Die IT-Sparte der Lidl-Mutter und der japanische Fujitsu-Konzern wollen Cloud-Nutzung, Rechenkapazität und Hardware-Käufe künftig gemeinsam planen. Fujitsu bringt seinen Serverprozessor MONAKA mit, Schwarz Digits die Cloud STACKIT. Beträge, Termine und erste Kunden nennen die Partner nicht.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenAn den Kassen von Lidl läuft Software von GK Software aus dem vogtländischen Schöneck, einem Anbieter, für den Fujitsu 2023 ein Übernahmeangebot über 190 Euro je Aktie vorlegte.[2] Über dieses Kassengeschäft arbeiten die Schwarz Gruppe und der japanische Konzern bereits zusammen. Am 22. Oktober kündigten Fujitsu, seine Hardware-Tochter Fsas Technologies und Schwarz Digits an, auch Cloud, Rechenleistung und KI-Infrastruktur gemeinsam auszubauen.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Schwarz Digits, Fujitsu und Fsas Technologies gehen eine strategische Partnerschaft für Cloud, Rechenleistung und Infrastruktur ein.
- Die Partner wollen Cloud-Nutzung, Rechenkapazität und Hardware-Investitionen jedes Jahr gemeinsam planen.
- Fujitsu verschafft Kunden Zugang zu seinem Serverprozessor MONAKA mit 144 Arm-Kernen.
- In der EU-Ausschreibung für souveräne Cloud erreichte STACKIT die Stufe SEAL-3, die höchste Stufe SEAL-4 verlangt eine EU-Lieferkette bis zum Chip.
Was vereinbaren Schwarz Digits und Fujitsu?

Laut Mitteilung wollen die Partner ihre Zusammenarbeit gemeinsam steuern und dafür Pilotprojekte, abgestimmte technische Abläufe und gemeinsame Vertriebsaktionen aufsetzen.[1] Fujitsu, Fsas Technologies und GK Software sollen STACKIT-Dienste dort einbauen, wo sie eigene Kundenlösungen verbessern. STACKIT nennen die Partner ausdrücklich einen Baustein eines umfassenderen Ansatzes. Christian Müller, CEO von Schwarz Digits, sagt: „Digitale Souveränität lässt sich nur durch eine langfristige Zusammenarbeit entlang der gesamten technologischen Wertschöpfungskette stärken.“[1]
Am greifbarsten ist die jährliche Planung: Cloud-Nutzung, Rechenkapazität und Hardware-Investitionen wollen die drei Unternehmen aufeinander abstimmen.[1] Fujitsu tritt damit zugleich als Abnehmer von STACKIT-Leistung auf und über Fsas Technologies als Anbieter der Server, auf denen solche Kapazität laufen kann. Parallel plant die Schwarz Gruppe eigene Rechenzentren, etwa in Dummerstorf bei Rostock, wo der Bau frühestens Ende 2027 beginnt.
Was bringt Fujitsu mit dem MONAKA ein?
Vivek Mahajan, CTO von Fujitsu, verspricht Kunden „direkten Zugang zu den neuesten Innovationen von Fujitsu, darunter bahnbrechende Technologien wie den Fujitsu-MONAKA-Prozessor“.[1] Der Chip bündelt 144 Arm-Kerne in 2-Nanometer-Technik und soll KI-Inferenz ohne Grafikkarte erledigen, ab November will Fujitsu ihn auch in Europa verkaufen. Die Rechenkerne fertigt allerdings TSMC in Taiwan, Japan steuert Entwicklung und Endmontage bei.
Die souveräne Cloud holt sich einen Partner aus Japan, dessen Prozessor in Taiwan entsteht. Europas Lücke beim Chip schließt diese Partnerschaft nicht.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie souverän bleibt STACKIT mit einem Partner aus Japan?
Einen Maßstab setzte die EU-Kommission im April 2026. Für ihre eigene Ausschreibung über souveräne Cloud-Dienste im Wert von bis zu 180 Millionen Euro in sechs Jahren bewertete die Behörde die Anbieter nach acht Kriterien und auf fünf Souveränitätsstufen von SEAL-0 bis SEAL-4.[3] STACKIT erhielt einen der vier Zuschläge und erreichte SEAL-3: Laut Kommission kann kein Dritter außerhalb der EU den Dienst blockieren. SEAL-4 verlangt dagegen eine vollständige EU-Lieferkette vom Chip bis zur Software.[3]
Für diese oberste Stufe hilft ein japanischer Prozessor aus taiwanischer Fertigung nicht. Ins Muster passt die Partnerschaft trotzdem: Schwarz Digits sammelt Partner, die STACKIT an Konzerne verkaufen, von Atos als Vertriebs- und Integrationspartner bis zu SAP, das RISE with SAP auf STACKIT anbietet.
Für Unternehmen und Behörden, die eine souveräne Cloud einkaufen, taugt der EU-Rahmen als Prüfliste:
- die SEAL-Stufe des Anbieters für jedes der acht Kriterien abfragen,
- die Herkunft von Prozessoren und Servern offenlegen lassen,
- Notfallpläne für den Fall prüfen, dass ein Lieferant außerhalb der EU nicht mehr liefert.
Dass Souveränität ihren Preis hat, zeigt die Delos Cloud auf Microsoft-Technik, in der Behörden 15 Prozent über Microsofts Listenpreis zahlen.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Schwarz DigitsFujitsu, Fsas Technologies und Schwarz Digits gehen eine strategische Partnerschaft ein, um die souveräne digitale Infrastruktur in Europa voranzutreiben (Mitteilung vom 22. Oktober 2026)
- Fujitsu via JCN NewswireFujitsu announces the acquisition of GK Software through a voluntary public takeover offer (Mitteilung vom 1. März 2023)
- EU-KommissionCommission advances cloud sovereignty through strategic procurement (Mitteilung vom 17. April 2026)
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