Auf der Bahnstrecke Hannover–Berlin beginnt am 2. Oktober eine Sperrung, die 14 Monate dauert. Fernzüge brauchen bis Dezember 2027 rund 80 Minuten länger, weil sie über Braunschweig und Magdeburg ausweichen. Eigentlich sollte ab Dezember die parallele Lehrter Stammbahn einspringen, doch die Elektrifizierung dieser Ausweichstrecke dauert ein Jahr länger.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenÜber den Abschnitt Lehrte–Berlin, das Kernstück der Bahnstrecke Hannover–Berlin, rollen an einem normalen Tag mehr als 400 Nah- und Fernzüge sowie rund 90 Güterzüge.[2] Ab Freitag um 21 Uhr weichen die Fernzüge aus, auf mehreren Regionallinien fahren Busse.
Das Wichtigste in Kürze
- Vom 2. Oktober 2026 bis Dezember 2027 fährt der Fernverkehr durchgehend über Braunschweig und Magdeburg.
- Die Lehrter Stammbahn sollte ab Dezember 2026 als eingleisige Umleitung dienen, bekommt ihre Oberleitung aber erst Ende 2027.
- Die Verzögerung verschiebt auch Sperrungen auf anderen Strecken, etwa zwischen Halle und Eichenberg.
Warum fällt die Umleitung über die Stammbahn aus?

Der Juni-Plan beruhte auf einer zweiten Strecke. Neben der Schnellfahrstrecke verläuft die Lehrter Stammbahn, und die Bahntochter DB InfraGO elektrifiziert diese Trasse seit Sommer 2025 abschnittsweise.[1] Von Dezember 2026 bis Oktober 2027 sollten Züge dort eingleisig an den Baustellen vorbeifahren, anders als bei der Vollsperrung zwischen Hamburg und Berlin.[2] Gerd-Dietrich Bolte, Vorstand Infrastrukturplanung bei DB InfraGO, lobte im Juni: „Das Konzept der Sanierung aller Anlagen entlang eines Korridors bewährt sich.“
Im August räumte die Bahn ein, dass die Stammbahn erst Ende 2027 unter Strom stehen wird. Ohne Fahrdraht taugt die Trasse nicht als Umweg für ICE-Züge und elektrische Güterloks. DB InfraGO verlängert deshalb die Bauphase bis Dezember 2027. An der Stammbahn entstehen in dieser Zeit fünf Überleitverbindungen, sechs Stellwerke werden erneuert.[1] Zwischen Hamburg und Berlin hatte die Leit- und Sicherungstechnik die Wiedereröffnung um sechs Wochen verzögert, worauf die Bahn im August beschloss, fertige Abschnitte in Etappen ans Netz zu bringen.
Was macht die Bauarbeiten bei Stendal so langwierig?
Östlich und westlich von Stendal liegen die Gleise nicht auf Schotter, sondern auf Betonplatten aus den 1990er-Jahren. Nach rund 30 Jahren Dauerlast ersetzt DB InfraGO diese Feste Fahrbahn auf 52 Kilometern: Bautrupps brechen den alten Beton Stück für Stück heraus, bereiten den Untergrund auf und verlegen 16.000 Fertigteilplatten von je 6,5 Metern Länge und 10 Tonnen Gewicht.[1]
Weil DB InfraGO nun drei Vorhaben bündelt, ist das Bauprogramm gegenüber dem Juni-Plan gewachsen. Statt 175 Weichen und 260 Kilometer Gleis nennt die Bahn jetzt mehr als 214 Weichen und rund 357 Kilometer, dazu 100 Kilometer Oberleitung und 25 modernisierte Bahnhöfe. Auf der Stammbahn bereitet DB InfraGO in der verlängerten Bauzeit bereits Tempo 160 vor.[1]
Was bedeutet die Sperrung für Unternehmen?
Die Verzögerung reicht über Hannover und Berlin hinaus. Güterzüge weichen ab Ende Januar 2027 zusätzlich über Halle und Eichenberg aus. Geplante Sperrungen dort und zwischen Bebra und Fulda will die Bahn deshalb kürzen oder verschieben, wie sie im August ankündigte. DB InfraGO hat rund 50 Millionen Euro in die Instandhaltung der Umleitungsstrecke über Braunschweig und Magdeburg gesteckt, damit die Gleise dort den Mehrverkehr aushalten.[1] Weil ein gesperrter Korridor die Trassen der Nachbarstrecken belegt, plant die Bahn inzwischen nur noch zwei statt vier Generalsanierungen pro Jahr.
Die Bahn hat ihren Umleitungsplan auf eine Oberleitung gebaut, die noch gar nicht hing. Firmen sollten für Berlin und Hannover bis Ende 2027 mit dem Umweg planen und nicht auf einen früheren Starttermin der Stammbahn hoffen.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Für Dienstreisen zwischen Berlin und Nordrhein-Westfalen kalkulieren Sie bis Dezember 2027 mit rund 80 Minuten Aufschlag je Richtung. Ob ICE-Züge in Stendal und Wolfsburg halten, prüft die Bahn noch.[1] Parallel ist in Berlin die Stadtbahn gesperrt. Planen Sie Umstiege in der Hauptstadt deshalb gerne mit Puffer ein. Lohnt der Umstieg auf Auto oder Flugzeug? Die Rechnung liefert unser Vergleich der Verkehrsmittel. Verlader sprechen am besten jetzt mit ihren Eisenbahnunternehmen über die Trassen ab Januar.
Quellen
[1] Deutsche Bahn: „Baustart Hannover – Berlin: DB InfraGO beginnt am 2. Oktober die umfangreichen Bauarbeiten“ (29.09.2026)
[2] Deutsche Bahn: „Korridorsanierung Lehrte – Berlin: Ab Oktober startet erste Phase der Bauarbeiten“ (18.06.2026)
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