Eine zertifizierte KI erreicht deutsche Arztpraxen, und der entscheidende Unterschied zu ChatGPT steht nicht im Funktionsumfang, sondern im Prüfsiegel. Die Deutsche Telekom präsentiert dazu am 8. September auf der Digital X in Köln ihre Partnerschaft mit dem Start-up Prof. Valmed. Der Anbieter nennt sein System das erste in Deutschland als Medizinprodukt zugelassene große Sprachmodell.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Telekom und Prof. Valmed bringen eine CE-zertifizierte KI der Klasse IIb zur Diagnose- und Therapieunterstützung in Kliniken und Praxen.
  • Das Modell greift ausschließlich auf eine geprüfte Bibliothek mit über 2,5 Millionen medizinischen Dokumenten zu, nicht auf offenes Webwissen.
  • Alle Daten verarbeitet der Anbieter in Deutschland, geplant über die T Cloud mit BSI-C5- und ISO-27001-Nachweis.
  • Die Zulassung als Medizinprodukt unterwirft die KI der EU-Medizinprodukteverordnung und dem AI Act, die Haftung bleibt beim behandelnden Arzt.

Was kündigen Telekom und Prof. Valmed an?

Ein Stethoskop auf weißem Grund mit einem CE IIb Zertifikat-Etikett und blauer Schleife
Deutsche Telekom kooperiert mit Prof. Valmed für Medizin-KI zur Unterstützung von Hausärzten und Kliniken bei Diagnose- und Therapieentscheidungen

Die Deutsche Telekom verbindet ihre Cloud- und Beratungssparte mit der Medizin-KI des Langener Anbieters Prof. Valmed. Das gemeinsame Angebot richtet sich an Hausärzte, Kliniken und spezialisierte Fachabteilungen und liefert im Behandlungskontext geprüftes medizinisches Wissen für Entscheidungen zu Diagnose und Therapie.[1]

Der Anbieter grenzt sein Modell bewusst von allgemeinen Chatbots ab. „Ärztinnen und Ärzte müssen nachvollziehen können, wie eine Empfehlung entsteht“, sagt Vera Roedel, Geschäftsführerin von Prof. Valmed. Jede Ausgabe verweist deshalb auf die zugrunde liegende Quelle aus der internen Bibliothek.

Diese Wissensbasis umfasst über 2,5 Millionen kuratierte und validierte Dokumente, von Leitlinien bis zu Fachpublikationen. Das Modell zieht seine Antworten allein aus diesem geprüften Bestand, nicht aus dem offenen Internet. Genau diese Beschränkung senkt das Risiko erfundener Fakten, das frei trainierte Sprachmodelle in der Medizin unbrauchbar macht.

Warum braucht eine Medizin-KI die CE-Klasse IIb?

Ohne Zertifizierung darf eine Software, die ärztliche Entscheidungen beeinflusst, in der EU nicht als Medizinprodukt arbeiten. Prof. Valmed durchlief dafür ein Konformitätsverfahren nach der EU-Medizinprodukteverordnung und erhielt die CE-Kennzeichnung der Risikoklasse IIb.[1]

Die Verordnung ordnet der Klasse IIb jene Software zu, deren Fehlentscheidung zu schweren Gesundheitsschäden führen kann. Eine benannte Stelle prüft dabei Datenqualität, Risikomanagement und klinische Bewertung, bevor das Produkt auf den Markt darf. Ein frei verfügbarer Chatbot durchläuft nichts davon und bleibt rechtlich ein Informationswerkzeug.

Nach Angaben des Anbieters ist Prof. Valmed das erste in Deutschland zugelassene große Sprachmodell dieser Klasse. Den Ausschlag gab die Architektur: Das Modell antwortet nur aus der geprüften Bibliothek und macht jede Empfehlung über die Quelle nachvollziehbar. Diese Nachvollziehbarkeit ist die Bedingung, unter der eine benannte Stelle ein lernendes System überhaupt zertifiziert.

Nicht das Modell entscheidet über den Markterfolg medizinischer KI, sondern das Prüfsiegel. Eine KI ohne CE-Zulassung bleibt im Behandlungszimmer ein rechtliches Risiko, kein Werkzeug.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zertifizierte Medizin-KI: die Eckdaten
Prof. Valmed und die Deutsche Telekom im Überblick
CE IIb
Risikoklasse
Zulassung als Medizinprodukt nach EU-Medizinprodukteverordnung, geprüft von einer benannten Stelle.
2,5 Mio.
Dokumente
Geprüfte medizinische Bibliothek als alleinige Wissensbasis, kein offenes Webwissen.
100 %
in Deutschland
Datenverarbeitung nach Anbieterangaben ausschließlich hierzulande, geplant über die T Cloud.
8. Sept.
Digital X 2026
Vorstellung der Partnerschaft auf der Telekom-Konferenz in Köln.

