Jungheinrich verkauft seit dem 1. Oktober den Palettenroboter EAC 212a, der Lasten bis 1.200 Kilogramm selbstständig ein- und auslagert. Für Lagerbetreiber zählt dabei auch ein Termin der EU: der 14. Januar 2027.

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Der Palettenroboter EAC 212a transportiert Paletten zwischen Wareneingang, Lager, Produktion und Versand. Jungheinrich hatte das Fahrzeug im Februar vorgestellt, laut dem Fachmagazin Logistra beginnt nun der Vertrieb.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Der EAC 212a hebt Paletten bis 1.200 kg auf bis zu 1.200 mm Übergabehöhe.
  • Dank KI-gestützter 3D-Erkennung greift der Roboter auch schief abgestellte Paletten.
  • Über den Standard VDA 5050 lässt sich der Roboter in eine Leitsteuerung für Fahrzeuge mehrerer Hersteller einbinden.
  • Ab 14. Januar 2027 gilt die EU-Maschinenverordnung, die lernende Sicherheitsfunktionen einer Prüfung durch Dritte unterwirft.

Wie findet der EAC 212a seinen Weg ohne Umbau?

Spielzeuggabelstapler mit Palette und „Nr. 1“-Schild vor weißem Hintergrund
Roboter vermisst Halle mit Lidar-Sensoren und navigiert an Wänden und Regalen, ohne Magnetbänder oder Reflektoren wie ältere Systeme

Der Roboter vermisst die Halle mit Lidar-Sensoren und orientiert sich danach an Wänden und Regalen.[2] Ältere fahrerlose Transportsysteme brauchten oft Magnetbänder oder fest montierte Reflektoren. Jede Layoutänderung bedeutete dann Bauarbeiten.

An der Gabel arbeitet eine KI-gestützte 3D-Palettenerkennung, die Abweichungen von bis zu 100 mm und Verdrehungen bis 10 Grad ausgleicht. Von Hand abgestellte Paletten stehen selten exakt am Sollplatz. Produktmanager Jonas Radtke-Payne nennt die Palettenerkennung einen „entscheidenden Faktor für stabile Abläufe, besonders im Mischbetrieb mit manuellen Prozessen“.[2]

Der Verband der Automobilindustrie und der VDMA haben die Schnittstelle VDA 5050 als offenes Protokoll entwickelt, damit eine Leitsteuerung gemischte Flotten verschiedener Hersteller parallel betreibt.[3] Betreiber mit einer VDA-5050-fähigen Leitsteuerung brauchen für den EAC 212a also kein zweites Leitsystem.

Warum setzt Jungheinrich auf den Einstieg mit einem Roboter?

Laut Logistra können Unternehmen mit einem einzelnen EAC 212a starten und später weitere Fahrzeuge ergänzen.[1] Vor dem Kauf dürfen Interessenten den Roboter über Vorführ- und Try-and-buy-Angebote unter realen Bedingungen testen. Ob sich ein Roboter für den eigenen Betrieb lohnt, zeigt so ein Testlauf mit echten Paletten.

Die Nachfrage nach Lagerautomatisierung wächst derzeit nicht. Kion rechnet in der Lagerautomatisierung für das dritte Quartal laut Investing.com nur mit Aufträgen auf Vorjahresniveau und sprach am Freitag eine Gewinnwarnung aus. Jungheinrich kappte schon im Juli die Gewinnprognose, weil chinesische Hersteller günstige Lithium-Ionen-Stapler nach Europa bringen.

Mit dem EAC 212a verkauft Jungheinrich den kleinsten möglichen ersten Schritt: ein Fahrzeug, kein Hallenumbau. Solange Kion in der Lagerautomatisierung nur Aufträge auf Vorjahresniveau erwartet, überzeugt dieser Schritt mehr Einkäufer als jedes Großprojekt.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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EAC 212a: Palettenroboter ohne Hallenumbau
Technische Eckdaten und der Weg bis zur neuen EU-Maschinenverordnung
1.200 kg
hebt der Roboter auf eine Übergabehöhe von bis zu 1.200 mm
±100 mm
Versatz gleicht die KI-Palettenerkennung aus, dazu bis 10 Grad Verdrehung
70 mm
Höhe, ab der die 360-Grad-Sicherheitssensorik Hindernisse erkennt
130 Ah
Lithium-Ionen-Akku, den der Roboter in Arbeitspausen selbst nachlädt

Von der Vorstellung zur neuen Rechtslage

19.02.2026
Jungheinrich stellt den EAC 212a vor
Navigation ohne Reflektoren, VDA-5050-fähig
01.10.2026
Vertriebsstart mit Test- und Try-and-buy-Angeboten
Einstieg mit einem einzelnen Fahrzeug möglich
02.10.2026
Kion warnt vor einem schwachen dritten Quartal
Aufträge der Lagerautomatisierung auf Vorjahresniveau
14.01.2027
EU-Maschinenverordnung 2023/1230 gilt
Drittprüfung für lernende Sicherheitsfunktionen

Was ändert die Maschinenverordnung ab 2027 für Lagerroboter?

Ab dem 14. Januar 2027 gilt die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 und löst die bisherige Maschinenrichtlinie ab.[4] Für autonome mobile Maschinen verlangt die Verordnung, wo nötig, eine Überwachungsfunktion: Eine Aufsichtsperson erhält darüber Informationen aus der Ferne und darf das Fahrzeug nur stillsetzen, starten oder in einen sicheren Zustand bringen. Zudem muss die Steuerung bis zu fünf Jahre lang belegen, welche Versionen der Sicherheitssoftware nach der Auslieferung aufgespielt wurden. Neue Funktionen erhält der EAC 212a per Over-the-Air-Update.[2]

Am schärfsten greift die Verordnung beim maschinellen Lernen. Gewährleistet ein lernendes System eine Sicherheitsfunktion, prüft eine unabhängige Stelle die Konformität. Beim EAC 212a erkennt die KI Paletten, die 360-Grad-Sicherheitssensorik überwacht Menschen und Hindernisse. Als nächsten Schritt plant Jungheinrich laut Logistra kamerabasierte Physical AI, die verschiedene Ladungsträger erkennt.[1] Die Grenze zur Sicherheitsfunktion liegt nah: Bei Jungheinrichs neuen Gegengewichtsstaplern erkennt eine KI-Kamera bereits Personen.

Für Betriebe, die einen Palettenroboter testen, folgen daraus zwei Prüfpunkte:

  • Im Testbetrieb klären Sie, ob die vorhandene Leitsteuerung den Roboter über VDA 5050 neben den übrigen Fahrzeugen führt.
  • Lassen Sie sich vor dem Kauf schriftlich geben, welche Funktionen per Update nachkommen und ob eine davon Sicherheitsaufgaben übernimmt.

Quellen

[1] Logistra: „Mobile Roboter im Lager: Jungheinrich startet Vertrieb des EAC 212a für Palettentransporte“ (01.10.2026)

[2] Jungheinrich: „Intelligent automation for high-lift applications: Jungheinrich launches Mobile Robot EAC 212a“ (19.02.2026)

[3] Verband der Automobilindustrie: „Mobile Roboter für den innerbetrieblichen Materialtransport: neue Version der VDA 5050 veröffentlicht“ (20.08.2024)

[4] Amtsblatt der Europäischen Union: „Verordnung (EU) 2023/1230 über Maschinen“ (29.06.2023)

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