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Alphabet-Chef Sundar Pichai teilt die Kapazität der Google-Rechenzentren in fester Reihenfolge zu: zuerst die KI-Spitzenforschung von Google DeepMind, danach die Geschäftsbereiche samt Cloud-Kunden. Fragt ein Kunde heute nach Rechenleistung für 2027, ist das nach Pichais Worten im Podcast Big Technology „äußerst schwierig“. Für Unternehmen mit KI-Projekten auf Google Cloud wird Kapazität damit zur Verhandlungssache.

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Alex Kantrowitz führte das Gespräch für Big Technology in der Google-Zentrale in Mountain View, der Podcast erschien am 20. Oktober.[1] Im Mittelpunkt steht Gemini 4 Argon: Das neue Spitzenmodell verarbeitete in den ersten 72 Stunden fast 25 Billionen Token, rund dreimal so viele wie Gemini 3.0 zum Start, und Google stößt beim Betrieb an Kapazitätsgrenzen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pichai nennt genug Rechenleistung für die KI-Forschung von Google DeepMind „nicht verhandelbar“, das Cloud-Geschäft verzichtet dafür auf kurzfristige Umsätze.
  • Ähnlich lange Wartezeiten auf Rechenleistung sieht Pichai bei allen großen Anbietern, 2025 mietete Google kurzfristig fremde Kapazität an.
  • Der Auftragsbestand von Google Cloud lag Ende Juni bei 447 Mrd. €.
  • Pichai wünscht sich unabhängige Prüfer für KI-Modelle, die EU-KI-Verordnung verlangt Modellbewertungen schon seit 2025.

Was sagt Pichai über die Rechenleistung?

Servergehäuse mit orangefarbenem Aufsteller und Aufkleber 'Reserviert'
Google priorisiert KI-Forschung vor Cloud-Umsatz und verlagert Rechenressourcen entsprechend um

Genug Rechenleistung für die Spitzenforschung sei Grundsatz bei Google, „und das ist nicht verhandelbar, alles andere baut darauf auf“, sagte Pichai. Erst danach plane der Konzern für Suche, Cloud oder Waymo. Den Vorrang bezahlt die Cloud-Sparte mit Umsatz: „Unser Cloud-Geschäft verzichtet ständig auf kurzfristige Erlöse, weil wir Rechenleistung zugunsten der KI-Spitzenforschung umschichten.“[1]

Den Engpass erklärt Pichai mit langen Vorlaufzeiten: Die Rechenleistung von heute beruhe auf Entscheidungen aus dem Jahr 2024, vor einem Jahr habe der Boom beim Programmieren mit KI-Agenten noch nicht eingesetzt. Mit ähnlich langen Wartezeiten kämpfen nach Pichais Worten alle großen Anbieter. Schon 2025 mietete Google kurzfristig Rechenleistung an, um einzelnen Kunden auszuhelfen.

Warum stellt Google die eigene Forschung vor die Kunden?

An der Spitze erkenne Google früher als andere, was neue Modelle können, sagte Pichai, und die besten Modelle würden zunehmend beim Bau ihrer Nachfolger helfen. Diesen Kreislauf hatte Mitgründer Sergey Brin vergangene Woche als beginnende Selbstverbesserung beschrieben. Über den Vorsprung im Wettlauf mit OpenAI und Anthropic entscheidet damit auch, welches Team bei Google zuerst rechnen darf.

Der Auftragsbestand von Google Cloud lag Ende Juni bei 447 Mrd. €, gut die Hälfte soll binnen 24 Monaten zu Umsatz werden.[2] Im zweiten Quartal wuchs der Cloud-Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 82 % auf 21,5 Mrd. €, Alphabet gab 39,1 Mrd. € für Sachanlagen aus.[3] Rechenleistung verkauft Google auch an einen direkten Konkurrenten: Anthropic hat laut Wall Street Journal Cloud-Verträge über knapp 97 Mrd. € mit Google geschlossen.

