US-Kriegsminister Pete Hegseth hat Anduril-Gründer Palmer Luckey, Elon Musk und Newt Gingrich an die Spitze von Project Meridian gesetzt. Die Studie soll bis zum 28. Januar 2027 klären, welche Waffen das US-Militär braucht. Die Firmen von Luckey und Musk verkaufen dem Pentagon bereits Drohnen, Marschflugkörper und Raketenstarts.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAuf dem Marinestützpunkt Quantico hat Hegseth am 30. September die Leitung von Project Meridian vorgestellt: Anduril-Mitgründer Palmer Luckey, SpaceX-Chef Elon Musk und Newt Gingrich, früher Sprecher des Repräsentantenhauses.[1] Im unterzeichneten Memo steht keiner der drei Namen.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Der Meridian-Bericht erscheint öffentlich, dazu kommt ein geheimer Anhang.
- Anduril liefert dem Pentagon ab 2027 mindestens 3.000 Marschflugkörper vom Typ Barracuda-500M.
- In Polen soll der Staatskonzern PGZ den Barracuda bauen, die Bundeswehr kauft Kampfdrohnen bei Rheinmetall.
Was soll Project Meridian leisten?

Project Meridian soll Fähigkeitslücken des US-Militärs finden und Lösungen vorschlagen, aber keine neuen Strategiepapiere schreiben.[3] Hegseths Memo vom 30. September nennt künstliche Intelligenz, Autonomie, Waffen mit gerichteter Energie, Robotik und Biotechnologie als Felder, die die Kriegsführung verändern.[2]
„Wir werden nicht nur die Kriege von heute untersuchen, sondern ernsthaft über die Kriege nachdenken, die wir uns 2030, 2050 und 2100 nicht leisten können, und darüber, was Amerika jetzt bauen muss, um sie zu verhindern“, sagte Luckey gegenüber Axios über den Auftrag.[3]
Warum sitzt ein Rüstungslieferant am Planungstisch?
Luckey und Musk sollen Lücken benennen, die ihre eigenen Firmen schließen könnten. Anduril hat im Mai mit dem Kriegsministerium einen Rahmenvertrag über mindestens 3.000 Marschflugkörper vom Typ Barracuda-500M unterschrieben, die Lieferungen an die US-Armee beginnen im ersten Halbjahr 2027.[4] Mit dem Flugtaxi-Hersteller Archer entwickelt Anduril zudem eine autonome Kampfdrohne.
Pentagon-Technikchef Emil Michael beauftragt die Studie über eine Partnerorganisation, die das Memo nicht benennt.[2] Ständige Beratergremien des Pentagons wie das Defense Science Board fallen dagegen unter den Federal Advisory Committee Act, der öffentliche Sitzungen und eine Beteiligung der Öffentlichkeit vorschreibt.[5] Ob diese Transparenzregeln für Meridian mit seinem geheimen Anhang greifen, lässt das Memo offen. Michael hatte schon im Dezember gesagt, er wünsche sich „fünf weitere Andurils, Palantirs und SpaceXs“.[3] Den KI-Anbieter Anthropic hat dasselbe Ministerium als Lieferkettenrisiko eingestuft.
- Rolle: Mitgründer des Rüstungskonzerns Anduril
- Mindestens 3.000: Marschflugkörper Barracuda-500M für die US-Armee ab 2027
- Rund 53 Mrd. €: Bewertung von Anduril seit Mai 2026
- Rolle: Chef von SpaceX
- Pentagon-Geschäft: Satellitenstarts für das US-Militär
- Neu: erste Regierungsrolle seit dem Abschied von DOGE
- Rolle: früherer Sprecher des US-Repräsentantenhauses
- Pentagon-Geschäft: keines bekannt
- 18.06.2025Rheinmetall und Anduril kündigen eine Partnerschaft für Drohnen sowie Raketenmotoren in Europa an
- 22.04.2026Die Bundeswehr bestellt Kampfdrohnen FV-014 bei Rheinmetall, erster Abruf rund 300 Mio. €
- 13.05.2026Anduril unterschreibt den Barracuda-Rahmenvertrag mit dem Kriegsministerium
- 06.07.2026PGZ soll den Barracuda-500M im polnischen Bydgoszcz bauen
- 23.07.2026Laut Bloomberg ist die Partnerschaft mit Rheinmetall deutlich geschrumpft
- 30.09.2026Hegseth beauftragt Project Meridian unter Leitung von Luckey, Musk und Gingrich
- 28.01.2027Spätester Termin für den Bericht an den Kriegsminister
Das Pentagon lässt zwei Lieferanten mitbestimmen, welche Waffen das US-Militär künftig kauft. Europäische Einkäufer sollten den Meridian-Bericht im Januar deshalb als Marktsignal lesen: Jede Fähigkeitslücke darin ist die Ausschreibung von morgen.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet Meridian für Europas Rüstungseinkauf?
