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Microsofts Diagnosesystem MAI-DxO hat in einer Studie im Fachjournal Science 83 Prozent schwieriger Krankheitsfälle richtig erkannt, Allgemeinmediziner mit Nachschlagewerken kamen auf 36 Prozent.[1] Für Mustafa Suleyman, Chef von Microsoft AI, ist das ein Schritt zur „medizinischen Superintelligenz“. Seine Sparte übernimmt die Gesundheitsteams des Konzerns, und er rechnet 2027 mit einem Durchbruch bei Patientenakten.[2] Die besten Werte erzielte das System allerdings mit Modellen von OpenAI.

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Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Science-Studie vom 22. Oktober misst MAI-DxO an 304 komplexen Fällen und an typischen Fällen aus der Notaufnahme, jeweils in einer Simulation.
  • Microsoft bündelt Forscher von Microsoft Research und die Teams hinter Dragon Copilot und PowerScribe in Suleymans Sparte.
  • Mit der Mayo Clinic baut Microsoft ein eigenes Basismodell für die Medizin, die Veröffentlichung ist laut Suleyman für 2027 geplant.
  • In der EU wäre ein solches System ein Medizinprodukt, die Hochrisiko-Pflichten der KI-Verordnung greifen dafür ab August 2028.

Was zeigt die Science-Studie?

Weißes Stethoskop mit Etikett „Zweite Meinung“ und einem Sensor, isoliert auf Weiß
Microsoft testete KI-Ärzte mit SDBench: System bewertet Diagnosegenauigkeit, angeforderte Untersuchungen und Kosten basierend auf 304 Fallberichten

Getestet hat Microsoft mit einem eigenen Prüfverfahren namens SDBench. Jeder Fall beginnt mit wenigen Angaben. Die KI oder der Arzt fragt nach, ordnet Untersuchungen an und legt sich am Ende auf eine Diagnose fest. Gemessen werden Trefferquote, angeforderte Befunde und die geschätzten Kosten der Untersuchungen. Grundlage sind 304 Fallberichte aus dem New England Journal of Medicine und Fälle aus der Notaufnahme aus dem Datensatz MIMIC-IV-ED.[1]

MAI-DxO arbeitet wie ein Gremium virtueller Ärzte: Mehrere KI-Agenten schlagen Diagnosen vor, wählen Fragen und Tests aus und widersprechen einander über mehrere Runden. Bei den schweren Fällen lag das System bei 83 Prozent, die Ärzte bei 36 Prozent mit Lehrbüchern und Internet und bei 22 Prozent ohne. Bei den Fällen aus der Notaufnahme stand es 80 zu 47 Prozent.[1] Eine stärker auf Kosten getrimmte Einstellung erreichte 81 Prozent bei weniger als der Hälfte der Untersuchungskosten vergleichbarer Systeme.

Die Grenzen nennt TechCrunch: Verglichen wurde mit Hausärzten und Internisten, die allein arbeiteten. Fachärzte oder Ärzteteams, die solche Fälle im Alltag übernehmen, waren nicht dabei.[2] Im Vorabbericht vom Juni 2025 hatte Microsoft noch bis zu 85 Prozent und eine mehr als viermal höhere Trefferquote als erfahrene Ärzte genannt.[3] Die begutachtete Fassung fällt vorsichtiger aus. Teile des Prüfverfahrens stellt Microsoft als Open Source bereit, damit andere die Ergebnisse nachrechnen können.[1]

Was hat Suleyman vor?

Die Medizin ist Suleymans erklärtes Vorzeigeprojekt. Im November 2025 beschrieb er in einem Grundsatztext, was er „humanistische Superintelligenz“ nennt: keine KI, die alles kann, sondern Systeme mit Spezialwissen für einzelne Fachgebiete. Als erstes Beispiel nannte er die Diagnose-KI.[4] Im Juni 2026 vereinbarte Microsoft mit der Mayo Clinic, ein eigenes Basismodell für die Medizin zu entwickeln, also ein großes KI-Modell, auf dem weitere Anwendungen aufbauen.[5] Veröffentlicht werden soll es laut Suleyman im kommenden Jahr. „Ich glaube wirklich, dass wir 2027 bei Patientenakten kurz vor einem Durchbruch stehen, wie wir ihn beim Programmieren erlebt haben“, sagte er TechCrunch. Innerhalb von 24 bis 36 Monaten sollen Medizinmodelle nach seiner Erwartung um eine Größenordnung besser werden.[2]