Pichai spricht offen aus, wer bei Google zuerst rechnen darf: die eigene Forschung, nicht der zahlende Cloud-Kunde.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Bei Google rechnet die Forschung zuerst
Pichais Rangfolge, der Engpass und die Zahlen dahinter
Rangfolge nach Pichai
  • Zuerst: Google DeepMind, Forschung und Spitzenmodelle
  • Danach: Suche, Cloud, Waymo und die übrigen Sparten nach ihrer Langfristplanung
  • Grundsatz: „nicht verhandelbar“
Der Engpass
  • Gemini 4 Argon: fast 25 Billionen Token in 72 Stunden, rund dreimal so viele wie Gemini 3.0
  • Kapazität für 2027: „äußerst schwierig“
  • Vorlauf: Die heutige Rechenleistung geht auf Entscheidungen von 2024 zurück
Google Cloud im zweiten Quartal 2026
Auftragsbestand Ende Juni
447 Mrd. €
  • Umsatz: 21,5 Mrd. €, 82 % mehr als im Vorjahresquartal
  • Betriebsergebnis: 7,7 Mrd. €, gut dreimal so viel wie ein Jahr zuvor
Google in Deutschland
  • Investition: 5,5 Mrd. € bis 2029
  • Dietzenbach: neues Rechenzentrum bei Frankfurt
  • Hanau: Ausbau des Standorts von 2023
  • Cloud-Regionen: zwei in Deutschland

Was bedeutet das für Unternehmen in Deutschland?

Google betreibt zwei Cloud-Regionen in Deutschland und will hierzulande 5,5 Mrd. € bis 2029 investieren, unter anderem in ein neues Rechenzentrum in Dietzenbach bei Frankfurt und den Ausbau in Hanau.[4] Zum 1. Dezember verdoppelt Google außerdem den Preis für Ausgabe-Token von Gemini 4 Argon in der API. Lassen Sie sich Kapazität für KI-Projekte deshalb gerne vertraglich zusichern und prüfen Sie, ob Ihre Anwendung auch in einer zweiten Region oder bei einem zweiten Anbieter läuft. Wie verwundbar eine einzelne Region ist, zeigte am Dienstag der Ausfall der Google-Cloud-Region London, der auch Kartenzahlungen bei der Onlinebank Revolut traf.

Für die KI-Sicherheit fordert Pichai branchenweite Standards und unabhängige Prüfer, so wie Bilanzierungsregeln und Wirtschaftsprüfer in der Finanzwelt. In der EU gilt ein Teil davon bereits: Seit August 2025 müssen Anbieter großer KI-Modelle mit systemischem Risiko nach Artikel 55 der KI-Verordnung ihre Modelle nach standardisierten Protokollen bewerten und Angriffstests dokumentieren, seit August 2026 kann die EU-Kommission Verstöße mit Geldbußen ahnden.[5]

FAQ: Sundar Pichai und die Rechenleistung von Google

Wer ist Sundar Pichai?

Sundar Pichai leitet Google seit Oktober 2015 und ist seit Dezember 2019 zugleich Chef des Mutterkonzerns Alphabet. Zuvor verantwortete er bei Google unter anderem den Browser Chrome und das Betriebssystem Android.

Wie viel Umsatz macht Google Cloud?

Im zweiten Quartal 2026 setzte Google Cloud 21,5 Mrd. € um, 82 % mehr als ein Jahr zuvor. Das Betriebsergebnis der Sparte lag bei 7,7 Mrd. €, der Auftragsbestand Ende Juni bei 447 Mrd. €.

Was kostet Gemini 4 Argon über die API?

Bis zum 30. November kostet eine Million Ausgabe-Token im bezahlten Tarif der Gemini-API umgerechnet 8,70 €, einschließlich der Token für die internen Zwischenschritte des Modells. Ab dem 1. Dezember verlangt Google dafür 17,40 €.

Wo baut Google in Deutschland Rechenzentren?

Google errichtet ein neues Rechenzentrum in Dietzenbach bei Frankfurt und baut den 2023 eröffneten Standort in Hanau aus. Beides gehört zu einem Investitionsprogramm über 5,5 Mrd. €, das bis 2029 läuft.

Was verlangt die KI-Verordnung von Anbietern großer KI-Modelle?

Anbieter von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck mit systemischem Risiko müssen ihre Modelle nach Artikel 55 bewerten, Angriffstests dokumentieren, schwerwiegende Vorfälle melden und für Cybersicherheit sorgen. Die Pflichten gelten seit dem 2. August 2025.

Quellen

5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Big TechnologySundar Pichai: Google’s Frontier Imperative, Compute Scarcity Dilemmas, Future AI Products and Businesses (englisch, Interview mit Transkript)20.10.2026
  2. AlphabetQuartalsbericht (Form 10-Q) für das zweite Quartal 2026 (englisch)23.07.2026
  3. AlphabetAlphabet Announces Second Quarter 2026 Results (englisch)22.07.2026
  4. Google5,5 Milliarden Euro für Deutschlands digitale Zukunft11.11.2025
  5. Amtsblatt der EUVerordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Artikel 55, 101 und 11312.07.2024

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