110 Millionen für Stuttgarts Roboterhirn

Michael Dobler
Autor Dr. Web
3 Min. Lesezeit
Was bedeutet das für die deutsche Industrie?

Mit 110 Millionen US-Dollar frischem Kapital, rund 93,8 Millionen Euro, geht das Stuttgarter KI-Robotik-Unternehmen Sereact in seine zweite Wachstumsphase. Angeführt wurde die Runde vom Wagniskapitalgeber Headline, beteiligt waren Bullhound Capital, Daphni und Felix Capital. Das Geld fließt in zwei Richtungen: in die Weiterentwicklung des KI-Modells Cortex und in den Sprung über den Atlantik.

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Das Wichtigste in Kürze

  • 110 Mio. US-Dollar (rund 93,8 Mio. €) in der Series B, angeführt von Headline
  • Insgesamt über 140 Mio. US-Dollar Kapital seit der Gründung 2021
  • Das KI-Modell Cortex steuert fremde Greifarm- und Lagerroboter, ganz ohne eigene Hardware
  • Erstes US-Büro in Boston, Kunden bereits bei Mercedes-Benz, BMW und der Schwarz-Gruppe

Was genau verkauft Sereact?

Ein grüner Roboterarm hält eine Walnuss mit dem Etikett „CORTEX“
Sereact entwickelt mit Cortex eine KI-Steuerung für Roboter verschiedener Hersteller und Bautypen

Sereact baut keine Roboter, sondern deren Steuerung. Das KI-Modell Cortex läuft auf einarmigen, zweiarmigen, stationären und humanoiden Plattformen verschiedener Hersteller. „Wir bauen keine Roboter, wir geben ihnen ein Gehirn“, bringt Mitgründer Ralf Gulde das Prinzip gegenüber der Universität Stuttgart auf den Punkt.

Trainiert wird das Modell mit echten Bewegungsdaten aus dem laufenden Betrieb, mittlerweile über eine Milliarde Datensätze. Ein Greifarm ist laut Unternehmen binnen weniger Stunden einsatzbereit und löst auch unbekannte Aufgaben, ohne vorher dafür trainiert worden zu sein. Dieses Daten-Flywheel aus realen Einsätzen bildet den Kern des Ansatzes.

Warum jetzt der Schritt in die USA?

Roboterhand hält einen gefalteten Geldschein
Cortex-KI von Sereact im Einsatz bei Mercedes-Benz, BMW und Knuspr.de. Sereact eröffnet Sommergeschäftsstelle in Boston, Zentrale bleibt Stuttgart

Cortex ist seit drei Jahren bei Kunden im Einsatz, darunter Mercedes-Benz, BMW, die Schwarz-Gruppe und der Online-Supermarkt Knuspr.de. Diesen Sommer eröffnet Sereact sein erstes US-Büro in Boston und stellt dort Mitarbeiter in Vertrieb, Anwendung und Technik ein. Zentrale und Entwicklung bleiben in Stuttgart.

Der US-Markt verlangt produktreife KI, die sofort läuft. Maßgeschneiderte Bildverarbeitung mit einem Quartal Einführungszeit zählt dort nicht als Verkaufsargument. Genau diese sofortige Einsatzbereitschaft will Sereact mit Cortex liefern, zuletzt vorgestellt auf der Logistikmesse MODEX in Atlanta.

Was bedeutet das für die deutsche Industrie?

Ein Roboterarm hält eine Brezel mit dem Anhänger
Softwaredefinierte Robotik senkt Kosten für Betriebe mit wechselndem Sortiment durch lernfähige Anpassung statt Neuprogrammierung

Für Betriebe mit wechselndem Sortiment in Lager und Produktion senkt softwaredefinierte Robotik die Einstiegshürde. Statt eine Anlage teuer auf eine einzige Aufgabe zu programmieren, übernimmt ein lernendes Modell die Anpassung. Welche Roboterklassen dafür in Frage kommen, ordnet der Überblick zu den sieben Roboter-Typen ein, den Markthintergrund liefert der Robotik-2026-Report.

Mittelständische Logistiker und Fertiger sollten 2026 als Testjahr nutzen und einen klar umrissenen Pick-and-Pack-Prozess mit einem lernenden System pilotieren. Der Reiz liegt im schnellen Aufsetzen, das Risiko in der Datenqualität. Frühe eigene Bewegungsdaten verschaffen genau den Vorsprung, den Sereact selbst zum Geschäftsmodell gemacht hat.

Mehr Newshunger?

Metallgehirn auf Stiel, ein Löffel mit „NEWS“-Zeitung führt in eine Öffnung
Sieben innovative Roboter-Typen revolutionieren die Industrie, darunter AEON-Humanoide in der BMW-Serienproduktion und der europäische GENE.01
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Michael Dobler
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Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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