Auch organisatorisch wächst seine Sparte. Microsoft führt die Gesundheitsteams des Konzerns bei Microsoft AI zusammen, darunter Forscher von Microsoft Research und die Teams hinter dem Dokumentationsassistenten Dragon Copilot und der Radiologie-Software PowerScribe.[1] „Wir müssen in den nächsten Jahren die mit Abstand besten Produkte zur klinischen Entscheidungsunterstützung haben“, sagte Suleyman. Als Nächstes testet Microsoft das System mit dem Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston an echten Patienten, parallel zur regulären Behandlung.[2]

Die Studie legt einen Zielkonflikt offen. Suleymans Sparte baut eigene Modelle, damit Microsoft weniger von OpenAI abhängt, und er hat angekündigt, die Zahlungen an fremde Anbieter wie Anthropic zu senken (Copilot ohne OpenAI: Microsoft schaltet in Excel und Outlook auf eigene KI-Modelle um). Getestet hat Microsoft MAI-DxO mit Modellen von OpenAI, Google, Anthropic, Meta und DeepSeek, die besten Ergebnisse lieferten OpenAIs GPT-5 und GPT-5.5. Laut TechCrunch stammt ein großer Teil des Fortschritts aus den stärkeren Basismodellen. Mit GPT-5.5 stieg die Trefferquote bei den schweren Fällen von 72 auf fast 87 Prozent, in der Notaufnahme lagen beide Varianten bei rund 85 Prozent.[2] Ein eigenes Medizinmodell mit der Mayo Clinic ist deshalb der Teil des Plans, der über den Erfolg entscheidet.

Die Studie zeigt vor allem, wie gut die Basismodelle inzwischen sind, und die stärksten kommen von OpenAI. Microsofts eigener Beitrag wird erst messbar, wenn das Mayo-Modell da ist und im Krankenhaus besteht.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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MAI-DxO: Was die Science-Studie misst
Ergebnisse, Abhängigkeit und Fahrplan, Stand 23. Oktober 2026
Schwere Fälle (NEJM)
304 Fälle, Simulation
83 % statt 36 %

Trefferquote MAI-DxO gegenüber Allgemeinmedizinern mit Nachschlagewerken. Ohne Hilfsmittel: 22 %. Fachärzte waren nicht beteiligt.

Notaufnahme (MIMIC-IV-ED)
Typische Fälle
80 % statt 47 %

Eine auf Kosten getrimmte Einstellung kam bei den schweren Fällen auf 81 % bei weniger als der Hälfte der Untersuchungskosten.

Wer rechnet im Hintergrund?
  • Beste Werte: OpenAI GPT-5 und GPT-5.5
  • GPT-5.5, schwere Fälle: 72 % allein, fast 87 % mit MAI-DxO
  • Notaufnahme: beide Varianten bei rund 85 %
  • Ebenfalls getestet: Google, Anthropic, Meta, DeepSeek
Suleymans Fahrplan
  • Nov. 2025: Grundsatztext zur Superintelligenz
  • Juni 2026: Basismodell mit der Mayo Clinic vereinbart
  • Okt. 2026: Science-Studie, Klinikstudie in Boston
  • 2027: Veröffentlichung des Mayo-Modells geplant
Rahmen in der EU
KI-Verordnung, Hochrisiko
ab 2.8.2028

Diagnose-Software ist nach der Medizinprodukteverordnung mindestens Klasse IIa und braucht eine Benannte Stelle.

Was bedeutet das für Kliniken in Deutschland?

Suleymans Sparte ist in deutschen Kliniken bereits vertreten. Dragon Copilot, der Gespräche zwischen Arzt und Patient mitschreibt und daraus Notizen erstellt, ist seit Oktober 2025 für alle Kliniken und Praxen in Deutschland erhältlich. Getestet hatten ihn vorher die Charité in Berlin sowie Kliniken in Mannheim, Stuttgart, Halle (Saale) und Hannover.[6] Wächst die Diagnose-KI in dieselben Produkte hinein, kaufen Kliniken künftig Dokumentation und Diagnosevorschläge beim selben Anbieter.

