Weder Palantir noch die US-Regierung können das KI-System Maven abschalten, das das Nato-Hauptquartier in Europa nutzt. Das versicherte Palantirs Europachef Louis Mosley der Nachrichtenagentur Reuters in Brüssel. Die Bundeswehr verzichtet für ihre eigenen Daten trotzdem auf die Software, aus einem anderen Grund.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen„Es gibt keine Ausschalter“, sagte Louis Mosley am Mittwoch in Brüssel. Der für Großbritannien und Europa zuständige Palantir-Manager reagierte damit auf die Sorge europäischer Regierungen, US-Technik lasse sich im Ernstfall aus der Ferne abstellen.[1] Den Anlass lieferte SpaceX: Der Satellitendienst Starshield funktionierte in der Ukraine zuletzt nur noch eingeschränkt.
Das Wichtigste in Kürze
- Palantir-Europachef Louis Mosley sagt, weder das Unternehmen noch die US-Regierung könnten das Maven Smart System der Nato abschalten.
- Ob Palantir-Mitarbeiter das System bedienen, entscheidet nach seinen Worten der Kunde. Diese Mitarbeiter wären Staatsbürger des jeweiligen Landes und sicherheitsüberprüft.
- Die Nato kaufte Maven 2025 für ihr Hauptquartier SHAPE, seit dem 22. Juni 2026 gilt das System dort als voll einsatzfähig.
- Deutschland und Frankreich setzen Maven für ihre eigenen Streitkräfte nicht ein.
Warum muss Palantir die Europäer beruhigen?

Die Ukraine meldete in der vergangenen Woche, dass Terminals des militärischen Satellitendienstes Starshield auf Fahrzeugen und Drohnen bei hoher Geschwindigkeit nicht mehr funktionierten. Starshield nutzt die Starlink-Satelliten von SpaceX. Betroffen waren unter anderem Abfangdrohnen gegen russische Angriffe.[1] Ab welcher Geschwindigkeit die Verbindung abreißt, legt SpaceX zentral im eigenen Netz fest, ein Zugriff auf die Geräte im Einsatz ist dafür nicht nötig.
Regierungsvertreter in Washington und Kiew sowie SpaceX-Chef Elon Musk erklärten die Störung unterschiedlich. Ukrainische und europäische Beamte vermuten laut Reuters ein politisches Motiv, weil US-Präsident Donald Trump kurz zuvor ein Ende der ukrainischen Angriffe auf russische Ölraffinerien verlangt hatte.[1] In Europa wuchs damit die Sorge, die eigene Verteidigung hänge an US-Technik, die jederzeit abgeschaltet werden kann.
Was sagt Palantir über die Kontrolle von Maven?
Mosley nannte die Berichte über Starlink „äußerst besorgniserregend“. Für Palantir versicherte er aber ausdrücklich, dass Kunden, die die Software gekauft haben, den Betrieb vollständig selbst in der Hand hätten. Weder Palantir noch die US-Regierung hätten die Möglichkeit, von außen in das System einzugreifen und es abzuschalten.[1]
Die Nato kaufte die KI-Plattform 2025 für ihr militärisches Hauptquartier in Europa, das Supreme Headquarters Allied Powers Europe (SHAPE) im belgischen Mons. Am 22. Juni 2026 erreichte Maven Smart System dort die volle technische Einsatzfähigkeit.[2] Auch mehrere europäische Streitkräfte arbeiten mit dem System.[1] In der Mitteilung zu diesem Schritt betonte der für Cyberabwehr und digitale Transformation zuständige Beigeordnete Nato-Generalsekretär Jean-Charles Ellermann-Kingombe, Daten müssten sicher und unter Wahrung der nationalen Souveränität ausgetauscht werden.[2]
Ein fehlender Ausschalter macht Europa noch nicht unabhängig. Updates und Wartung kommen weiter vom Hersteller, in der Nato laut Bundeswehr sogar das Bedienpersonal.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Warum verzichtet die Bundeswehr trotzdem auf Maven?
Für Berlin ging es bisher weniger um einen Ausschalter als um das Personal. Im April schloss Vizeadmiral Thomas Daum, Inspekteur des Cyber- und Informationsraums der Bundeswehr, Palantir für die geplante militärische Datencloud aus. Über die Bedienung von Maven sagte Daum dem Handelsblatt: „Das machen in der Nato tatsächlich Vertreter der Industrie, also der Firma Palantir.“ Mitarbeitern aus der Industrie Zugriff auf den nationalen Datenbestand zu geben, sei derzeit „unvorstellbar“.[3]
Zu diesem Punkt sagte Mosley, der Einsatz von Palantir-Mitarbeitern liege „vollständig im Ermessen des Kunden“. Solche Mitarbeiter wären Staatsbürger des jeweiligen Landes und hätten die nötige Sicherheitsüberprüfung. Die Software lasse sich völlig unabhängig von Palantir betreiben, das täten viele Kunden aus Militär und Wirtschaft.[1]
Die Bundeswehr wählte laut Handelsblatt für ihre Cloud zwei deutsche Anbieter und einen französischen aus: Almato aus Stuttgart, eine Tochter der Datagroup, das Berliner Start-up Orcrist und Chapsvision aus Paris. Die Software sollte im Sommer geprüft und der Auftrag bis zum Jahresende vergeben werden.[3] Der Radarhersteller Hensoldt will sich außerdem als nationales Palantir aufstellen. Seine Software MDOcore führt Sensordaten aus verschiedenen Quellen zusammen.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Reuters (Abdruck The Star)Palantir says it cannot shut off NATO AI system as Europeans fear US tech dependence
- Supreme Headquarters Allied Powers Europe (SHAPE), Abdruck GlobalSecurity.orgNATO Maven Smart System Achieves Full Technical Operational Capability
- CIO, dpaVeto gegen Palantir: Bundeswehr verbannt US-Software aus KI-Cloud
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