Jungheinrich baut seine hochautomatisierten Palettenlager künftig mit fremder Roboter-Technik. Die Vier-Wege-Shuttles liefert der belgische Hersteller Movu Robotics, der Hamburger Konzern übernimmt Planung, Software und Integration. Hinter der Arbeitsteilung steht die Frage, wo in der Lagerautomatisierung das Geld verdient wird.

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Jungheinrich und Movu Robotics starten mit einem Vorzeigeprojekt: rund 11.500 Palettenplätze und zehn Roboter-Shuttles in einem Lager im niederländischen Almere. Der Gabelstapler-Bauer aus Hamburg steuert Planung und Software bei, die eigentlichen Lagerroboter kommen vom Partner. Damit macht der Konzern einen Zukauf-Weg zur Strategie, den die Branche seit Jahren beschreitet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bevorzugter Integrator: Jungheinrich integriert die Shuttle-Systeme von Movu Robotics bevorzugt, Movu wird im Gegenzug bevorzugter Lieferant.
  • Movu Atlas: Das Vier-Wege-Shuttle für die mehrfachtiefe Palettenlagerung läuft weltweit in über 200 Lagern.
  • Skalierbar: Kunden starten manuell und automatisieren schrittweise, ohne das Gesamtsystem zu wechseln.
  • stow Group: Movu gehört zur belgischen stow Group und setzte 2025 rund 193 Mio. € um.

Was haben Jungheinrich und Movu Robotics vereinbart?

Modell einer Lagerhaltung mit Regalen, Paketen und orangefarbenem Transportfahrzeug
Jungheinrich und Movu Robotics vereinbaren Partnerschaft: Jungheinrich wird bevorzugter Integrator für Movu-Shuttle-Systeme, Movu bevorzugter Roboter-Lieferant für hochautomatisierte Palettenlager

Die Vereinbarung verteilt die Rollen klar. Jungheinrich wird bevorzugter Integrator für die Shuttle-Systeme von Movu Robotics, Movu im Gegenzug bevorzugter Lieferant.[1] Gemeinsam wollen beide Unternehmen hochautomatisierte Palettenlager schneller und aus einer Hand aufbauen. Regaltechnik, Fördertechnik und die Lagerverwaltungssoftware steuert Jungheinrich bei, die Roboter kommen von Movu.

Im Zentrum steht der Movu Atlas, ein Vier-Wege-Shuttle für die mehrfachtiefe Palettenlagerung. Das Fahrzeug wechselt selbstständig die Gasse und erreicht so eine hohe Lagerdichte auf wenig Fläche. Weltweit laufen die Systeme bereits in über 200 Lagern.[1] „Kundinnen und Kunden erwarten heute keine einzelnen Automatisierungskomponenten mehr, sondern nahtlose Automatisierungslösungen“, sagt Dr. Tobias Harzer, Chief Automation Officer bei Jungheinrich.

Movu gehört seit 2023 zur belgischen stow Group, beschäftigt rund 450 Menschen und setzte 2025 etwa 193 Mio. € um. Der Zulieferer bringt eine erprobte Roboter-Plattform ein, Jungheinrich den Zugang zu den Kunden.

Warum kauft Jungheinrich die Roboter lieber zu?

Den Wert in der Lagerautomatisierung schöpft selten der Anbieter mit der schnellsten Hardware. Den Ausschlag gibt die Integration: die Lagerverwaltung, die Anbindung an Regal und Fördertechnik, der Service über Jahre. Genau diese Ebene besetzt Jungheinrich, während die Shuttle-Hardware von einem spezialisierten Zulieferer kommt. Für Kunden entsteht ein Pfad vom manuellen Betrieb bis zur Vollautomatik, ohne Systembruch.