Rechtlich wäre das ein anderer Schritt als ein Schreibassistent. Software, die Informationen für Diagnose- oder Therapieentscheidungen liefert, gilt nach der EU-Medizinprodukteverordnung mindestens als Produkt der Klasse IIa und braucht eine Prüfung durch eine Benannte Stelle.[7] Diesen Weg ist in Deutschland etwa Prof. Valmed gegangen, dessen Sprachmodell als Medizinprodukt der Klasse IIb zugelassen ist (Zertifizierte KI für Ärzte: Telekom bringt Prof. Valmed in Klinik und Praxis). Hinzu kommt die KI-Verordnung: Für KI in Medizinprodukten gelten die Hochrisiko-Pflichten nach der Verschiebung durch den digitalen Omnibus, ein Änderungspaket der EU-Kommission, ab dem 2. August 2028 (KI-Verordnung: Hochrisiko verschoben, Bußgeld bleibt).

Für Klinikleitungen und IT-Verantwortliche heißt das: Suleymans Zeitplan für 2027 betrifft zunächst die USA, die Mayo Clinic und Studien in Boston. Ein Diagnosesystem, das in Europa ohne CE-Kennzeichnung im Klinikalltag eingesetzt wird, wäre nicht zulässig. Laufende Verträge über Dragon Copilot sollten Kliniken trotzdem darauf prüfen, welche Funktionen künftig hinzukommen und wer dann als Hersteller haftet. Mit deutschen Partnern arbeitet Microsoft ebenfalls an Medizinanwendungen, zuletzt mit Boehringer Ingelheim (Boehringer Ingelheim und Microsoft erproben digitale Patientenzwillinge).

FAQ: Mustafa Suleyman und Microsofts Diagnose-KI

Was ist MAI-DxO?

MAI-DxO ist ein Diagnosesystem von Microsoft AI. Mehrere KI-Agenten arbeiten darin wie ein Ärztegremium: Sie fragen nach, ordnen Untersuchungen an, widersprechen einander und legen sich auf eine Diagnose fest. Es nutzt Sprachmodelle anderer Anbieter, die besten Werte erzielte es mit GPT-5 und GPT-5.5 von OpenAI.

Ist MAI-DxO besser als Ärzte?

In der Science-Studie lag MAI-DxO bei 304 schweren Fällen bei 83 Prozent, Allgemeinmediziner mit Nachschlagewerken bei 36 Prozent. Getestet wurde in einer Simulation, Fachärzte und Ärzteteams waren nicht beteiligt. Eine Studie mit echten Patienten in Boston beginnt erst.

Kann eine Klinik in Deutschland MAI-DxO nutzen?

Nein, MAI-DxO ist ein Forschungssystem und kein zugelassenes Produkt. Diagnose-Software gilt in der EU als Medizinprodukt mindestens der Klasse IIa und braucht eine Prüfung durch eine Benannte Stelle. Für KI in Medizinprodukten gelten die Hochrisiko-Pflichten der KI-Verordnung ab dem 2. August 2028.

Welche Rolle spielt Mustafa Suleyman bei Microsoft?

Suleyman leitet seit 2024 Microsoft AI, die Sparte für Copilot und eigene KI-Modelle. Er hat DeepMind mitgegründet. Microsoft bündelt bei ihm jetzt auch die Gesundheitsteams, darunter die Teams hinter Dragon Copilot und PowerScribe, und baut mit der Mayo Clinic ein Medizinmodell.

Quellen

7 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Microsoft AIBuilding Medical Superintelligence (englisch), 22. Oktober 2026; Studie: Nori u. a., Sequential diagnosis with language models, Science22.10.2026
  2. TechCrunchMicrosoft’s Mustafa Suleyman says its AI outperforms doctors on hard cases as he chases ‘medical superintelligence’ (englisch)22.10.2026
  3. Microsoft AIThe Path to Medical Superintelligence (englisch)30.06.2025
  4. Mustafa Suleyman, Microsoft AITowards Humanist Superintelligence (englisch)06.11.2025
  5. MicrosoftMayo Clinic and Microsoft collaborate to develop a frontier AI model for healthcare (englisch)02.06.2026
  6. Microsoft DeutschlandNach erfolgreicher Pilotphase: Microsoft Dragon Copilot für Deutschlands Kliniken und Praxen ab sofort allgemein verfügbar07.10.2025
  7. EUR-LexVerordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte, Anhang VIII, Regel 11, abgerufen am 23. Oktober 2026

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