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In Gerolzhofen entstand 1988 das erste tiefgekühlte Croissant Deutschlands, jetzt gibt der Schweizer Backwarenkonzern Aryzta das Werk in Unterfranken auf. Mit dem Standort Nordhausen in Thüringen schließt eine zweite Fabrik, rund 600 Beschäftigte sind betroffen. Unter dem Strich fallen etwa 250 Stellen weg, weil Aryzta vielen Betroffenen einen Arbeitsplatz im Hauptwerk Eisleben anbieten will.

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„Deutschland bleibt für Aryzta ein wichtiger Markt“, sagte ein Unternehmenssprecher am Montag der Nachrichtenagentur AWP.[2] Der Konzern aus Schlieren bei Zürich will diesen Markt künftig von einem einzigen Standort aus beliefern: Brötchen, Baguettes, Croissants und Plunder kommen dann nur noch aus dem sachsen-anhaltischen Eisleben.[1] Seit August hatte Aryzta alle Optionen für das Deutschlandgeschäft geprüft.[3]

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Aryzta schließt die Werke in Gerolzhofen und Nordhausen, produziert wird künftig nur noch in Eisleben.
  • Von rund 600 Betroffenen sollen viele nach Eisleben wechseln, netto fallen etwa 250 Stellen weg.
  • Die Einmalkosten beziffert der Konzern auf 56 bis 61 Mio. Euro, umgesetzt wird vor allem 2026 und 2027.
  • Mittelfristig soll die EBITDA-Marge des Konzerns dadurch um 0,6 bis 0,8 Prozentpunkte steigen.

Wie viele Stellen fallen in Gerolzhofen und Nordhausen weg?

Zwei offene Kartons auf weißem Grund; links mit Croissant und Aufschrift „Eisleben“, rechts leer
Aryzta baut in Deutschland etwa 250 von 2.000 Stellen ab und bietet vielen Beschäftigten einen Wechsel nach Eisleben an

Rund 600 Beschäftigte arbeiten an den beiden Standorten. Vielen von ihnen will Aryzta eine Stelle in Eisleben anbieten, den Nettoabbau beziffert der Konzern auf etwa 250 Stellen.[2] Von gut 2.000 Beschäftigten in Deutschland ist damit fast jeder dritte betroffen, jede achte Stelle fällt weg.[4]

Gerolzhofen ist mit 370 Beschäftigten das größere Werk und seit 1988 der Stammsitz der Marke Hiestand in Deutschland. In Nordhausen backen rund 150 Menschen seit 2005 Brötchen, Ciabatta, Baguettes und Berliner.[4]

Aryzta hat die Schließungen beschlossen, umgesetzt werden sie vor allem 2026 und 2027. Termine für die beiden Werke und Einzelheiten zu Abfindungen oder einem Sozialplan nannte der Konzern am Montag nicht. Die Einmalkosten von 56 bis 61 Mio. Euro stellt Aryzta noch im laufenden Geschäftsjahr zurück.[1]

Warum bündelt Aryzta die Produktion in Eisleben?

In der Halbjahresbilanz vom August nannte Aryzta Deutschland seinen schwierigsten Markt, wegen preisbewusster Kunden und schwacher Kauflaune. Zusätzliche Backkapazitäten im Markt brächten Angebot und Nachfrage aus dem Gleichgewicht.[3]

In Eisleben betreibt Aryzta fünf Werke, die täglich 10 bis 15 Millionen Backwaren herstellen. Der Standort ist der größte Arbeitgeber im Landkreis Mansfeld-Südharz.[4] Von Nordhausen liegt das Hauptwerk rund 50 Kilometer Luftlinie entfernt, von Gerolzhofen rund 200. Absatzschwache Produkte und Linien mit dauerhaft niedriger Marge streicht der Konzern, der Umsatz in Deutschland kann dadurch während der Umstellung um 35 bis 40 Mio. Euro sinken.[1]

Im März hatte die Gewerkschaft NGG für Eisleben und Nordhausen einen Tarifabschluss mit 2,5 Prozent mehr Lohn ab April erreicht. Die NGG berichtete damals, Aryzta habe in den Verhandlungen mit Stellenabbau oder Schließungen gedroht. Gefordert hatte die Gewerkschaft, die Löhne im Osten an das Niveau des Schwesterwerks Gerolzhofen heranzuführen.[5]

Aryzta: drei Standorte werden zu einem
Was die Bündelung in Eisleben für Beschäftigte und Konzern bedeutet
rund 600
Beschäftigte in Gerolzhofen und Nordhausen sind betroffen
etwa 250
Stellen fallen netto weg, jede achte Stelle von gut 2.000 in Deutschland
56–61 Mio. €
Einmalkosten, zurückgestellt im Geschäftsjahr 2026
35–40 Mio. €
weniger Umsatz in Deutschland während der Umstellung, weil Aryzta absatzschwache Produkte streicht
Die drei Produktionsstandorte in Deutschland
Gerolzhofen (Bayern)
schließt
370 Beschäftigte, seit 1988 Stammsitz der Marke Hiestand, Croissants, Plunder und Cookies
Nordhausen (Thüringen)
schließt
rund 150 Beschäftigte, seit 2005 Brötchen, Baguettes und Berliner
Eisleben (Sachsen-Anhalt)
Hauptwerk, bleibt
fünf Werke mit 10 bis 15 Millionen Backwaren am Tag, größter Arbeitgeber im Landkreis Mansfeld-Südharz

Was bedeutet die Schließung für die Regionen und die Kunden?

Den Landkreis Nordhausen trifft binnen weniger Wochen die zweite Schließungsankündigung: Anfang Oktober hatte INVEHO das Aus für die Güterwagen-Werkstatt in Woffleben angekündigt. Welche Folgen eine Werksschließung über das Werkstor hinaus hat, zeigt eine Dr.-Web-Analyse.

Auch andere Lebensmittelhersteller im Osten ordnen ihre Werke neu: Eberswalder macht Zerbst zum Hauptwerk, Theo Müller schließt das Saucenwerk Rogätz und die Käserei in Leppersdorf. Bei den Bäckereien trifft der Kostendruck auch den Filialhandel: Die Bäckerei Moos aus Aßlar saniert sich im Schutzschirmverfahren, die Thüringer Bäckerei Lampe schließt 15 ihrer 44 Filialen.

Für Kunden aus Handel und Gastronomie zählt vor allem die Sortimentsbereinigung. Welche Artikel wegfallen, hat Aryzta noch nicht veröffentlicht. Einkäufer mit Croissants oder Cookies aus Gerolzhofen im Sortiment fragen am besten jetzt nach Lieferzusagen für 2027.

Quellen

5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. AWP via cash.chAryzta schliesst zwei Werke in Deutschland (26.10.2026, Mitteilung des Unternehmens)
  2. SDA/AWP via Radio CentralAryzta schliesst zwei deutsche Werke (26.10.2026, Angaben des Unternehmenssprechers gegenüber AWP)
  3. AryztaARYZTA protects profitability in a demanding environment; Capital returns to resume in 2027; Reviewing all options for Germany (Ad-hoc-Mitteilung, 10.08.2026, PDF)
  4. Aryzta DeutschlandUnternehmen und Standort Gerolzhofen (abgerufen 26.10.2026)
  5. nnz-onlineKompromiss bei Aryzta09.03.2026

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