Wer in China ein KI-Modell über eine Cloud-Schnittstelle nutzt, zahlt 2026 im Schnitt 13,46 Yuan je Million Token, umgerechnet 1,80 Euro. Das ist fast doppelt so viel wie im zweiten Halbjahr 2025, wie Messungen des staatlichen Forschungsinstituts CAICT zeigen. Modelle aus dem Ausland kosten trotzdem fast neunmal so viel.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenAnfang 2025 löste DeepSeek mit Kampfpreisen einen Preissturz bei Sprachmodellen aus. Im August 2026 kündigte das Start-up selbst höhere Tarife an. Ein Bericht vom Donnerstag zeigt: Die Preise in China sind 2026 auf breiter Front gestiegen.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Der durchschnittliche Preis je Million Token stieg von 6,8 Yuan im zweiten Halbjahr 2025 auf 13,46 Yuan in den ersten acht Monaten 2026, also von 0,91 auf 1,80 Euro.
- Modelle aus dem Ausland, die 2026 erschienen sind, kosten im Schnitt 117,8 Yuan je Million Token, rund 15,75 Euro.
- Im Juni verbrauchten Nutzer in China rund 500 Billionen Token pro Tag, fast viermal so viele wie im Dezember 2025.
Was hat das CAICT gemessen?

Das CAICT (China Academy of Information and Communications Technology) ist ein Forschungsinstitut des Industrieministeriums MIIT. Es hat den Bericht am 23. Oktober zusammen mit einem Prüflabor des Ministeriums und dem Branchenverband AIIA veröffentlicht. Grundlage sind Messungen von Januar bis August 2026 bei Anbietern, die Modelle über öffentliche Cloud-Schnittstellen verkaufen. Erfasst wurden Erfolgsquote der Aufrufe, Ausgabegeschwindigkeit, Wartezeit bis zum ersten Token, Stabilität, Preis und Länge des Kontextfensters.[1]
Für den Vergleich rechnet das Institut die Tarife auf einen einheitlichen Preis je Million Token um. Wie es dabei Eingabe und Ausgabe gewichtet, geht aus den veröffentlichten Auszügen nicht hervor. Im Juni hatte das CAICT für die ersten Monate 2026 noch 10,3 Yuan genannt, umgerechnet 1,38 Euro und 51 Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2025.[2] Bis August stieg der Wert auf 13,46 Yuan.[1]
Schneller wurden die Dienste auch. Im August gaben chinesische Modelle im Schnitt 78,23 Token je Sekunde aus, doppelt so viele wie 2025. Gängige Modelle aus dem Ausland kamen auf 112,82 Token. Die Wartezeit bis zum ersten Token stieg in China dagegen auf 1,26 Sekunden, nach 0,78 Sekunden im Jahr 2025. Das CAICT führt das auf größere Modelle, längere Eingaben und mehr Aufrufe zurück.[1]
Warum werden die Token teurer?
Eine Ursache für den Preisanstieg nennen die veröffentlichten Auszüge nicht. Sie zeigen aber, wie schnell die Nachfrage wächst. Im Juni verbrauchten Nutzer rund 500 Billionen Token am Tag, fast viermal so viele wie im Dezember 2025. Zugleich verarbeiten 47,8 Prozent der gemessenen Modelle eine Million Token am Stück, 95,7 Prozent mindestens 200.000.[1] Jede längere Eingabe kostet Rechenzeit.
Einzelne Anbieter haben ihre Tarife bereits umgestellt. DeepSeek rechnet seit dem 16. August nach Tageszeit ab, die Spitzenzeit fällt auf den Vormittag in Europa. Zhipu verkauft das Abo für sein Programmierwerkzeug GLM Coding wie Prepaid-Guthaben über Tmall und wies für das erste Halbjahr einen Nettoverlust von 2,07 Milliarden Yuan aus, rund 277 Millionen Euro. Auch im Westen steigen die Preise: Für Googles Gemini 4 Argon zahlen Entwickler ab Dezember das Doppelte.
Der niedrige Token-Preis war für viele Firmen das Argument für chinesische Modelle. Wer heute ein KI-Budget plant, sollte mit dem Doppelten rechnen und die Kosten je erledigter Aufgabe vergleichen.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Firmen in Europa?
Der Abstand bleibt groß. Modelle aus dem Ausland kosten je Million Token 117,8 Yuan, chinesische 13,46 Yuan.[1] Der Listenpreis sagt allerdings wenig über die Rechnung. Laut dem Juni-Bericht des CAICT verbrauchen chinesische Modelle für eine Aufgabe meist mehr Token, ausländische weniger. Die höchsten Gesamtkosten verursachten trotzdem GPT und Claude.[2] Warum der Preis pro Million Token als Vergleich in die Irre führt, hat Dr. Web im Juli erklärt.
Für Firmen, die offene Modelle wie DeepSeek, Qwen, GLM oder Kimi bei fremden Anbietern beziehen, zählt ein zweiter Befund. Dasselbe Modell lief je nach Plattform bis zu doppelt so schnell, manche Drittanbieter waren schneller als der Hersteller selbst. Das CAICT führt das darauf zurück, dass die Plattformen dasselbe Modell unterschiedlich stark beschleunigen und optimieren und unterschiedlich stark auf die Kosten achten.[1] Ein Anbieter kann ein Modell auch in einer abgespeckten Fassung betreiben, die ungenauer rechnet, ohne dass es auf der Rechnung steht.
Wer die Schnittstelle eines Herstellers in China direkt nutzt, überträgt Daten in ein Land, für das die EU-Kommission keinen Angemessenheitsbeschluss nach der DSGVO gefasst hat.[3] Den Preisvorteil, der für solche Dienste spricht, schmälert der Anstieg. Aufgehoben ist er bei einem fast neunfachen Abstand nicht.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- IT HomeBericht: Durchschnittspreis chinesischer KI-Modelle verdoppelt sich 2026, Token je Sekunde ebenfalls (chinesisch, 23. Oktober 2026, Zusammenfassung des CAICT-Berichts zur Leistung von Token-Diensten 2026)
- WedoanyCAICT veröffentlicht Messergebnisse 2026 zu Token-Diensten großer Modelle in der öffentlichen Cloud (chinesisch, 7. Juli 2026, Zusammenfassung des Juni-Berichts)
- Europäische KommissionAdequacy decisions (englisch, abgerufen am 23. Oktober 2026)
Mehr Newshunger?
- DeepSeek dreht den Preiskampf um: die Billig-KI wird teurer
- DeepSeek staffelt die KI-Preise nach Uhrzeit: tagsüber bis zum Viereinhalbfachen
- Google gibt Gemini 4 Argon für zahlende Kunden frei, ab Dezember kostet die API das Doppelte
- DeepSeek per API: Der günstige Preis liefert ein geschrumpftes Modell
- Zhipu verkauft KI-Tokens wie Handyguthaben, trotz 265 Millionen Euro Verlust
- Nvidias KI-Server werden laut Bloomberg mehr als 15 Prozent teurer
