Ein belgischer Unternehmer hat die Markenrechte und die Maschinen des insolventen Pralinenherstellers DreiMeister aus Werl-Westönnen gekauft. Ab Ende Oktober sollen 25 bis 30 Lkw die Anlagen nach Waregem bei Gent bringen, dort soll die Produktion spätestens im Januar anlaufen. Die gut 100 Arbeitsplätze in Westönnen kommen damit nicht zurück.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenDen Verkauf bestätigte ein am Verfahren beteiligter Unternehmensberater dem Soester Anzeiger.[1] Der Käufer hat ihn mit der Kommunikation beauftragt. Wie viele Menschen am neuen Standort arbeiten werden, ist laut dem Berater noch offen.
Das Wichtigste in Kürze
- Neuer Eigentümer von Marke und Anlagen ist Jo Ballet, Gründer des Belgian Chocolate Studio in Waregem.
- Ballet übernimmt praktisch alle Maschinen der acht früheren Produktionslinien, die Demontage hat begonnen.
- Ein Neustart mit kleinerer Mannschaft in Westönnen scheiterte laut dem Berater auch an arbeitsrechtlichen Hürden.
- Die 101 verbliebenen Beschäftigten hatten am 1. Juli die Kündigung erhalten.
Was übernimmt der belgische Käufer von DreiMeister?

Jo Ballet hat in Waregem das Unternehmen Belgian Chocolate Studio gegründet. Dort will er mit seinem Sohn eine Fertigung für Pralinen und andere Schokoladenprodukte aufbauen. Laut dem Berater gilt Ballet als Fachmann für Sanierungen in der Süßwarenbranche, früher arbeitete er unter anderem für die belgische Traditionsbäckerei Jules Destrooper.[1]
Gekauft hat Ballet die Rechte an der Marke und praktisch alle Maschinen und Teile der acht Produktionslinien aus Westönnen. Die alten Anlagen sollen in Belgien modernisiert und in einer anderen Halle wieder aufgebaut werden. Der Berater begründet das mit Potenzialen, die am alten Standort zuletzt nicht mehr voll genutzt worden seien. Das neue Unternehmen will auch frühere DreiMeister-Kunden beliefern. Ob Name und Logo weiter auf den Schachteln stehen, sei noch nicht entschieden.[1]
Warum fand DreiMeister keinen Investor?
DreiMeister geht auf drei Konditoreien in Werl, Lippstadt und Hamm zurück. 1973 gründete Hans Schröder die Firma, 1988 zog sie nach Westönnen.[1] Am 21. Mai 2026 ordnete das Amtsgericht Arnsberg auf Antrag der Geschäftsführung ein vorläufiges Verfahren in Eigenverwaltung an. Das Unternehmen sprach damals von einem „Restrukturierungsprozess“ und kündigte an, den Betrieb vollständig fortzuführen.[2]
Am 1. Juli eröffnete das Gericht das Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Bis dahin hatte kein Investor ein umsetzbares Angebot vorgelegt. Laut Insolvenzverwalter Michael Schütte konnten die Interessenten nicht verlässlich einschätzen, welche Kunden und Lieferanten bleiben würden. Als Ursache der Pleite nannte er unter anderem teure Expansionspläne, die in eine Zeit stark steigender Rohstoffpreise fielen. Geschäftsführer Markus Luckey hatte neben hochpreisigen Pralinen auch günstigere Produktlinien aufbauen wollen.[3] Der Preis für Kakao war 2024 auf ein Rekordhoch gestiegen.
Warum läuft die Produktion nicht in Werl wieder an?
Zwischenzeitlich schien ein Neustart mit kleinerer Belegschaft in Westönnen möglich. Laut dem Berater scheiterte er auch an arbeitsrechtlichen Hürden.[1] Welche Hürden das waren, sagte er nicht. Eine naheliegende Frage betrifft den Betriebsübergang: Geht ein Betrieb oder Betriebsteil durch Rechtsgeschäft auf einen neuen Inhaber über, tritt dieser nach § 613a BGB in die bestehenden Arbeitsverhältnisse ein.[4] Wer Anlagen am alten Ort mit Teilen der alten Belegschaft weiterbetreibt, muss diese Frage klären.
Für die früheren Beschäftigten ändert der Verkauf wenig. Weil die Insolvenzmasse die Gehälter in der Kündigungsfrist nicht deckte, hatten sie laut Schütte vom ersten Tag an Anspruch auf Arbeitslosengeld. Um die Formalitäten zu erleichtern, kamen Mitarbeiter der Arbeitsagentur schon zur Betriebsversammlung am 1. Juli.[3] In Waregem dürften laut dem Berater deutlich weniger Menschen arbeiten als zuletzt in Westönnen.[1]
Was bedeutet der Fall für die Branche?
DreiMeister ist nicht der einzige Fall, in dem Produktion und Anlagen Deutschland verlassen. Der Zigarrenhersteller Villiger zieht seine Fertigung aus Waldshut-Tiengen bis Ende 2027 in die Schweiz und nach Indonesien ab, 40 Stellen fallen weg. In Aalen stellt der Textilveredler Lindenfarb Ende Oktober den Betrieb ein, für rund 100 Beschäftigte fand sich kein Investor. In der Süßwarenbranche selbst ist das Bild gemischt: Haribo stoppte sein geplantes Werk in Neuss, Mars investiert dagegen 85 Millionen Euro in Viersen und Verden.
Für Händler und Großkunden, die DreiMeister-Ware im Sortiment hatten, gibt es damit wieder einen möglichen Lieferanten mit den alten Anlagen, nun aus Belgien. Wie dessen Angebot aussieht, bleibt offen, solange Vertriebs- und Produktstrategie laut dem Berater „gerade erst in der Mache“ sind.[1] Entscheiden dürfte sich das mit dem Produktionsstart in Waregem, geplant spätestens für Januar 2027.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Soester AnzeigerPralinenhersteller DreiMeister wird nach Insolvenz belgisch: 25 bis 30 Lkw rollen ab Ende Oktober
- Soester AnzeigerInsolvenz bei Süßwarenhersteller DreiMeister in Werl-Westönnen
- Soester AnzeigerPralinenhersteller DreiMeister in Werl-Westönnen wird abgewickelt: 100 Mitarbeiter verlieren ihren Job
- Bürgerliches Gesetzbuch§ 613a Rechte und Pflichten bei Betriebsübergang (abgerufen 22.10.2026)