Was die Zulassung verlangt

  • Prüfung durch eine benannte Stelle vor dem Markteintritt
  • Nachvollziehbare Empfehlung mit Quelle aus der geprüften Bibliothek
  • Menschliche Aufsicht und Protokollierung nach dem EU AI Act

Was bedeutet das für Praxen und Kliniken im DACH-Raum?

Für Praxen verschiebt die Zulassung die Verantwortung nicht: Der behandelnde Arzt trifft die Entscheidung, die KI liefert nur die belegte Vorlage. Unter dem EU AI Act zählt medizinische Entscheidungssoftware als Hochrisiko-System mit Pflicht zu menschlicher Aufsicht, Protokollierung und Transparenz.

Die Telekom adressiert die Datenhoheit über den Standort: Alle Daten verarbeitet der Konzern nach eigenen Angaben ausschließlich in Deutschland, geplant über die T Cloud mit den Nachweisen ISO 27001, BSI C5 und DIN EN 50600.[1] Für Kliniken mit Patientendaten wiegt dieser Punkt oft schwerer als die reine Modellgüte.

Prof. Valmed reiht sich in eine Welle klinischer KI ein. Der chinesische Anbieter Unisound etwa vermarktet KI-Agenten für Kliniken, schreibt damit aber weiter Verluste, und Siemens Healthineers stellt die eigene KI-Strategie hinter bessere Krebstherapien. Die Zulassung nach der Medizinprodukteverordnung trennt in diesem Feld die Produkte, die ans Krankenbett dürfen, von reinen Assistenzangeboten.

Praxen und Klinikträger prüfen vor dem Einsatz zwei Dinge zuerst: die gültige CE-Zertifizierung als Medizinprodukt und den Verarbeitungsort der Patientendaten. Mit beiden Nachweisen lässt sich eine Diagnose-KI rechtssicher einführen, statt auf einen unregulierten Chatbot zu setzen. Prof. Valmed zeigt ab dem 8. September auf der Digital X, wie dieser Nachweis in der Praxis aussieht.

FAQ: Zertifizierte KI für Ärzte

Was ist Prof. Valmed?

Prof. Valmed ist eine als Medizinprodukt zertifizierte KI, die Ärztinnen und Ärzte bei Diagnose und Therapie unterstützt. Das System stammt von einem Start-up aus Langen und wird über die Deutsche Telekom in Kliniken und Praxen ausgespielt. Antworten zieht das Modell ausschließlich aus einer geprüften medizinischen Bibliothek.

Was bedeutet die CE-Klasse IIb bei einer Medizin-KI?

Die CE-Klasse IIb ist eine Risikoklasse der EU-Medizinprodukteverordnung für Software, deren Fehler schwere Gesundheitsschäden auslösen kann. Eine benannte Stelle prüft vor der Zulassung Datenqualität, Risikomanagement und klinische Bewertung. Ein gewöhnlicher Chatbot durchläuft dieses Verfahren nicht und bleibt rechtlich ein Informationswerkzeug.

Wo verarbeitet Prof. Valmed die Patientendaten?

Nach Angaben der Telekom werden alle Daten ausschließlich in Deutschland verarbeitet, geplant über die T Cloud. Die Plattform weist die Zertifizierungen ISO 27001, BSI C5 und DIN EN 50600 nach. Für Kliniken mit sensiblen Patientendaten senkt der deutsche Verarbeitungsort das Compliance-Risiko.

Haftet bei einer KI-Diagnose der Arzt oder die Software?

Die Verantwortung bleibt beim behandelnden Arzt, denn die KI liefert nur eine belegte Entscheidungsvorlage. Unter dem EU AI Act gilt medizinische Entscheidungssoftware als Hochrisiko-System und verlangt menschliche Aufsicht. Die letzte Entscheidung trifft immer der Mensch.

Ab wann ist Prof. Valmed über die Telekom verfügbar?

Das System ist nach Anbieterangaben bereits in klinischen Umgebungen im Einsatz. Die Deutsche Telekom stellt die Partnerschaft am 8. September 2026 auf der Digital X in Köln vor. Konkrete Preise nennt der Anbieter bislang nicht.

Quelle

[1] Deutsche Telekom: „Telekom und Prof. Valmed: Zertifizierte KI unterstützt Ärzte bei Diagnose und Therapie“

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