Kion erwartet für das dritte Quartal ein bereinigtes operatives Ergebnis, das rund 7 % unter den Schätzungen der Analysten liegt. Neben dem Staplergeschäft schwächelt auch die Lagerautomatisierung, die den Frankfurter Konzern im ersten Halbjahr noch getragen hat.

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Die Gewinnwarnung von Kion kam am Freitag in einem Gespräch mit Analysten vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen, wie Investing.com berichtet. Die Aktie lag zunächst 1,5 % im Plus und drehte danach auf ein Minus von 2,6 % bei 37,83 €. Die Ursachen reichen über Kion hinaus und betreffen auch Einkäufer von Staplern und Lagertechnik.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das bereinigte EBIT im dritten Quartal liegt laut Investing.com rund 7 % unter dem Analystenkonsens, im Vorjahresquartal hatte Kion 190,4 Mio. € erzielt.
  • Als Gründe nennt Kion die schwächere Profitabilität im Staplergeschäft und höhere Konzernkosten.
  • In der Lagerautomatisierung erwartet Kion Aufträge auf Vorjahresniveau, rund 15 % unter dem Konsens.
  • Die Jahresprognose von 880 bis 980 Mio. € bereinigtem EBIT verlangt für das zweite Halbjahr 450 bis 550 Mio. €.

Warum trifft eine schwache Auslastung die Staplermarge so hart?

Modell eines Gabelstaplers mit orangefarbenem Schild „UNTER PLAN“ auf weißem Sockel
Hohe Fixkosten bei sinkenden Stückzahlen drücken die Gewinnmargen im Staplergeschäft

Ein Staplerwerk trägt hohe Fixkosten für Hallen, Montagelinien und Stammpersonal. Sinken die Stückzahlen, verteilen sich diese Kosten auf weniger Geräte. Der Konzern verdient dann an jedem verkauften Stapler weniger. Genau diese geringe Auslastung bei schwacher Nachfrage belastet laut Investing.com die Sparte Industrial Trucks & Services. Im ersten Halbjahr kam die Sparte noch auf eine bereinigte EBIT-Marge von 9,0 %, bei einem Umsatzrückgang von 1,4 %.[1]

Den Preisdruck in der Branche kennt der Rivale Jungheinrich seit dem Sommer. Chinesische Hersteller wie Hangcha, Heli und EP Equipment verkaufen günstige Lithium-Ionen-Stapler in Europa. Jungheinrich hat im Juli deshalb die Gewinnprognose gesenkt. Kurz darauf stieg der Hamburger Konzern sogar beim chinesischen Konkurrenten EP Equipment ein. Ob Kion denselben Preiskampf spürt, sagt das Unternehmen nicht.

Warum fängt die Lagerautomatisierung den Konzern nicht mehr auf?

Die Sparte Intelligent Automation Solutions, das frühere Dematic-Geschäft, steigerte im ersten Halbjahr den Umsatz um 17,6 % auf 1,629 Mrd. €.[1] Dieser Umsatz speist sich aus einem älteren Auftragsbestand: In den ersten neun Monaten 2025 buchte die Sparte noch 50,5 % mehr Aufträge als im Vorjahr.[2] Im ersten Halbjahr 2026 sank der Auftragseingang dagegen um 17,1 % auf 1,824 Mrd. €. Darauf hatte Dr. Web schon bei der Halbjahresbilanz von Kion hingewiesen.

Bleibt der Auftragseingang im dritten Quartal auf Vorjahresniveau, wären das rechnerisch rund 740 Mio. €. Die von Analysten erhoffte Erholung bleibt damit aus. Dem Umsatz der kommenden Jahre fehlt so der Nachschub. Am Umbau zum Automatisierungskonzern hält Kion fest, etwa mit der Übernahme der Fahrroboter von Colruyt.

Bisher hat Kion schwache Staplerjahre mit der Lagerautomatisierung ausgeglichen. Im dritten Quartal fehlt dieser Ausgleich, weil beide Geschäfte zugleich schwächeln.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Kion vor den Zahlen zum dritten Quartal
Was der Konzern signalisiert und was die Jahresprognose verlangt
rund 7 %
liegt das bereinigte EBIT im dritten Quartal unter dem Analystenkonsens
rund 15 %
unter dem Konsens erwartet Kion den Auftragseingang der Lagerautomatisierung
−17,1 %
Auftragseingang der Lagerautomatisierung im ersten Halbjahr 2026
880 bis 980 Mio. €
bereinigtes EBIT plant Kion für das Gesamtjahr 2026

Was die Jahresprognose vom zweiten Halbjahr verlangt

Q3 2025
190,4 Mio. € bereinigtes EBIT
Vergleichswert für das laufende Quartal
H1 2026
429,6 Mio. € bereinigtes EBIT
Marge 7,6 % nach 7,0 % im Vorjahr
H2 2026
450 bis 550 Mio. € nötig
um die Jahresprognose zu erreichen

Was bedeutet die Warnung für Kunden in der DACH-Region?

Kion steuert bereits mit einem Sparprogramm gegen, das Einsparungen von 140 bis 150 Mio. € bringen soll.[2] Ähnliche Programme laufen in der deutschen Industrie gerade an vielen Stellen, zuletzt beim Industriedienstleister Bilfinger, der bis zu 1.500 Stellen streicht. Ob Kion an der Jahresprognose festhält, sagt das Unternehmen erst mit dem Quartalsbericht.

Für Logistikleiter und Einkäufer ergeben sich zwei Prüfpunkte:

  • Einkäufer von Flurförderzeugen nutzen die schwache Auslastung der Hersteller für Verhandlungen über Preis und Liefertermin und vergleichen dabei Mietmodelle, wie sie Jungheinrich mit Kühne+Nagel vereinbart hat.
  • Unternehmen mit einem geplanten automatisierten Lager verhandeln in einer Phase mit wenigen Großaufträgen aus einer stärkeren Position, etwa über Festpreise und Vertragsstrafen bei Verzug.

Quellen

[1] Kion Group: „KION with positive first half of 2026“ (30.07.2026)

[2] Kion Group: „KION with a solid third quarter: strong order intake increase in the first nine months of 2025“ (30.10.2025)

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