Artikel teilen

Neun Monate brauchten Jungheinrich und der italienische Lagerautomatisierer Automha vom Konzept bis zur Marktreife ihres Paletten-Shuttles UP-Carrier GTJ. Mit dem Fahrzeug lagern Betreiber ihre Paletten in vorhandenen Lagern dichter, die Fahrt zum Regal übernehmen vorerst weiter Stapler. Die Partner richten sich an Unternehmen, die schrittweise automatisieren wollen, statt neu zu bauen.

Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen

Auf mehr als 200 Projekte in über 25 Ländern beziffert Jungheinrich den Einsatz der Shuttle-Technik, die der Hamburger Konzern am 22. Oktober zusammen mit Automha aus Bergamo vorgestellt hat.[1] Das Zwei-Wege-Shuttle ergänzt die Vier-Wege-Shuttles von Movu Robotics, die Jungheinrich vor allem für vollautomatische Palettenlager vorsieht.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Zwei-Wege-Shuttle UP-Carrier GTJ erhöht die Lagerdichte in bestehenden Palettenlagern ohne größere bauliche Veränderungen.
  • Jungheinrich übernimmt Integration, Software und Service. Automha gehört seit 2025 zum italienischen Automatisierer Comau.
  • Jungheinrich setzt auf Einstiegsangebote, während der Wettbewerber Kion weniger Aufträge für Lagerautomatisierung meldet.
  • Ab dem 20. Januar 2027 gilt die EU-Maschinenverordnung, die bei späteren Ausbaustufen Herstellerpflichten auslösen kann.

Was unterscheidet ein Zwei-Wege-Shuttle von einem Vier-Wege-Shuttle?

Gabelstapler-Modell, Holzpalette, orange Palette und „Stufe 1“-Schild auf Weiß
Kanallager mit Zwei-Wege-Shuttle: Paletten werden in Regalkanälen hintereinander gelagert und automatisch ein- und ausgelagert

In einem Kanallager stehen die Paletten hintereinander in tiefen Regalkanälen, statt nebeneinander an einer Gasse. Ein Zwei-Wege-Shuttle fährt in einem solchen Kanal nur vor und zurück und lagert die Paletten ein und aus. Den Palettentransport zwischen Wareneingang und Regal übernehmen beim UP-Carrier GTJ vorerst Flurförderzeuge. Steigen die Anforderungen, lassen sich diese Transporte automatisieren, etwa mit den mobilen Robotern von Jungheinrich.[1]

Vier-Wege-Shuttles wechseln dagegen selbstständig zwischen den Kanälen. Seit August ist Movu Robotics bevorzugter Lieferant solcher Fahrzeuge für die vollautomatischen Palettenlager, die Jungheinrich plant. Für ein Palettenlager von Mascot im niederländischen Almere planen die Partner rund 11.500 Stellplätze mit zehn Shuttles. Automha liefert nun die Einstiegsstufe unterhalb dieser Vollautomatik. „Diese Partnerschaft zeigt, wie sich spezialisierte Shuttle-Technologie und globale Integrationskompetenz ergänzen“, sagt Gianni Togni, Vertriebs- und Marketingchef von Automha.

Warum setzt Jungheinrich auf den kleinen Schritt?

Beim Frankfurter Wettbewerber Kion sank der Auftragseingang der Automatisierungssparte im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem außergewöhnlich starken Vorjahreszeitraum um 17,1 % auf 1,824 Mrd. Euro,[2] obwohl der Umsatz der Sparte im selben Zeitraum um knapp 18 % stieg.

Jungheinrich setzt auf Angebote, mit denen Kunden klein einsteigen. Seit dem 1. Oktober verkauft der Konzern den Palettenroboter EAC 212a, bei dem Kunden auch mit einem einzigen Fahrzeug beginnen können. „Nicht jedes Unternehmen beginnt seine Automatisierungsreise mit einem vollautomatisierten Lager“, sagt Tobias Harzer, Chief Automation Officer bei Jungheinrich. Kunden könnten „dort ansetzen, wo sie heute stehen“ und ihre Investitionen auf das Wachstum ihres Unternehmens abstimmen.[1] Welche Robotik sich für welchen Betrieb rechnet, ordnet unser Überblick Robotik 2026 ein.

Comau, bisher vor allem Ausrüster von Autofabriken, will in der Lagerlogistik wachsen. Mehrheitlich gehört der Turiner Automatisierer dem Finanzinvestor One Equity Partners, der beim Kauf von Automha durch Comau im April 2025 die Lagerlogistik als Wachstumsfeld nannte.[3]

Jungheinrich verkauft Automatisierung jetzt Stück für Stück. Der Stückverkauf senkt die Einstiegshürde und verlagert die Haftungsfrage auf jede spätere Ausbaustufe.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zitat teilen
Lagerautomatisierung in zwei Stufen
Wie Jungheinrich das Shuttle von Automha neben die Vier-Wege-Shuttles von Movu Robotics stellt
9 Monate
vom Konzept bis zur Marktreife des UP-Carrier GTJ
über 200
Projekte in mehr als 25 Ländern zählt Jungheinrich für die Shuttle-Technik
−17,1 %
Auftragseingang der Automatisierungssparte des Wettbewerbers Kion im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum
20.01.2027
Ab diesem Tag gilt die EU-Maschinenverordnung
Stufe 1

Zwei-Wege-Shuttle von Automha

  • fährt im Regalkanal nur vor und zurück
  • für bestehende Palettenlager ohne größere Umbauten
  • Stapler bringen die Paletten zum Regal
Stufe 2

Vier-Wege-Shuttle von Movu Robotics

  • wechselt selbstständig zwischen den Kanälen
  • für vollautomatische Hochleistungslager
  • Lager in Almere geplant: rund 11.500 Stellplätze, zehn Shuttles

Was sollten Lagerbetreiber vor dem Einstieg klären?

Am 20. Januar 2027 löst die EU-Maschinenverordnung die Maschinenrichtlinie ab. Nach Artikel 18 übernimmt die Pflichten eines Herstellers, wer eine Maschine wesentlich verändert.[4] Automatisiert ein Betreiber sein Lager in Stufen und verbindet später Shuttle, mobile Roboter und Lagersoftware zu einer Anlage, muss vorab feststehen, wer die Konformität des Gesamtsystems erklärt.

  • Lassen Sie im Angebot festhalten, dass Jungheinrich als Integrator auch für spätere Ausbaustufen die Konformität der Gesamtanlage erklärt und dokumentiert.
  • Lassen Sie vorhandene Regale vor dem Einbau gerne auf Tragfähigkeit und Maßtoleranzen für den Shuttle-Betrieb prüfen.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. JungheinrichJungheinrich und Automha schließen strategische Partnerschaft zur schrittweisen Automatisierung bestehender Lager22.10.2026
  2. Kion GroupPressemitteilung zum zweiten Quartal 2026 (30. Juli 2026, PDF)
  3. ComauComau enters into a binding agreement to acquire Automha (16. April 2025, PDF)
  4. EUR-LexVerordnung (EU) 2023/1230 über Maschinen, Artikel 18 und Artikel 54

Mehr Newshunger?

4,3 12 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?