Die Deutsche Telekom kauft das Essener Glasfasernetz der insolventen Netzbetreiber Ruhrfibre und Metrofibre. Der Asset Deal umfasst Leitungen für rund 87.000 Haushalte, ein Teil des Netzes ist noch im Bau. Einen Kaufpreis nennt der Bonner Konzern nicht.

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Mit dem Glasfasernetz in Essen wächst die Telekom an einem ihrer zentralen Standorte im Ruhrgebiet: Das eigene FTTH-Netz erreicht in der Stadt schon heute rund 288.000 Haushalte.[1] Thilo Höllen, bei Telekom Deutschland für Kooperationen verantwortlich, nennt die Infrastruktur von Ruhrfibre und Metrofibre eine „ideale Ergänzung“ zum eigenen Ausbau. Der Konzern prüfe gezielt, bestehende Glasfaser „zu attraktiven Konditionen zu übernehmen“.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Telekom erwirbt per Asset Deal nur die Netzinfrastruktur, nicht die beiden Gesellschaften.
  • Ruhrfibre wollte ab 2023 rund 150.000 Essener Haushalte ohne Fördergeld an die Glasfaser bringen.
  • Nach dem Umbau auf Telekom-Technik dürfen auch Wholesale-Partner der Telekom das Netz vermarkten.

Warum scheiterte Ruhrfibre in Essen?

Spule mit Kupferdraht und Anhänger mit dem Wort Verkauft auf einer weißen runden Plattform
Ruhrfibre startete 2023 als Gemeinschaftsprojekt von Stadt Essen, DIF Capital Partners und Metrofibre. In drei Jahren sollten 150.000 Haushalte, Unternehmen und Kliniken Glasfaser erhalten, finanziert mit 180 Mio. Euro Privatkapital. Vodafone vermarktete die Anschlüsse

Ruhrfibre startete im Frühjahr 2023 als Gemeinschaftsprojekt der Stadt Essen, des Infrastrukturinvestors DIF Capital Partners und des Projektentwicklers Metrofibre.[2] Binnen drei Jahren sollten rund 150.000 Haushalte, Unternehmen und Kliniken Glasfaser bekommen, finanziert mit rund 180 Mio. € Privatkapital. Vodafone vermarktete die Anschlüsse als Partner.

Im Mai beantragten Ruhrfibre, Metrofibre und die Düsseldorfer Schwestergesellschaft Düsselfibre laut Branchenberichten Insolvenz in Eigenverwaltung. Als Grund nannten die Unternehmen den überraschenden Rückzug ihrer Geldgeber. Im September traf die Insolvenz die Endkunden: Rund 270 Vodafone-Kunden im Ruhrfibre-Netz mussten nach Berichten von Fachmedien zum 30. September auf DSL oder Kabel zurückwechseln.

Warum kauft die Telekom lieber, als selbst zu bauen?

Glasfaser rechnet sich erst, sobald genug Haushalte an einer verlegten Strecke einen Vertrag abschließen. Bei der Telekom lag die Buchungsquote im Sommer bei 17,9 % der erschlossenen Haushalte. Konzernchef Tim Höttges hat den Ausbau deshalb auf Rendite statt Reichweite umgestellt.

Ein Asset Deal passt zu dieser Rechnung. Die Telekom erwirbt Leitungen und Technik, während Schulden und Kundenverträge der insolventen Gesellschaften nicht automatisch mit übergehen. Für die fertigen Abschnitte haben die bisherigen Geldgeber den teuren Tiefbau bereits bezahlt.

Hohe Zinsen und Baukosten setzen kleinere Netzbetreiber bundesweit unter Druck und die Konsolidierung spielt dem größten Anbieter in die Hände. In Essen kaufte die Telekom Ende 2025 schon das Netz von DOKOM21 für perspektivisch rund 25.000 Haushalte.[1] In Polen kaufte die Konzerntochter T-Mobile Polska für rund eine Milliarde Euro die Glasfasernetze von Fiberhost und Inea.

Die Telekom sammelt in Essen ein, was kleinere Netzbetreiber nicht zu Ende finanzieren konnten. Für Firmen zählt vor jedem Glasfaservertrag deshalb die Frage, wie lange der Netzbetreiber durchhält.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Glasfaser in Essen wechselt den Besitzer
Was die Telekom mit dem Netz von Ruhrfibre und Metrofibre übernimmt und wie das Projekt dorthin kam
rund 87.000
Haushalte umfasst das zugekaufte Netz, ein Teil davon ist noch im Bau
rund 288.000
Haushalte in Essen erreicht das eigene Glasfasernetz der Telekom schon heute
rund 180 Mio. €
Privatkapital wollte Ruhrfibre 2023 in Glasfaser für 150.000 Haushalte stecken
rund 270
Vodafone-Kunden im Ruhrfibre-Netz wechselten laut Fachmedien zurück auf DSL oder Kabel

Vom Ausbaustart zum Verkauf

21.02.2023
Ruhrfibre nennt die ersten 13 Ausbaugebiete in Essen
Vodafone vermarktet die Anschlüsse
Ende 2025
Telekom kauft das Essener Glasfasernetz von DOKOM21
perspektivisch rund 25.000 Haushalte
Mai 2026
Ruhrfibre und Metrofibre beantragen laut Fachmedien Insolvenz in Eigenverwaltung
Ausbau gestoppt
30.09.2026
Vodafone beendet laut Fachmedien die Glasfasertarife im Ruhrfibre-Netz
Kunden zurück auf DSL oder Kabel
02.10.2026
Telekom vereinbart den Kauf der Netzinfrastruktur
Asset Deal, Kaufpreis nicht genannt

Was bedeutet der Zukauf für Unternehmen in Essen?

Nach dem Umbau auf Telekom-Technik steht das Netz auch den Wholesale-Partnern der Telekom offen.[1] Andere Anbieter mieten dann Vorleistungen beim Bonner Konzern und verkaufen darüber eigene Tarife. Einen Termin für den Abschluss der Transaktion oder die ersten buchbaren Anschlüsse nennt die Telekom nicht.

Firmen mit einem Glasfaservertrag bei einem regionalen Netzbetreiber sollten den Ausfall des Betreibers einplanen:

  • Prüfen Sie vor der Unterschrift Gesellschafter und Finanzierung des Netzbetreibers. In Essen fiel nicht der Tarifanbieter aus, sondern der Betreiber der Leitung.
  • Sichern Sie geschäftskritische Standorte mit einer zweiten Anbindung über das Mobilfunknetz ab. Ein 5G-Router überbrückt den Ausfall, bis eine neue Leitung läuft.

Quellen

[1] Deutsche Telekom: „Zukunftssichere Infrastruktur für Essen: Telekom übernimmt Glasfasernetz von Ruhr- und Metrofibre“ (02.10.2026)

[2] Stadt Essen: „Glasfaser für ganz Essen: ruhrfibre gibt erste Glasfaser-Ausbaugebiete für Essen bekannt“ (21.02.2023)

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