Print-on-Demand bekommt bei Bertelsmann eine eigene Industrielinie. Ab April 2027 druckt die Konzerntochter Campaign in Gütersloh Schwarzweiß-Bücher in Kleinstauflagen, bis zu 1,5 Millionen Exemplare im Jahr. Zunächst profitiert die Konzernschwester Penguin Random House, später sollen alle Verlage die Linie buchen können.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRund eine Million Bücher will Bertelsmann im ersten Betriebsjahr per Print-on-Demand herstellen, gedruckt nach der tatsächlichen Nachfrage statt auf Vorrat. Beteiligt sind die Buchdruckerei GGP Media, der Digitaldienstleister Campaign, die Verlagsauslieferung VVA und die Penguin Random House Verlagsgruppe.[1] Der Konzern baut damit sein Druckgeschäft weiter um: Den Farbbuchdruck bei Mohn Media lässt Bertelsmann bis Ende 2027 auslaufen.
Das Wichtigste in Kürze
- Campaign baut in Gütersloh eine Digitaldrucklinie für Softcover mit Schwarzweiß-Inhalt und farbigem Umschlag auf.
- Die Linie startet im April 2027, plant rund eine Million Exemplare im ersten Jahr und schafft bis zu 1,5 Millionen.
- Einige Monate nach dem Start sollen Klappenbroschuren dazukommen, die laut Bertelsmann bislang kein Anbieter auf Bestellung druckt.
- Ein vergleichbares Modell betreiben Libri und BoD in Bad Hersfeld, die bestellte Titel nach eigener Aussage noch am selben Tag drucken.
Was baut Bertelsmann in Gütersloh?

Die neue Produktionsstrecke entsteht am Standort Reinhard-Mohn-Straße. Campaign stellt dort die Digitaldruckmaschinen auf, GGP Media steuert die Erfahrung aus der industriellen Buchfertigung bei. Gedruckt werden Softcover mit Schwarzweiß-Innenteil und farbigem Umschlag. Nach dem Druck übernimmt die VVA die Bücher und verschickt sie sofort oder legt sie in ihr bestehendes Lager.[1]
Bertelsmann setzt auf die Nähe zur Auslieferung. Die VVA beliefert nach eigenen Angaben mehr als 200 Auftraggeber von den Standorten Gütersloh, Verl und Gilching aus. Druck und Versand sitzen damit in derselben Stadt. Dirk Kemmerer, Chef von Bertelsmann Marketing Services, spricht von einer Antwort auf „die zunehmende Nachfrage von Verlagen nach flexiblen Lösungen bei Kleinstauflagen“.[1]
Warum rechnet sich der Druck auf Bestellung?
Im Offsetdruck lasten Druckplatten und Einrichtung als Fixkosten auf jeder Auflage. Günstig wird das einzelne Buch erst bei hohen Stückzahlen. Verlage drucken deshalb auf Verdacht und lagern den Rest ein. Bleibt der Absatz aus, binden die Bücher Kapital und belegen Regalmeter. Unverkaufte Exemplare aus dem Buchhandel landen als Remission wieder beim Verlag. Ältere Titel mit wenigen Verkäufen sind irgendwann vergriffen, weil sich keine Nachauflage mehr rechnet.
Der Digitaldruck kehrt die Rechnung um. Die Druckdatei liegt auf dem Server, gedruckt wird erst nach dem Eingang der Bestellung. Das einzelne Exemplar kostet mehr, das Lager entfällt. Christian Jünger, Chef der Penguin Random House Verlagsgruppe, will so Überproduktion und Lagerbestände senken und „gleichzeitig lieferbar bleiben“.[1] Was mit vergriffenen Bänden sonst passieren kann, zeigte im Frühjahr der kanadische Aufkäufer Zoom Books, der solche Sachbücher palettenweise aus europäischen Antiquariaten bestellte.
Bertelsmann verlegt einen Teil des Bücherlagers auf den Server und rechnet künftig pro Exemplar statt pro Auflage.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Verlage und Unternehmen?
Neu ist das Modell nicht. Der Großhändler Libri betreibt mit seiner Schwesterfirma BoD in Bad Hersfeld eine Druckstrecke direkt im Logistikzentrum. Libri wirbt damit, digital gespeicherte Titel noch am Bestelltag zu drucken und über Nacht an den Buchhandel zu liefern.[2] Bei Libri sitzt der Druck im Großhandel, bei Bertelsmann in der Verlagsauslieferung. Penguin Random House gehört selbst zum Konzern, die Wertschöpfung vom Verlag bis zum Versand bleibt damit bei Bertelsmann.
Ins Bild passt der Umbau der eigenen Druckereien. Bertelsmann kündigte im Juli das Aus für die Katalogdruckerei Vogel Druck an und beendet den Farbbuchdruck bei Mohn Media. Die großen Offsetauflagen schrumpfen, der Digitaldruck übernimmt die kleinen. Heidelberger Druckmaschinen sucht sein Wachstum aus demselben Grund längst bei Drohnen und Batteriezellen.
Verlage prüfen am besten jetzt ihre Backlist: Titel mit wenigen Verkäufen im Jahr eignen sich für den Druck auf Bestellung, sofern die Druckdaten sauber vorliegen. Fragen Sie gerne auch nach den Klappenbroschuren, die nach dem Start hinzukommen sollen. Unternehmen mit eigenen Publikationen wie Fachbüchern oder Firmenchroniken finden Anbieter für Kleinstauflagen im Vergleich der Online-Druckereien.
FAQ: Print-on-Demand bei Bertelsmann
Was ist Print-on-Demand?
Print-on-Demand bedeutet Druck auf Bestellung. Ein Buch liegt als Druckdatei auf dem Server und wird erst gedruckt, sobald eine Bestellung eingeht. Das einzelne Exemplar kostet mehr als im Offsetdruck, dafür entfallen Vorratsauflage, Lager und Rücksendungen unverkaufter Bücher.
Ab wann druckt Bertelsmann Bücher auf Bestellung?
Die neue Linie in Gütersloh startet im April 2027. Für das erste Betriebsjahr plant Bertelsmann rund eine Million Exemplare, die Kapazität reicht für bis zu 1,5 Millionen Bücher im Jahr. Gedruckt werden Softcover mit Schwarzweiß-Inhalt und farbigem Umschlag.
Können auch andere Verlage die Bertelsmann-Linie nutzen?
Ja. Zunächst druckt die Linie für die Penguin Random House Verlagsgruppe, laut Bertelsmann soll sie aber grundsätzlich allen Verlagen offenstehen. Die Auslieferung übernimmt die VVA, die schon heute mehr als 200 Auftraggeber beliefert.
Quellen
[1] Bertelsmann Marketing Services: „Print-on-Demand: Bertelsmann Marketing Services plant neue Produktions- und Logistiklösung“
[2] Libri: „Libri Print-on-Demand für Verlage“
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