Fujitsu bringt mit dem FUJITSU-MONAKA einen Serverprozessor mit 144 Arm-Kernen, der KI-Inferenz ohne Grafikkarte erledigen soll. Ab November 2026 verkauft der Konzern den Chip auch in Europa und wirbt mit halb so vielen Servern und halb so viel Strom. Hinter dem Etikett „made in Japan“ steckt allerdings weiterhin eine Fabrik in Taiwan.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm 14. September stellte Fujitsu den FUJITSU-MONAKA vor, einen Prozessor, der die teure KI-Grafikkarte im Rechenzentrum überflüssig machen soll. Der Zeitpunkt trifft einen wunden Punkt: Vielen Betreibern fehlt nicht die Rechenleistung, sondern der Strom und der Platz für weitere GPU-Racks.
Das Wichtigste in Kürze
- 144 Arm-Kerne, 2-nm-Fertigung, ab November 2026 im Verkauf, auch in Europa.
- Laut Fujitsu doppelte KI-Inferenzleistung je Server und halber Strombedarf gegenüber anderen CPUs.
- Luftgekühlte Rechenzentren genügen, die aufwändige Wasserkühlung entfällt.
- Die 2-nm-Kerne fertigt TSMC in Taiwan; „souverän“ meint Entwicklung und Montage in Japan.
Was steckt im FUJITSU-MONAKA?

Der FUJITSU-MONAKA bündelt 144 Rechenkerne auf Basis der Armv9-Architektur, verteilt auf vier Chiplets mit je 36 Kernen.[1] Fujitsu stapelt die 2-nm-Kerne dreidimensional über einer 5-nm-Lage für Cache und Ein-/Ausgabe und taktet den Chip mit bis zu 3,8 Gigahertz. Für die KI-Inferenz sorgen eine Hardware-Beschleunigung für Matrixrechnungen, zwei 256-Bit-Vektoreinheiten je Kern und die Unterstützung des sparsamen FP8-Formats.
Warum verzichtet Fujitsu auf die GPU?
Strom und Platz entscheiden heute über den Ausbau der KI-Rechenzentren, nicht die reine Rechenleistung. Ein einzelner MONAKA-Server liefert laut Fujitsu die doppelte Inferenzleistung anderer CPUs bei halbem Stromverbrauch und halbiert so die Zahl der nötigen Server.[1] Weil der Prozessor die Inferenz allein stemmt, genügt eine Luftkühlung, und die aufwändige Wasserkühlung entfällt. Wie ernst der Engpass ist, zeigt sich daran, dass sich Amazon eigens Notstrom für seine KI-Rechenzentren sichert.
Kein Einzelfall ist der Weg über die CPU. IBM bringt Arm-Kerne in den Mainframe, und Huawei bündelt Tausende Chips zu einem Superknoten ohne einzelne Grafikkarten. Auch der chinesische Anbieter iFlytek setzt bei seinen KI-Modellen bewusst nicht mehr auf Nvidia.
Für europäische Rechenzentren zählt nicht der schnellste Chip, sondern der, der mit dem vorhandenen Strom auskommt. Genau diese Rechnung verkauft Fujitsu mit dem MONAKA und trifft damit den Nerv des europäischen Marktes.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Europas Rechenzentren?
Fujitsu verkauft den MONAKA-Server von November an gezielt in Japan und Europa, an Rechenzentren, Unternehmen und Forschung.[1] Europa arbeitet längst an eigener Chip-Souveränität: Das französische Unternehmen SiPearl liefert mit dem Prozessor Rhea1 die Kerne für JUPITER, den ersten europäischen Exascale-Rechner im Forschungszentrum Jülich.[2]
Der Souveränitäts-Anspruch hat aber eine Lücke: Die 2-nm-Kerne fertigt TSMC in Taiwan, weil Japans eigene 2-nm-Linie bei Rapidus erst 2027 in Serie geht. „Made in Japan“ meint hier Entwicklung und Endmontage im Werk Kasashima, nicht das eigentliche Silizium. Praktischen Nutzen bringt deutschen Betreibern vor allem die vertrauliche Datenverarbeitung direkt im Chip, mit der sich regulierte Daten selbst in Mietrechenzentren abschirmen lassen.
Vor dem Kauf lohnt für deutsche Rechenzentren ein doppelter Blick: Welche Inferenzlast läuft tatsächlich ohne Grafikkarte, und wie belastbar ist das Souveränitäts-Versprechen bei einer Fertigung in Taiwan. Betreiber, die beim KI-Ausbau ohnehin am Stromnetz hängen, finden in einem luftgekühlten Inferenz-Server dennoch eine ernsthafte Alternative zum nächsten GPU-Rack.
FAQ: Fujitsu FUJITSU-MONAKA
Wann kommt der FUJITSU-MONAKA auf den Markt?
Fujitsu verkauft den FUJITSU-MONAKA ab November 2026, sowohl als einzelnen Prozessor an Cloud- und Rechenzentrumsbetreiber als auch im fertigen Fujitsu MONAKA Server. Die ersten Server-Verkäufe zielen auf Japan und Europa, dazu auf den Verteidigungssektor.
Wo wird der FUJITSU-MONAKA gefertigt?
Die 2-nm-Rechenkerne stammen aus der Fertigung von TSMC in Taiwan, weil Japans eigene 2-nm-Linie bei Rapidus erst 2027 in Serie geht. Entwicklung, Design und die Server-Endmontage im Werk Kasashima liegen in Japan, worauf sich das Etikett made in Japan bezieht.
Was bedeutet souveräne KI-Infrastruktur bei Fujitsu?
Fujitsu meint damit eine nachvollziehbare Lieferkette durch heimische Montage sowie vertrauliche Datenverarbeitung mit Hardware-Verschlüsselung im Chip. So sollen sich sensible Daten auch in Mehrmandanten-Rechenzentren abschirmen lassen.
Für wen lohnt sich ein MONAKA-Server?
Interessant ist der MONAKA-Server für Betreiber, deren KI-Ausbau am Strombedarf oder am Platz für Wasserkühlung hängt und die latenz- oder datenschutzkritische Inferenz vor Ort betreiben. Fujitsu adressiert Rechenzentren, Unternehmen sowie Forschungs- und HPC-Einrichtungen.
Quellen
[1] Fujitsu Limited: „Fujitsu launches made-in-Japan next-generation CPU FUJITSU-MONAKA and Fujitsu MONAKA Server for sovereign AI infrastructure“
[2] SiPearl: „Rhea1, first-generation CPU for HPC and AI“
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