Die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn im Fernverkehr lag im September bei 52,4 %, fast jeder zweite Fernzug kam also zu spät. Schwächer war 2026 nur der Januar. Das Ziel von Bahnchefin Evelyn Palla, im Gesamtjahr 60 % zu erreichen, gerät damit außer Reichweite.

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Als Grund nennt die Bahn das hohe Baupensum in Knoten und auf Hauptrouten sowie zahlreiche Anlagenstörungen.[1] Zwischen Berlin und Wolfsburg mussten ICE-Züge wegen des schlechten Streckenzustands vielerorts langsamer fahren. Seit dem 2. Oktober saniert die Bahntochter DB InfraGO deshalb die Schnellfahrstrecke zwischen Hannover und Berlin unter Vollsperrung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Fernverkehr erreichten die Züge im September 52,4 % ihrer Halte mit weniger als sechs Minuten Verspätung, im September 2025 lag der Wert bei 55,3 %.
  • DB Regio kam auf 88,2 % und lag damit einen Prozentpunkt über dem Vorjahresmonat.
  • Für 60 % im Gesamtjahr müsste der Fernverkehr von Oktober bis Dezember rechnerisch im Schnitt knapp 70 % schaffen.

Warum trifft die Verspätung vor allem den Fernverkehr?

Standuhr auf weißem Hintergrund mit einem orangefarbenen Schild „+6 Min.“
ICE-Züge verlieren auf langen Strecken durch Baustellen und überlastete Knotenpunkte Minuten, die sie selten aufholen. Regionalzüge sind pünktlicher

Ein ICE fährt oft mehrere hundert Kilometer am Stück, auf dem Weg liegen Baustellen, Langsamfahrstellen und überlastete Knoten. Jede Störung unterwegs kostet Minuten, die der Zug bis zum Ziel selten wieder aufholt. Die Bahn nennt den langlaufenden Fernverkehr selbst als besonders betroffen. Regionalzüge pendeln auf kürzeren Linien und kommen deutlich pünktlicher an.

Ein großer Teil des Netzes läuft mit analoger Stellwerkstechnik. Erst rund 2 % sind mit digitaler Leit- und Sicherungstechnik ausgerüstet, über 1.100 Relaisstellwerke stammen aus den 1950er- und 1960er-Jahren. Anders als digitale Anlagen melden diese Stellwerke keinen Verschleiß im Voraus, eine Störung fällt erst mit dem Ausfall auf.

Kann die Bahn ihr Jahresziel noch erreichen?

Palla hatte für 2026 mindestens 60 % Pünktlichkeit im Fernverkehr als Jahresziel ausgegeben. Die 60-Prozent-Marke übertraf der Fernverkehr bisher nur im März, April und Mai, am stärksten im April mit 64,4 %.[1]

Für 60 % im Gesamtjahr bräuchte die Bahn von Oktober bis Dezember grob gerechnet knapp 70 % im Monatsschnitt. Im Vorjahr erreichte der Fernverkehr in diesen drei Monaten 51,5, 54,5 und 61,7 %. Mit der Sperrung zwischen Hannover und Berlin kommt im Herbst eine weitere Großbaustelle hinzu. Zugleich hat die Bahn das Tempo ihrer Generalsanierung gedrosselt: Statt vier Korridoren will der Konzern pro Jahr nur noch zwei, in Ausnahmen drei komplett erneuern.

In die betriebliche Pünktlichkeit fließen nur Halte ein, die tatsächlich stattfinden. Ausgefallene Züge und verpasste Anschlüsse erfasst erst die Reisendenpünktlichkeit, die Verspätungen bis 14:59 Minuten toleriert. Dieser Wert lag im September bei 58,6 %.

Die Deutsche Bahn saniert ihr Netz bis in die 2030er-Jahre, ihr Pünktlichkeitsziel von 60 % gilt aber für 2026.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Fernverkehr der Bahn: September unter dem Jahresziel
Pünktlichkeit der DB-Züge im September 2026 und der Fernverkehr Monat für Monat
52,4 %
der Halte im Fernverkehr erreichten die Züge mit weniger als sechs Minuten Verspätung
58,6 %
der Fahrgäste im Fernverkehr kamen höchstens 14:59 Minuten zu spät am Ziel an
88,2 %
Pünktlichkeit erreichte DB Regio, einen Prozentpunkt mehr als im September 2025
knapp 70 %
bräuchte der Fernverkehr im Schnitt von Oktober bis Dezember für 60 % im Gesamtjahr

Fernverkehr 2026: betriebliche Pünktlichkeit je Monat

Senkrechte Linie: Jahresziel 60 %

Jan
52,1 %
Feb
59,4 %
Mär
62,1 %
Apr
64,4 %
Mai
61,1 %
Jun
52,6 %
Jul
52,6 %
Aug
54,2 %
Sep
52,4 %

Was bedeutet die Lage für Ihre Dienstreisen?

Zwischen Hannover und Berlin brauchen Fernzüge bis Dezember 2027 rund 80 Minuten länger, weil sie über Braunschweig und Magdeburg ausweichen. Für Termine am Zielort lohnt sich deshalb ein Zeitpuffer, zumal die Bahn nach den Fahrgastrechten nur einen Teil des Fahrpreises erstattet:

  • Rechnen Sie mit mindestens 20 Minuten Verspätung, dürfen Sie trotz Zugbindung Ihres Sparpreises einen anderen Zug nehmen.[2]
  • Ab 60 Minuten Verspätung am Zielbahnhof erhalten Sie 25 % des Fahrpreises zurück, ab 120 Minuten 50 %.
  • Entschädigungen unter 4 € zahlt die Bahn nicht aus.
  • Den Antrag stellen Sie im DB-Kundenkonto. Die Frist beträgt drei Monate, derzeit akzeptiert die Bahn auch Anträge bis zwölf Monate nach der Reise.

Firmen mit vielen Bahnreisen beantragen die Entschädigungen am besten zentral über die Reisekostenstelle, statt Kleinbeträge verfallen zu lassen. Wie Bahn, Auto oder Flugzeug bei Kosten und Klimabilanz abschneiden, zeigt unser Verkehrsmittel-Vergleich.

Quellen

[1] Deutsche Bahn: „Pünktlichkeitswerte für den September 2026“ (02.10.2026)

[2] Deutsche Bahn: „Fahrgastrechte: Rechtliche Regelungen“

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