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Der Plattformbetreiber China EV Marketplace (CEVM) hat von Januar bis September 7.900 Gebrauchtwagen aus China an Kunden in der EU verkauft, 280 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Den Grund liefert eine EU-Verordnung: Der Ausgleichszoll von bis zu 35,3 Prozent gilt nur für neue Elektroautos.

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Rund 6.000 Kilometer auf dem Tacho und 40 Prozent unter dem chinesischen Listenpreis: Solche Autos findet das Einkaufsteam in Shanghai regelmäßig, sagt Jakub Geršl, der das operative Geschäft von CEVM leitet.[1] Mehr als 2.600 gebrauchte Elektroautos von Marken wie Xiaomi, BYD, Denza und Avatr stehen derzeit auf der Plattform. Das Neuwagengeschäft mit EU-Kunden schrumpfte im selben Zeitraum um 44 Prozent.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • CEVM verkaufte von Januar bis September 7.900 Gebrauchtwagen aus China an EU-Kunden, fast viermal so viele wie ein Jahr zuvor.
  • Der EU-Ausgleichszoll auf chinesische Elektroautos gilt laut Verordnung nur für neue Fahrzeuge.
  • In China behalten selbst die wertstabilsten Elektroautos nach drei Jahren oft weniger als die Hälfte ihres Neupreises.
  • Ob die EU-Kommission den Umweg als Umgehung des Zolls einstuft, ist offen.

Warum zahlen Gebrauchte keinen Ausgleichszoll?

Modellauto mit Anhängern „Gebraucht“, Stempel und Aufkleber „Zustand: stubenrein“
EU-Verordnung 2024/2754 belegt chinesische Elektrofahrzeuge mit Ausgleichszöllen: BYD 17%, Geely 18,8%, SAIC 35,3%. Gebrauchtwagen sind ausgenommen

Die Durchführungsverordnung (EU) 2024/2754 belegt die Einfuhren neuer batteriebetriebener Elektrofahrzeuge aus China mit Ausgleichszöllen.[2] Für BYD sind das 17 Prozent, für Geely 18,8 Prozent und für SAIC 35,3 Prozent. Gebrauchtwagen erfasst die Verordnung nicht. „Gebrauchte Fahrzeuge sind von den zusätzlichen Zöllen auf Elektroautos ausgenommen“, sagt Geršl, deshalb setze CEVM in Europa vor allem auf Gebrauchte.[1]

Hersteller weichen dem Zoll mit Fertigung in Europa aus: GAC lässt seine Elektroautos bei Magna Steyr in Graz montieren, SAIC will den MG Go ab 2028 in Spanien bauen.

Die niedrigen Preise erklärt Geršl mit dem Preiskampf in China: Sinken die Neupreise, fallen auch die Gebrauchtpreise. Unter den 15 Elektroautos mit dem höchsten Restwert nach drei Jahren behalten nur vier mehr als die Hälfte ihres Neupreises, zeigt der Septemberbericht des chinesischen Händlerverbands CADA.[1] Ein Nio ES6 steht bei 46,7 Prozent, ein Xpeng G6 bei 46,4 Prozent. Wie stark E-Autos hierzulande an Wert verlieren, zeigt unser Ratgeber zum Wertverlust.

Wie groß ist das Geschäft?

Neu zugelassen wurden in der EU von Januar bis September 1.931.465 reine Elektroautos, meldet der Herstellerverband ACEA.[3] Gemessen daran bleiben die 7.900 Gebrauchten von CEVM eine Nische.

Die Verkaufszahlen stammen von CEVM selbst und lassen sich nicht unabhängig prüfen. Erschienen sind die Zahlen bei CarNewsChina, einem Portal, das die Plattform in seinem Seitenmenü verlinkt. 2025 lieferte CEVM weltweit rund 11.000 Autos aus, meistverkaufte Marke in Deutschland, den Niederlanden, Spanien und Italien war Xiaomi.[4] Offiziell startet Xiaomi in Deutschland erst im zweiten Halbjahr 2027.

Solange 6.000 Kilometer auf dem Tacho vom Ausgleichszoll befreien, bleibt der Gebrauchtwagen der günstigere Weg nach Europa.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Der Gebrauchtwagen-Umweg in Zahlen
Angaben von CEVM für Januar bis September 2026 und der EU-Zoll
7.900
Gebrauchtwagen aus China verkaufte die Plattform an Kunden in der EU
+280 %
gegenüber dem Vorjahreszeitraum, das Neuwagengeschäft schrumpfte um 44 Prozent
40 %
unter dem chinesischen Listenpreis, bei rund 6.000 Kilometern Laufleistung
0 %
Ausgleichszoll auf Gebrauchte, auf neue Elektroautos aus China fallen 7,8 bis 35,3 Prozent an

Was sollten Käufer vor dem Import prüfen?

Für die Zulassung in der EU besorgt CEVM für jedes Auto eine Einzelgenehmigung, dazu übernimmt die Plattform Transport und Verzollung.[4] Ein eigenes Werkstattnetz in Europa hatte CEVM für das erste Quartal 2026 angekündigt. Fuhrparkleiter sollten deshalb vor dem Kauf schriftlich klären, wer Garantie leistet und Software-Updates aufspielt. In Prag hat CEVM inzwischen ein Auslieferungszentrum mit zunächst 20 Autos auf Lager eröffnet, die Wartezeit von rund drei Monaten für einen Direktimport entfällt dort.

Artikel 23 der Antisubventions-Grundverordnung erlaubt der Kommission, Zölle bei einer Umgehung auszuweiten, also sobald sich der Handel ohne andere wirtschaftliche Begründung als den Zoll verlagert und die Wirkung der Maßnahme untergräbt.[5] Ob Brüssel Autos mit wenigen Tausend Kilometern so einstuft, ist offen. Für Hybride aus China haben sich EU und China im Oktober bereits auf eine Mengenbegrenzung verständigt, Geršl erwartet deshalb auch dort weniger Neuwagenverkäufe.[1]

Quellen

5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. CarNewsChinaEuropeans discovered used EVs from China, price 40% under MSRP, CEVM says22.10.2026
  2. Amtsblatt der EUDurchführungsverordnung (EU) 2024/2754 zur Einführung eines endgültigen Ausgleichszolls auf die Einfuhren neuer batteriebetriebener Elektrofahrzeuge aus der Volksrepublik China29.10.2024
  3. ACEANew car registrations: +5.7% in September 2026 year-to-date; battery-electric 22.7% market share22.10.2026
  4. CarNewsChinaChina EV Marketplace: Xiaomi tops sales in most European markets as platform sales rise 224% year on year in 202521.01.2026
  5. Amtsblatt der EUVerordnung (EU) 2016/1037 über den Schutz gegen subventionierte Einfuhren aus nicht zur Europäischen Union gehörenden Ländern, Artikel 23

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