Die Empfehlungen aus Washington treffen auf ein Europa, das Rüstungsgeld an eigene Fertigung bindet. Das EU-Programm SAFE vergibt Kredite über bis zu 150 Milliarden Euro, sofern mindestens 65 Prozent der Bauteilkosten auf die EU, den EWR oder die Ukraine entfallen.[6] Den Barracuda-500M für Polen soll der Staatskonzern PGZ in Bydgoszcz bauen, Ziel ist ein SAFE-konformes Produkt mit überwiegend europäischen Teilen.[7]
Andurils 2025 angekündigte Partnerschaft mit Rheinmetall ist laut Bloomberg seit Juli deutlich kleiner. Geplant war, europäische Versionen von Anduril-Drohnen in die Software-Plattform Battlesuite des Düsseldorfer Konzerns einzubinden. Am Drohnen-Boom in Deutschland verdienen bislang Rheinmetall, Helsing und Stark; Rheinmetall liefert der Bundeswehr ab 2027 Kampfdrohnen vom Typ FV-014, der erste Abruf umfasst rund 300 Millionen Euro.[8]
Für Zulieferer in der DACH-Region folgt daraus:
- Prüfen Sie den öffentlichen Meridian-Bericht gerne auf Fähigkeitslücken, für die Ihr Unternehmen Komponenten liefern kann.
- Klären Sie mit US-Partnern früh, welcher Anteil der Bauteilkosten in der EU entsteht, damit ein gemeinsames Produkt für SAFE-Kredite infrage kommt.
FAQ: Palmer Luckey soll dem Pentagon sagen, welche Waffen fehlen: Der Anduril-Gründer verkauft selbst welche
Wer ist Palmer Luckey?
Palmer Luckey ist ein US-Unternehmer, der 2012 den VR-Brillen-Hersteller Oculus gründete und 2017 den Rüstungskonzern Anduril Industries mitgründete. Facebook kaufte Oculus 2014 für umgerechnet rund 1,7 Milliarden Euro. Seit dem 30. September 2026 leitet Luckey gemeinsam mit Elon Musk und Newt Gingrich die Pentagon-Studie Project Meridian.
Was stellt Anduril her?
Anduril Industries aus Kalifornien baut autonome Waffensysteme, darunter Drohnen, Abfangsysteme, Störsender, Raketenmotoren und den Marschflugkörper Barracuda. Gesteuert werden die Systeme über die eigene Software Lattice. 2025 hat Anduril seinen Umsatz auf umgerechnet rund 1,9 Milliarden Euro mehr als verdoppelt.
Warum heißt das Pentagon jetzt Kriegsministerium?
Donald Trump hat am 5. September 2025 per Dekret erlaubt, das US-Verteidigungsministerium als Department of War zu bezeichnen, wie das frühere Kriegsministerium bis 1947 hieß. Pete Hegseth tritt seitdem als Kriegsminister auf. Den offiziellen Namen kann nur der Kongress per Gesetz ändern.
Was ist das EU-Programm SAFE?
SAFE (Security Action for Europe) ist ein Kreditprogramm der EU über bis zu 150 Milliarden Euro für den gemeinsamen Einkauf von Rüstungsgütern. Der Rat hat SAFE am 27. Mai 2025 beschlossen. Gefördert werden nur Produkte, deren Bauteilkosten zu mindestens 65 Prozent auf die EU, den EWR oder die Ukraine entfallen.
Quellen
[1] U.S. Department of War: „Secretary Hegseth Announces Six Major Initiatives at Quantico Speech“
[2] U.S. Department of War: „Commissioning of Project Meridian: The Future of Warfare“ (Memo, PDF)
[3] Axios: „Musk returns to Trump world for Pentagon war study“
[4] Anduril: „Anduril, Department of War Sign Production Agreement for Surface-Launched Barracuda-500M“
[5] U.S. General Services Administration: „The Federal Advisory Committee Act“
[6] Rat der Europäischen Union: „SAFE: Council adopts €150 billion boost for joint procurement on European security and defence“
[7] Anduril: „PGZ and Anduril to Produce Surface-Launched Barracuda-500M in Bydgoszcz“
[8] Rheinmetall: „Major order worth billions: Rheinmetall to supply the Bundeswehr with FV-014 loitering munition“
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