzern, der sein Kapital in verkörperte KI und KI-Agenten lenkt, verrät mehr über die nächste Wachstumswelle als jede Analystenrunde. Gründer physischer KI haben in Deutschland damit eine ernsthafte Adresse mehr.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für den DACH-Markt?
Corporate Venture Capital ist im deutschsprachigen Raum kein Nischenformat mehr. Neben Bertelsmann investieren Siemens, Bosch und SAP über eigene Einheiten in junge Technologiefirmen, weil Zukäufe von Start-ups Wissen schneller in den Konzern holen als eigene Forschung.
Für Gründer entsteht daraus eine zusätzliche Kapitalquelle, gerade in kapitalintensiven Feldern wie KI-Infrastruktur und Robotik, in denen europäisches Wagniskapital bislang zögert. Teams in diesen Bereichen sollten die neuen Fonds im Blick behalten und zugleich die Bewertungsdebatte verfolgen, denn Warnungen vor einer KI-Blase werden lauter.
Zwei neue Fonds für 2026
Futurepresent
Physical KI, KI-Infrastruktur und branchenspezifische KI-Agenten.
Bertelsmann Healthcare Investments
Wagniskapital für den transatlantischen Gesundheitsmarkt.
Quelle
[1] Bertelsmann: „Globale Investment- und Wachstumsplattform zeigt starke operative Performance“
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