Neu ist dieser Zukauf-Weg für den Konzern nicht. Jungheinrich hält bereits Anteile am Roboterbauer Magazino und am chinesischen Mid-Tech-Anbieter EP Equipment, außerdem stieg der Konzern bei Navflex für die autonome Rampenentladung ein. Auch der Rivale Kion entwickelt nicht selbst, sondern übernahm die Fahrroboter von Colruyt. Dessen KI-Sparte steht inzwischen für einen großen Teil des Wachstums. Wie stark sich die Branche über Allianzen neu ordnet, zeigt auch der Überblick über das Robotik-Jahr 2026.

Jungheinrich und Movu Robotics: die Partnerschaft in Zahlen
Vier Kennzahlen zum Zukauf der Shuttle-Roboter
200+
Lager weltweit mit Movu-Shuttle-Systemen
11.500
Palettenplätze im ersten Gemeinschaftsprojekt in Almere
193 Mio. €
Movu-Umsatz 2025 innerhalb der stow Group
rund 450
Beschäftigte beim Roboterbauer Movu Robotics

Der Zukauf der Shuttle-Roboter schafft eine Abhängigkeit vom Zulieferer. Für Jungheinrich zählt, dass die Marge künftig in Software und Integration steckt, nicht im Blech.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was heißt das für Lagerbetreiber im DACH-Raum?

Für Betriebe im deutschsprachigen Raum trifft die Allianz einen wunden Punkt. Lagerflächen sind teuer und knapp, Personal für Schichtarbeit ebenso. Die mehrfachtiefe Shuttle-Lagerung verdichtet den Bestand auf gleicher Grundfläche. Der schrittweise Einstieg senkt die Hürde gerade für den Mittelstand, der kein vollautomatisches Lager sofort finanzieren will.

Zunächst zielt die Technik auf Food & Beverage, Tiefkühllogistik und Kontraktlogistik, wo Durchsatz und Kälte teuer sind. Lagerverantwortliche prüfen vor einer Zusage am besten, ob die eigene Artikelstruktur zur mehrfachtiefen Lagerung passt, wie tief die Anbindung an das vorhandene Lagerverwaltungssystem reicht und welche Ausbaustufen vertraglich offenbleiben. Ein Blick auf vergleichbare Fälle lohnt sich, etwa auf Chinas Physical-AI-Vorstoß ins Lager oder auf die sieben Roboter-Typen, die ganze Branchen umbauen.

Beim Neubau eines Palettenlagers steht mit Jungheinrich nun ein Generalunternehmer bereit, der Roboter-Shuttles und Integration aus einer Hand anbietet. Den Praxistest liefert Almere, sobald die zehn Shuttles im Vollbetrieb laufen.

Was ist ein Vier-Wege-Shuttle?

Ein Vier-Wege-Shuttle ist ein autonomes Lagerfahrzeug, das Paletten in beide Richtungen eines Regalgangs transportiert und selbstständig die Gasse wechselt. Dadurch lassen sich Paletten mehrfachtief hintereinander einlagern, was die Lagerdichte auf gleicher Grundfläche deutlich erhöht.

Gehört Movu Robotics zu Jungheinrich?

Nein. Movu Robotics gehört seit 2023 zur belgischen stow Group und bleibt eigenständig. Jungheinrich und Movu haben eine strategische Partnerschaft geschlossen: Jungheinrich integriert die Shuttle-Systeme bevorzugt, Movu liefert sie bevorzugt. Eine Übernahme ist damit nicht verbunden.

Für welche Lager eignet sich die mehrfachtiefe Shuttle-Lagerung?

Die mehrfachtiefe Shuttle-Lagerung lohnt sich vor allem dort, wo viele Paletten je Artikel und hoher Durchsatz zusammenkommen, etwa in Food & Beverage, Tiefkühllogistik und Kontraktlogistik. Sie verdichtet den Bestand auf wenig Fläche und eignet sich für eine schrittweise Automatisierung.

Quelle

[1] Jungheinrich: „Shuttle technology and integration expertise: Jungheinrich and Movu Robotics agree strategic partnership“

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