Zalando lässt Retouren in Greven und im polnischen Świebodzin von zweiarmigen Robotern greifen und einsortieren, ohne dass die Maschinen den einzelnen Artikel vorher kennen. Die Steuerung stammt vom Stuttgarter Start-up Sereact, beide Standorte betreibt der Logistikdienstleister CEVA. Bisher galt die Retoure als der Lagerprozess, an dem Roboter scheiterten.

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Für die Zalando-Retouren laufen die Anlagen bereits im Produktivbetrieb, wie Zalando, Sereact und CEVA am 7. Oktober mitteilten.[1] Die Anlagen sollen die Teams von monotonen Handgriffen entlasten und bilden laut den Partnern die erste Stufe einer Ausweitung auf weitere europäische Standorte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sereact liefert die Systeme als Dienstleistung gegen laufende Gebühr (Robotics-as-a-Service), nicht als Anlagenkauf.
  • Wie viele Roboter laufen und wie viele Teile sie pro Stunde schaffen, nennen die Partner nicht.
  • Seit dem 19. Juli 2026 dürfen große Unternehmen in der EU unverkaufte Kleidung nur noch in Ausnahmefällen vernichten, Retouren eingeschlossen.
  • Für neue Ware rollt Zalando parallel bis zu 50 Greifroboter des Warschauer Anbieters Nomagic aus.

Warum scheitern klassische Lagerroboter an Retouren?

Ein Roboterarm greift einen Pullover aus einer offenen Versandtasche mit der Aufschrift „Retour“
Kommissionierroboter scheitert bei Retouren: System erkennt zerknüllte Artikel auf dem Förderband nicht, da es nur bekannte Produktformen verarbeitet

Ein Kommissionierroboter im Neuwarenlager arbeitet mit bekannten Größen: Zu jedem Artikel liegen Maße und Produktfoto im System. Eine Retoure kommt dagegen zerknüllt oder in der Tüte des Kunden zurück und liegt jedes Mal anders auf dem Band. Sereact-Chef Ralf Gulde fasst das Problem so zusammen: „Ein System, das nur mit Artikeln funktioniert, die es schon kennt, funktioniert in einer Retourenabwicklung überhaupt nicht.“[1]

Sereact setzt deshalb auf ein KI-Modell namens Cortex, das Greifbewegungen aus Daten realer Einsätze lernt und auf unbekannte Gegenstände überträgt. Bei der Finanzierungsrunde im Mai nannte das Unternehmen über eine Milliarde Datensätze aus dem laufenden Betrieb. Zalando fährt zweigleisig: Für das Greifen neuer Ware in Lahr, Mönchengladbach und weiteren Lagern rollt der Händler seit März Roboter von Nomagic aus.[2]

Was hat das EU-Vernichtungsverbot damit zu tun?

Seit dem 19. Juli 2026 dürfen große Unternehmen in der EU unverkaufte Kleidung, Accessoires und Schuhe nicht mehr vernichten, mittelgroße folgen 2030.[3] Als unverkauft gelten nach der Ökodesign-Verordnung auch Waren, die Kunden innerhalb der Widerrufsfrist zurückschicken.[4] Ausnahmen gelten für unsichere, beschädigte, gefälschte oder von Spendenorganisationen abgelehnte Ware. Unternehmen müssen jede Ausnahme belegen und jährlich offenlegen, was sie entsorgt haben.

Im Retourenlager zählt damit vor allem das Tempo. CEVA-Manager Chris Walton nennt unberechenbare Mengen, Saisonspitzen, Wertverlust und überproportional hohe Stückkosten als Kern des Problems.[1] Mit jedem Tag, den ein zurückgeschickter Mantel unsortiert in der Halle liegt, sinkt der Preis, zu dem Zalando ihn wieder verkaufen kann. Die EU-Kommission schätzt, dass in Europa 4 bis 9 Prozent aller auf den Markt gebrachten Textilien vor der Nutzung vernichtet werden, 264.000 bis 594.000 Tonnen pro Jahr.[3]

Seit Händler Retouren nicht mehr vernichten dürfen, entscheidet das Sortiertempo im Lager über die Marge.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Zalando: Roboter sortieren die Rücksendungen
Der Start in Greven und Świebodzin und die EU-Regeln für unverkaufte Kleidung
2 Standorte
Greven in Deutschland und Świebodzin in Polen, beide betrieben von CEVA Logistics
62 Mio.
aktive Kundinnen und Kunden in 29 Märkten zählt die Zalando-Gruppe
bis zu 50
Greifroboter von Nomagic rollt Zalando zusätzlich für neue Ware aus
4–9 %
aller in Europa auf den Markt gebrachten Textilien werden laut EU-Kommission vor der Nutzung vernichtet
Vom Picking-Roboter zur Retourenstation
März 2026
Zalando kündigt bis zu 50 Nomagic-Roboter für mehrere europäische Lager an
Juli 2026
Zalando beteiligt sich an Sereact und verlängert die Verträge mit CEVA bis mindestens 2030
19. Juli 2026
Große Unternehmen dürfen unverkaufte Kleidung und Schuhe nur noch in Ausnahmefällen vernichten
Oktober 2026
Die Retourenroboter laufen in Greven und Świebodzin im Produktivbetrieb
2030
Das Vernichtungsverbot gilt auch für mittelgroße Unternehmen

Was bedeutet Robotics-as-a-Service für Händler?

Das Modell verteilt die Rollen auf drei Firmen: Sereact stellt Roboter samt Software, CEVA betreibt die Lager, deren Verträge Zalando im Juli bis mindestens 2030 verlängerte. Zalando liefert die Retouren und hält seit Juli eine Beteiligung an Sereact. Die Beschäftigten an den Stationen sollen laut den Partnern künftig die Stationen überwachen und Sonderfälle klären. Wie sich dadurch das Berufsbild der Fachkraft für Lagerlogistik verschiebt, zeigt unser KI-Check.

Für Onlinehändler mit hoher Retourenquote senkt das Mietmodell die Einstiegshürde, ähnlich wie bei Jungheinrich, das seinen Palettenroboter EAC 212a schon ab einem einzelnen Fahrzeug verkauft. Fragen Sie Ihren Fulfillment-Dienstleister gerne konkret, wie viele Retouren eine Station pro Stunde sortiert und wer für Fehlsortierungen haftet. Prüfen Sie parallel, ob Ihre Retourendaten für den jährlichen Bericht über entsorgte Ware reichen. Welche Aufgaben Roboter heute verlässlich übernehmen, ordnet der Überblick Robotik 2026 ein.

Quellen

[1] Sereact, Zalando und CEVA Logistics (GlobeNewswire): „Sereact, Zalando and CEVA Logistics start AI-powered, automated returns handling in Germany and Poland“ (07.10.2026)

[2] Zalando und Nomagic (GlobeNewswire): „Zalando to install up to 50 AI-powered Nomagic robots in its European fulfilment centres“ (19.03.2026)

[3] Europäische Kommission: „Ban on destruction of unsold clothes and shoes enters into application“ (17.07.2026)

[4] Amtsblatt der EU: Verordnung (EU) 2024/1781 zur Schaffung eines Rahmens für die Festlegung von Ökodesign-Anforderungen für nachhaltige Produkte, Artikel 2 und 25

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